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Chronik Österreich
11/09/2021

Der Wunsch vom Leben am Land (in der Pension)

Die Mehrheit der Österreicher würde lieber im ländlichen Raum leben. Das sagen vor allem jene, die am Ende des Erwerbslebens stehen. Aber auch die Jungen zieht es aufs Land.

von Marlene Penz

Neben der Gesundheit ist der Wohnort von zentraler Bedeutung für die Lebensqualität und -freude – zumindest, wenn man die Österreicher selbst fragt. Das haben Adeg und Gemeindebund über einen Zeitraum von drei Wochen gemacht.

Von 2.000 Befragten zwischen 18 und 65 Jahren gaben 83 Prozent im Rahmen des Adeg-Dorfleben-Reports 2021 an, dass Gesundheit am wichtigsten ist, gefolgt von Sicherheit am Wohnort (72 %) und der Zufriedenheit mit der eigenen Wohnsituation (67 %).

„Das ist ihnen noch wichtiger, als Partnerschaft und Beruf“, führt Politikwissenschaftler Peter Filzmaier aus, der die Studienergebnisse bei der Pressepräsentation am Montag erläuterte. Und könnten die Befragten frei wählen, dann würden 63 Prozent in ländlichen Regionen wohnen. derzeit wohnen mehr Menschen in der Stadt: Laut Statistik liegt der Grad der Urbanisierung in Österreich bei rund 59 Prozent.

Befragt wurden für die Studie Stadt- wie auch Landbewohner. Die Wohnkosten (70 %), das Sicherheitsempfinden (70 %) und die gelebte Nachbarschaftshilfe (66 %) sind jene Faktoren, die für eine ländliche Region stehen. Im Gegensatz dazu sprechen die öffentliche Verkehrsanbindung (78 %), das Kulturangebot (73 %) und die Nähe zum Arbeits- bzw. Ausbildungsort (68 %) für die Stadt.

Berufsleben

Betrachtet man nun die Altersgruppen, so zeige sich laut Filzmaier, dass viele sagen: „Hier verbringe ich die Pension.“ „Das ist sehr erfreulich, auch weil das immer mehr Menschen betrifft. Aber es ergibt sich auch eine Herausforderung, Leben am Land soll auch während des Berufslebens attraktiv sein“, so der Politikwissenschaftler.

Immerhin würden sich 58 Prozent der 18- bis 30-Jährigen für ein Leben am Land entscheiden (67 % der Personen ab 51 Jahren würden der Stadt den Rücken kehren). Diese Ergebnisse des Adeg-Dorfleben-Reports werden untermauert von Erhebungen der Statistik Austria zur Binnenwanderung: Erstmals seit zwei Jahrzehnten sind im vergangenen Jahr die Kleingemeinden wieder stärker gewachsen als die großen Städte (mit Ausnahme von Wien).

Filzmaier betont, dass es ein falsches Klischee der Jugend sei, das sich hartnäckig halte, aber das die Jugendforschung regelmäßig widerlegt: „Ein klassisches Lebensbild ist bei den Jungen durchaus verbreitet. Ein Leben mit Familie, festen Partnerschaften, Kindern, einem Häuschen im Grünen. Die einzige Ausnahme: Der Trauschein ist nicht mehr so wichtig.“

Das alles bietet Chancen für die Belebung des ländlichen Raumes, da sei auch die Politik gefragt. „Vor allem muss es Berufschancen geben, bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie muss angesetzt werden. Es stimmt nicht, dass der ländliche Raum ausstirbt, aber wenn alle jungen Frauen weggehen, wird es auch nicht funktionieren“, gibt Filzmaier zu bedenken.

Die Frage der Infrastruktur

Karin Scaria-Braunstein, Soziologin an der Universität Graz, kommt auch auf die Corona-Krise zu sprechen: Eine Krise habe an sich, dass man sich nach Ordnung und Sicherheit sehne. Das würde sich auch bei den befragten jugendlichen Teilnehmern (bis 30 Jahre) widerspiegeln.

Auf der anderen Seite beschäftige sie sehr stark die Klimakrise, die nachdrücklich Veränderungen bringt und fordert. „Das bedeutet mit Blick auf das Land, dass Infrastrukturen geschaffen werden müssen, die nachhaltiges, integratives und partizipatives Leben ermöglichen“, so Scaria-Braunstein.

Das Dorf habe in der Krise einen deutlichen Aufschwung erlebt – und auch die Nahversorger wieder mehr an Bedeutung gewonnen. „Der Nahversorger hatte bei den Jungen lange Zeit ein verstaubtes Image, aber jetzt kommen auch sie vermehrt, sie schätzen auch das regionale Angebot“, betont Adeg-Kaufmann Markus Haferl. „Innerhalb von Adeg setzen wir uns bereits seit vielen Jahren stark für das Thema Nachhaltigkeit ein“, betont Vorstandssprecher Brian Beck.

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