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Chronik Österreich
01/12/2022

Wo das Virus zirkuliert und welche Rolle der Tourismus spielt

Zwei Bundesländer und Wien haben bereits 7-Tage-Inzidenzen von mehr als 1.000. In den Skiorten ist die Dynamik noch ungebremst.

von Elisabeth Holzer, Christian Willim

Noch ist die Welle nicht ganz so hoch, wie die Prognosen befürchten lassen: 11.516 neue Ansteckungen mit dem Coronavirus wurden am Dienstag gemeldet. Das Prognose-Konsortium ging für Mitte dieser Woche im schlimmsten Fall von bis zu 17.000 aus.

Doch die omikron-getriebene Welle wächst zusehends: Vor einer Woche gab es österreichweit noch 5.496 Neuinfektionen, also halb so viele wie am Dienstag. Entsprechend stiegen die 7-Tage-Inzidenzen, die Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner berechnet: Vor einer Woche lag Österreich noch bei knapp 290 am Dienstag jedoch bereits bei knapp 757.

Die höchsten Werte

Die Bundesländer Salzburg und Tirol weisen mit Inzidenzen von fast 1.500 bzw. 1.300 die höchsten Werte auf – zum Vergleich: Das Burgenland liegt bei rund 300.

Auffällig ist der Anstieg in Wien: Die Bundeshauptstadt lag am Dienstag bei einer Inzidenz von 1.022. Die Zahl der täglichen Neuinfektionen hat sich dort binnen einer Woche auf 3.474 mehr als verdoppelt, das stellt einen Rekordwert dar.

Kitzbühel vor Pongau

Ein Rennen mit wechselnder Führung um die Spitze der Höchstwerte liefern sich seit Tagen zwei Tourismusbezirke. Am Dienstag lag Kitzbühel in Tirol mit einer 7-Tage-Inzidenz von 3.517,5 vor St. Johann im Pongau in Salzburg mit 3.432,8. Nur noch acht weitere Bezirke liegen höher als 1.000, bis auf Bludenz in Vorarlberg alle in Salzburg und Tirol.

Das extrem dynamische Infektionsgeschehen in den Wintersportorten hat die Debatte über den Tourismus als möglichen Pandemie-Treiber neu entfacht.

Branchenvertreter führen ins Feld, dass die Inzidenzen ein trügerisches Bild liefern, da diese Kennzahlen auf die Hauptwohnsitz-Bevölkerung gerechnet werden und nicht berücksichtigen, dass sich im Winter die Einwohnerzahl in Skiorten durch Urlauber und Saisonkräfte massiv erhöht.

Tatsächlich werden positiv getestete Gäste bei den Fallzahlen dem Urlaubsort zugeschlagen. „Aber wir hätten in Salzburg auch ohne die Touristen die höchsten Inzidenzen“, sagt Gernot Filipp, Leiter der Salzburger Landesstatistik.

Junge betroffen

Urlaube sind in Österreich zwar nur für Geimpfte und Genesene möglich. Aber auch die können sich mit Omikron anstecken. Dass sich das Virus in Hotel-Speisesälen oder Wirtshäusern verbreitet, glaubt Filipp nicht:

„Dann hätten wir viel mehr ältere Infizierte. Aber die meisten sind junge Erwachsene zwischen 18 und 25 Jahren.“ Diese würden sich „eher in anderen Bereichen anstecken“, sagt der Statistiker, ohne das Wort Party in den Mund zu nehmen.

Kein Ende in Sicht

Im besonders stark betroffenen Pongau ist keine Beruhigung in Sicht. "Wir haben hier nach wie vor steigende Zahlen", sagt Filipp. Flachau haben die hohen Zahlen die Austragung des Damen-Slaloms gekostet, der ins steirische Schladming gewandert ist.

SKI WELTCUP IN KITZBÜHEL 2021: SUPER-G DER HERREN: PODIUM

In Kitzbühel stehen hingegen kommende Woche gleich drei Herren-Ski-Rennen an. Und die Organisatoren wollen dort bei jedem der Bewerbe - zwei Abfahrten und ein Slalom - trotz der hohen Infektionszahlen bis zu 1.000 Skifans auf den Tribünen zulassen, die für die doppelte Besucherzahl ausgelegt wären.

Man brauche "ein paar Zuschauer für Stimmungsbilder", heißt es, wie berichtet, von den Veranstaltern.

"Über die Bühne bringen"

Die Frage, ob unter den derzeitigen Voraussetzungen die Rennen nicht doch noch abgesagt werden, ist laut Kitzbühels Bürgermeister berechtigt: "Aber ich gehe davon aus, dass wir das trotz der Zahlen über die Bühne bringen."

Es gäbe erste Zeichen der Beruhigung. Die Hosptialisierungen seien stabil und Urlauber aufgrund des Jänner-Lochs - also des geringeren Gästeanstroms nach den Weihnachtsferien - zudem deutlich weniger im Ort.

Das spiegelt sich laut dem Bürgermeister auch an der Screeningstraße der Stadt wieder, wo vergangene Woche noch zu 90 Prozent Touristen angestanden seien, am Montag zu 90 Prozent Einheimische. "Ich hoffe, dass ein bisschen eine Beruhigung eintritt. Viele Betriebe sperren in den nächsten Tage zu - teilweise auch weil sie von Infektionen betroffen sind."

Bei den Hahnenkamm-Rennen gilt für Besucher nach derzeitigen Corona-Regeln 2-G- und PCR-Test-Pflicht. Winkler kann sich zusätzlich auch noch Verschärfungen der Maskenpflicht vorstellen.

Was es für Winkler abseits der zahlenden Besucher zu vermeiden gilt: "Wir müssen verhindern, dass Leute zu uns kommen, um an die Rennen zu besuchen, obwohl es gar nicht geht."

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