Alarmstufe Storch bei der "Airpower" 2011

© APA/Bundesheer/Timmerer

Chronik Österreich
05/06/2021

Wie sich kleine Tiere auf große Projekte auswirken können

In Salzburg wird Baum wegen Turmfalken nicht gefällt. Störche, Biber oder Käfer blockieren Vorhaben zuweilen - oft zu Recht.

von Anja Kröll, Elisabeth Holzer

Sie sind klein, können aber Großes verhindern, das wird bei einem Blick auf die tierischen Themen in der Gemeinde- und Landespolitik in Salzburg ersichtlich. Wie die Salzburger Nachrichten berichten, hat ein Turmfalkenpaar, das in einer Fichte beim Berndorfer Kindergarten nistet, den Bau des Projekts verzögert. Aufmerksame Beobachter entdeckten das Nest, ein Fotograf bestätigte beim Überflug mit einer Drohne: Dort liegen tatsächlich Eier. Die Gemeinde beschloss daraufhin, die Fichte nicht zu fällen, die Umbauarbeiten an dem 1,3 Millionen teuren Projekt aber dennoch fortzusetzen. Wenn auch nur am Boden.

Dass kleine, jedoch unter Schutz stehende Tiere große Projekte verhindern oder zumindest verzögern, kommt in Österreich immer wieder vor.

„Crex Crex“, besser bekannt als Wachtelkönig, war ab den 1990er-Jahren das rote Tuch jenes Teil der steirischen Landespolitik, der im Ennstal eine vierspurige Straße errichten wollte. Doch die Handvoll Vögelchen - der Wachtelkönig ist winzig, aber rar und steht unter strengem EU-Schutz - gewann: Die Ennsnahe Trasse kam nicht. Auch der Ausbau eines Golfplatzes musste wegen des Vogels adaptiert werden.

Störche bezwangen Jets

Apropos Vogel: Weitaus größere Vögel als der Wachtelkönig legten sich mit Flugzeugen in der Obersteiermark an, mehr noch sie zwangen gar Kampfjets zur Kapitulation. 2011 nisteten mehr als 20 Störche ausgerechnet dort, wo man sie nicht vermuten würde: auf dem Militärflughafen in Zeltweg. Die lauten Eurofighter ignorierten sie geflissentlich, ebenso die Kampfmethode des „unentwegten Anstarrens“: Rund 30 Soldaten hatten den Befehl, die Störche durch Anschauen zu vergrämen, so der Fachjargon einigen Vögeln war das tatsächlich zu aufdringlich, sie flogen weg. 17 Störche machten sich nichts draus und blieben. Die Flugschau „Airpower“ wurde deshalb adaptiert, damit sie abheben konnte: „Zone Rot“ hieß Alarm, Storch im Anflug. 2012 rückten Rekruten anderer Art in Zeltweg ein: Falken das beeindruckte die Störche dann doch.

Ein Biber hielt 2010 die Salzburg AG auf Trab. Just als die Pläne zum Kraftwerk Sohlstufe Lehen umgesetzt werden sollten, bestätigte ein Gutachten, dass sich dort Biber angesiedelt hatten. Das Unternehmen musste daraufhin Pläne erweitern und seine Auflagen erhöhen. Erst dann konnte man in Bau gehen. Legendär ist der tierische Widerstand von Fledermäusen in der Sauna im Salzburger Volksgarten. Eigentlich hätte das leer stehende Saunagebäude schon abgerissen werden sollen, doch das Unterfangen musste bis 2021 verschoben werden: Im Dachboden waren Fledermäuse eingezogen und zwar gleich elf Arten. Nun mussten für die Tiere vor dem Abriss gleich mehrere Ersatzquartiere geschaffen werden, die Bauarbeiten laufen.

Da Krebs, dort Käfer

Salzburg scheint mit den kleinen Tierchen überhaupt eine große Not zu haben. Als Sorgenkind gilt die Planung der Hochleistungsstrecke der ÖBB zwischen Köstendorf und Salzburg-Kasern. Hier musste gleich zwei Mal nachgebessert werden: Im Oktober 2019, als eine große Steinkrebspopulation entdeckt wurde, kürzlich wegen des streng geschützten Grubenlaufkäfers. Die Erhebungen rund um den Käfer sollen bis zum Spätherbst abgeschlossen sein. An dem Baustart 2026 für das Millionenprojekt wird weiter festgehalten.

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