Die Zieselpopulation beim Heeresspital hat sich vergrößert.

© APA/PERDITA PETZL

Chronik Österreich
02/23/2020

Aus die Maus: Wo kleine Tiere große Bagger stoppen

Der Mensch will seinen Lebensraum erweitern, kommt Tieren dabei aber gefährlich nahe. Umwelt- und Tierschützer lassen daher nichts unversucht, sie zu retten.

von Birgit Seiser

„Triüüii“ ruft der Triel – und dieser Ruf dürfte gerade ohrenbetäubend durch die Köpfe mancher Verantwortlicher der Asfinag hallen. Der Bau der Schnellstraße 8 steht wegen des Vogels vor dem Aus. Probleme wie dieses beschäftigen immer wieder Bauherren oder ganze Regierungen. Aktuell muss sich etwa die Führung Brandenburgs mit Ameisenhaufen, Zauneidechse, Schling- und Glattnattern beschäftigen, die den Bau eines Werks des Autoerzeugers Tesla verhindern könnten. Der KURIER hat sich die skurrilsten Geschichten aus der Welt des Naturschutzes angeschaut.

Der Marchfelder Triel

Der 40 Zentimeter große Triel ist der Grund, dass das 310-Millionen-Euro-Projekt Marchfeld Schnellstraße S8 in Niederösterreich mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht umgesetzt werden kann. 18 Jahre war der Bau in Planung, am Donnerstag setzten sich die Umweltschützer vor Gericht durch. Weil der Triel vom Aussterben bedroht ist und an der Strecke brütet, dürfte das Projekt Geschichte sein.

Die Stammersdorfer Ziesel

Eigentlich hätten am Areal hinter dem Heeresspital in Wien-Floridsdorf schon vor Jahren mehrere Wohnbauten fertiggestellt werden sollen. Doch dann kamen die Ziesel – beziehungsweise waren diese schon vorher da. Das rief Tierschützer auf den Plan.

2013 war den Projektwerbern von der Wiener Umweltbehörde MA 22 dann erlaubt worden, die Ziesel vom Baugrundstück absiedeln zu lassen. Diese Erlaubnis basierte aber auf der „Freiwilligkeit“ der Nager. Ein begrünter Steg sollte die Ziesel in ein neues Habitat führen. Die Idee mit dem Steg wurde bald zum Krimi: Die Zieselbrücke wurde mit Steinen und Holzteilen versperrt. Der Verantwortliche wurde nicht ausgeforscht. Nach einem langen Hin und Her zwischen Umweltschützern und Bauträgern kam es schließlich zu einem Kompromiss: Die Fläche darf vorerst zu einem Drittel bebaut werden, mittlerweile wurden etwa 160 Wohnungen errichtet, weitere Häuser sind in der Fertigstellung. Die Ziesel stört der Baulärm offenbar nicht: Die Population wuchs von 160 auf 300 Tiere an.

Die Kröten der Leopoldstadt

Bufotes viridis, auch Wechselkröte genannt, zauberte Bauträgern auf dem Nordbahnhof-Areal 2016 Sorgenfalten auf die Stirn. Eigentlich hätten in der Leopoldstadt 10.000 Wohnungen entstehen sollen, doch weil die dort heimische Kröte unter Naturschutz steht, mussten auch erst einmal die Bagger stehen bleiben. In diesem Fall war recht schnell eine Lösung gefunden. Ersatzbiotope wurden errichtet, in denen sich die Kröten wohlzufühlen scheinen. Die Bauarbeiten sollen im Jahr 2025 fertiggestellt werden.

Der Hietzinger Juchtenkäfer

Dass man in der Großstadt Wien den Naturschutz sehr, sehr ernst nimmt, zeigte 2016 auch die Diskussion um den Juchtenkäfer in Hietzing. Die Bezirksvorstehung Hietzing und die Bürgerinitiative „Rettet den Hörndlwald“ beauftragten einen Sachverständigen mit der Prüfung eines möglichen Vorkommens des Juchtenkäfer. Geplant war eine Rehab-Einrichtung für Patienten mit Burn-out.

Das seltene Insekt ist EU-weit streng geschützt und ist kein Neuling, was die Verhinderung von Bauprojekten betrifft: Der Bau des Bahnhofs in Stuttgart in Deutschland wurde wegen des Insekts verzögert. Pech für die Tierschützer war allerdings, dass es gar keinen Juchtenkäfer im Hörndlwald gab. Ein Adler sollte helfen. Doch auch der Zwergadler war laut Experten der MA 22 nicht im Lainzer Tiergarten angesiedelt. Die Debatte rund um den Erhalt des Waldes erregte aber derart die Gemüter, dass die Politik schließlich beschloss, den Bau nicht zu genehmigen und das Waldstück als Erholungsgebiet zu nutzen.

Die Hamster vom Laaer Berg

Aktuell erregt der Feldhamster die Gemüter einiger Tierschützer. Der kleine Nager mit den dicken Backen ist unter anderem im Volkspark am Laaer Berg beheimatet. Dort gibt es eine Frisbee- und Golf-Anlage mit neun Bahnen. Nun soll das Areal um weitere neun Bahnen erweitert werden, was den Hamster empfindlich stören könnte – das vermuten zumindest Hamsterfreunde.

Laut Informationen des Umweltschutzamts ist der Hamster ein sehr toleranter Stadtbewohner. Die streng geschützten Tiere befinden sich auf der Roten Liste der gefährdeten Tiere, früher wurden sie als Ernteschädlinge verfolgt. Experten gehen im Moment davon aus, dass sie sich nicht von den Frisbees vertreiben lassen. „Die Hamster fühlen sich zum Beispiel auch am Wasserspielplatz Wasserturm oder auf einzelnen Fußballplätzen wohl“, so Barbara Reinwein von der MA 22. Trotzdem werde man die Situation am Laaer Berg beobachten.

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