© PMU/Erika Mayer

Analyse
09/01/2020

Wie Salzburg auf dem universitären Abstellgleis landete

Bei Unigründungen hat Linz die Nase vorne, die Salzburger Landespolitik gibt sich dennoch kämpferisch.

von Matthias Nagl

Der Freitag war kein guter Tag für die Hochschullandschaft in Salzburg. Nur wenige Stunden bevor Bundeskanzler Sebastian Kurz eine Technische Universität für Linz ankündigte, die sich auch Salzburg gewünscht hatte, rügte der Rechnungshof das Bildungsministerium, weil es der maßgeblich vom Land geführten Paracelsus Medizinischen Privatuniversität (PMU) in Salzburg Studienplätze ohne Ausschreibung abgekauft hatte.

Das eine hat mit den anderen nichts zu tun. Und dennoch zeigt beides, wie schwer sich Salzburg tut, ein ernsthafter Player auf der universitären Bildungslandkarte zu werden. Das eine war ein direkter Schlag für Salzburgs technische Ambitionen. Denn zumindest einen Technik-Schwerpunkt an der Universität hat die Landespolitik aktiv verfolgt. Dabei müssten die Vorzeichen klar gewesen sein. Linz ist für seine Industrie bekannt, Salzburg ist das abgesehen von einzelnen Leuchttürmen nicht.

Schwerpunkt Digitalisierung geplant

Im Büro von Landeshauptmann Wilfried Haslauer gibt man sich dennoch kämpferisch. „Wir verfolgen weiterhin einen Schwerpunkt im Bereich Digitalisierung. Dabei sehen wir keinen Widerspruch zu einer TU Linz und geben nicht klein bei“, heißt es auf KURIER-Anfrage.

Das andere riss, obwohl die Kritik an das Ministerium und nicht an die Salzburger Privatuniversität gerichtet war, alte Wunden auf. Denn schon 2013 bei der Errichtung der Linzer Medizin-Uni zog Salzburg trotz jahrzehntelanger Bemühungen den Kürzeren. Als auf Bundesebene die Entscheidung für eine Medizin-Uni anstand, hatte Salzburg allerdings schon Fakten geschaffen.

Land mit "beherrschender Stellung"

Die PMU startete 2003 überwiegend von Spendern gegründet. Das „Privat“ stimmte auch schon damals nicht ganz, denn das Land förderte die Errichtung. Mittlerweile zahlt Salzburg knapp 10 Prozent des PMU-Budgets, in der Stiftungsurkunde hat das Land eine „beherrschende Stellung“, wie es im Rechnungshofbericht heißt.

Im Stiftungsrat stimmt man sich mit prominenten Spendern ab, so sitzt etwa auch Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz in dem Gremium. Die Uni trägt sich weitgehend selbst – unter anderem mit Studiengebühren in der Höhe von 7.750 Euro pro Semester. Dennoch gab es jetzt Kritik vom Rechnungshof.

++ HANDOUT/ARCHIVBILD ++ SALZBURG: DESIGNIERTER REKTOR DER UNIVERSITÄT SALZBURG HENDRIK LEHNERT

Interne Querelen

Und zwar weil das Bildungsministerium für die vergangenen drei Studienjahre je 25 Studienplätze um drei Millionen Euro pro Studienjahr kaufte – ohne Ausschreibung. Andere Universitäten hatten also de facto keine Chance auf die Studienplätze. Für Salzburg war es dennoch nur ein schwacher Trost. Mit dem nun startenden Studienjahr läuft der Ankauf aus.

Mit der Fakultät für Digitalisierung an der Universität Salzburg soll es dann endlich etwas werden, hofft die Landespolitik. Die Uni selbst macht währenddessen hauptsächlich mit internen Querelen auf sich aufmerksam. Der neue Rektor Hendrik Lehnert und sein Vorgänger Heinrich Schmidinger richten einander via Massenmails Interpretationen der Uni-Finanzen aus. Zudem hat Lehnert mit internem Widerstand gegen seine Reformpläne zu kämpfen. Ein Universitätsstandort mit klarer Strategie und bedeutender Zukunft sieht anders aus.

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