"Wir sind ein Geisterdorf geworden"

"Wir sind ein Geisterdorf geworden"
Corona kam und plötzlich war in Sankt Margarethen alles anders. Wie eine kleine Gemeinde mit der Angst vor dem Virus lebt.

Die Straßen sind leer. Der Gesangsverein ist verstummt. Gottesdienste bleiben aus. Beerdigungen müssen im engsten Kreis und ohne Messe stattfinden. Die Volkstanzgruppe probt nicht. Der örtliche Verschönerungsverein hat den gemeinsamen Frühjahrsputz abgesagt. Die Schule ist zu, keine Kinder toben umher. Das Greabochstadion darf bis auf Weiteres nicht betreten werden - der Obmann des örtlichen Fußballvereins, SV St. Margarethen, mäht einsam den Rasen des Spielfeldes, weil “der wächst ja weiter”. 

Seit 1996 ist der Steinbruch von Sankt Margarethen im Burgenland Treffpunkt für Opernfreunde. Die für den 8. Juli geplante Premiere von Giacomo Puccinis „Turandot“ wurde in die Spielsaison 2021 verlegt. Auch der Saisonstart des normalerweise stark frequentierten Family-Parks musste verschoben werden. 

Der Bürgermeister packt an

Sankt Margarethen ist bisher vom Corona-Virus verschont geblieben und so soll es bleiben”, mit diesen Worten beginnt Eduard Scheuhammer den Bürgermeisterbrief an seine 2.600-Seelen-Gemeinde. Als klar war, wie ernst die Lage ist, hat er kurzfristig Vertreter wichtiger Institutionen der Ortschaft zusammengerufen und einen Expertenstab gegründet. Neben dem Pfarrer und der Kindergartenleiterin ist auch der Kommandant der Feuerwehr im Team sowie das Rote Kreuz. In sehr kurzer Zeit mussten unzählige systemrelevante Entscheidungen getroffen werden.

“Wir haben mit anderen Herausforderungen zu kämpfen als große Städte”, sagt Scheuhammer, der immer ein Vertreter der lebendigen Dorfkultur war. Seit 1992 ist der 61-Jährige im hiesigen Gemeinderat tätig, doch “mit so etwas habe ich nicht mehr gerechnet”. 

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