Am Ortseingang soll ein Komplex aus zwei Gebäuden entstehen

© APA/JOCHEN HOFER

Vorarlberg
04/09/2021

Zwist im Nobelskiort: Ein Gemeindezentrum spaltet Lech

Der Streit um das 40-Millionen-Euro-Projekt in dem Tourismusort nimmt kein Ende

von Christian Willim

Das mondäne Publikum und die reichen Zweitwohnsitzer lassen mitunter vergessen, das Lech am Arlberg letztlich nur ein Dorf in den Alpen ist. In dem gärt es seit Jahren. Der lange unter der Oberfläche kochende Unmut von Teilen der Bevölkerung hat sich bei den letzten Gemeindewahlen Bahn gebrochen.

Es war der Streit um ein neues Gemeindezentrum, der das Fass zum überlaufen brachte. Der Konflikt war symptomatisch dafür, dass ein Teil des Dorfs meinte, dass die Gemeindepolitik nicht zuvorderst die Interessen der Einheimischen im Blick hatte.

Die Pläne, in den 40-Millionen-Euro-Bau ein Luxus-Kaufhaus der KaDeWe-Kette des Tiroler Immobilien-Investors René Benko zu integrieren – und damit den eigenen Betrieben im Ort Konkurrenz zu machen, haben Langzeit-Bürgermeister Ludwig Muxel im vergangenen Herbst das Amt gekostet.

Die Kaufhauspläne sind Geschichte. Aber mehr als ein halbes Jahr, nachdem die Gemeindevertretung bei den Wahlen auf den Kopf gestellt wurde und der Nobelskiort die Einnahmen einer ganzen Wintersaison verloren hat, sorgt das Mega-Projekt weiter für Zwist in dem Dorf.

Die Finanzlage ist angespannt, zehn Millionen Euro sollen im Haushalt eingespart werden. Das Gemeindezentrum mit zwei riesigen Baukörpern wird nicht nur das Ortsbild, sondern auch das Budget über Jahrzehnte prägen.

„Die Zeche zahlen die Unternehmer von Lech“, sagt Brigitte Finner von „Zukunft wagen“, einer von vier Listen in der Gemeindevertretung, die im Februar beschlossen hat, Einsparungspotenzial zu suchen. Die Planer haben indes vorgerechnet, dass ein Redimensionierung das Projekt sogar um vier Millionen Euro teurer machen würde.

Neue Details

„Ich verstehe nicht, warum ein Haus teurer werden kann, wenn es kleiner werden soll“, sagt Finner, die sich zudem wundert, dass „immer mehr Details rauskommen, von denen wir nichts wussten“.

So sehen die Pläne eine Dachterrasse vor, die in den Modellen nicht erkennbar war. Finner kann sich eine Volksbefragung über die weitere Vorgangsweise vorstellen. Das würde hingegen einen Baustopp bedeuten, meint der ebenfalls für ein Abspecken des Gemeindezentrums eintretende Bürgermeister Stefan Jochum gegenüber dem ORF und befürchtetet: „Das wird sicher eine nicht ganz billige Angelegenheit.“

Am Montag befasst sich der Gemeinderat erneut mit dem Thema.

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