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Chronik Österreich
12/22/2020

Zwei Jahre nach Mord am Lugeck: Weitere Bluttat war in Vorbereitung

2018 starb Vladimir Roganovic. Doch der Mafiakrieg wäre beinahe wieder in Wien ausgetragen worden.

von Michaela Reibenwein

Menschen bummelten durch die Wiener Innenstadt, erledigten die letzten Weihnachtseinkäufe. Plötzlich fielen zwei Schüsse. Zwei Männer sackten leblos zusammen. Passanten rannten panisch in die Geschäfte, befürchteten einen Terroranschlag.

Gestern vor zwei Jahren wurde Wien zum Schauplatz eines Mafiamordes. Ein Auftragsmörder lauerte am Lugeck vor dem bekannten Restaurant Figlmüller auf seine späteren Opfer. Bei einem Durchgang zückte er seine Waffe und schoss. Der 32-jährige Vladimir Roganovic starb an Ort und Stelle. Ein zweiter Mann überlebte mit viel Glück.

Das nächste Opfer

Beinahe hätte es in diesem Herbst erneut zu einer ähnlichen Tat in Wien kommen können – ebenfalls mit Mafiahintergrund. Eine Liquidation war bereits in Vorbereitung, berichteten montenegrinische Medien. Ein möglicher Auftragskiller aus Serbien mit dem Spitznamen „Mücke“ soll sich bereits an die Fersen seines Opfers geheftet, den Mann verfolgt und fotografiert haben. Dann schrieb er seinen Auftraggebern: „Es wird einfach. Er ist völlig entspannt.“ Doch so weit kam es nicht. Der mutmaßliche Täter wurde festgenommen.

Im Ermittlungsakt dazu finden sich Fotos von Sprengkörpern und vom Verdächtigen mit Waffe samt Schalldämpfer. Er trägt OP-Handschuhe. Das Bundeskriminalamt ermittelt, will dazu aber keine näheren Auskünfte geben.

Hinter all dem steckt ein Krieg zweier Mafiaclans. Die Blutspur zieht sich quer durch Europa. Die Clans – auf der einen Seite der Kovacian-Clan, auf der anderen der verfeindete Skaljarski-Clan, stammen beide aus der montenegrinischen Küstenstadt Kotor.

Seit 2014 befinden sie sich im Kriegszustand – Auslöser war der Diebstahl von 200 Kilogramm Kokain. Seither gibt es Dutzende Tote auf beiden Seiten. Auch die Bluttat in Wien dürfte eine Racheaktion gewesen sein.

Der 32-jährige Vladimir Roganovic gehörte dem Kovacian-Clan an. Er war erst wenige Wochen davor aus dem Gefängnis entlassen worden – dort saß er eine Haftstrafe wegen eines Bombenanschlags in einer Disco ab.

Der Mann, der auf ihn angesetzt wurde, war ein Profi. Er hinterließ keine Spuren. Und er schaffte es, den zahlreichen Überwachungskameras in der Wiener Innenstadt zu entgehen.

Obwohl mehrere Passanten zu Augenzeugen der Tat wurden, ist die Täterbeschreibung dürftig. Es handelte sich um einen etwa 30-jährigen Mann, etwa 185 Zentimeter groß, mit Dreitagesbart. Er trug dunkle Kleidung und eine Kapuze.

Die Ermittler checkten auch die Fluggastdaten, kontrollierten, wer in den Tagen davor und danach ein- und ausreiste. Doch auch das half nicht weiter. Zwar gerieten einige Männer in den Kreis der Verdächtigen – doch letztendlich war der Mörder nicht darunter.

Familienbande

Vladimir Roganovic ist nur einer aus seiner Familie, der bei dieser blutigen Fehde sein Leben verlor. Niko Roganovic wurde 2017 durch Schüsse vor seiner Wohnung getötet. Dusko Roganovic verlor bei einer Bombenexplosion 2017 beide Beine. Und Scepan Roganovic wurde im Februar 2020 mit fünf Schüssen von einem Motorrad aus getötet.

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