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Chronik Österreich
12/20/2021

Wie Expertengremien hinter den Kulissen eigentlich arbeiten

Forschung, Beratung, Kommunikation – am Beispiel „Alles gurgelt“.

von Agnes Preusser

Am Samstag wurde GECKO, die „gesamtstaatliche Covid-Krisenkoordination“ unter der Leitung von Chief Medical Officer Katharina Reich und Generalmajor Rudolf Striedinger vorgestellt. Neben den zwei obersten Krisenkoordinatoren werden zahlreiche Experten eingesetzt, um der Pandemie endlich Paroli bieten zu können.

Gleichzeitig macht sich im Land aber eine gewisse Expertenmüdigkeit breit. Die einen vertrauen der Wissenschaft nicht (mehr) und gehen immer öfter auf die Straße, die anderen werden von der Aneinanderreihung von Lockdowns zermürbt – gepaart mit der Frage, ob die Experten denn wirklich immer richtig liegen. Und selbst große Wissenschaftsanhänger verlieren sich mitunter in der Frage, was die Menschen hinter dem Prognosekonsortium, der Ampelkommission oder der „Covid-19 Future Operations Plattform“ eigentlich tun. Die teils sperrigen Namen der Gremien helfen wohl auch nicht. Dabei hat gerade Letztere, die Future Operations Plattform, die auch in GECKO vertreten ist, ein Lehrbeispiel dafür abgeliefert, was passiert, wenn man der Wissenschaft vertraut.

Im Juni 2020 war der erste Lockdown überstanden. Die Angst wich einer gewissen Sorglosigkeit und Freude an der neugewonnenen Freiheit. Alle Bemühungen waren auf ein Ziel gerichtet: eine wirksame Impfung zu finden. In dieser Zeit begannen die Wissenschafter hinter der Future Operations Plattform aber bereits, in einer anderen Richtung weiterzuarbeiten: Sie entwickelten ein Konzept für flächendeckende PCR-Tests.

Viele Disziplinen, ein Ziel

Hervorzustreichen ist hier die gute Kooperation zwischen vielen Disziplinen und Universitäten, sagen Wissenschafter im KURIER-Gespräch. Molekularbiologen wurden ebenso herangezogen wie Mediziner, Simulationsforscher oder Logistiker. Aber auch Psychologen. Diese beschäftigten sich mit der Frage, wie man ein solches Projekt am besten der Bevölkerung kommuniziert – und auch damit, wie wichtig die durch eine neue Teststrategie ermöglichte Offenhaltung der Schulen sei.

Dass die Wissenschafter erhört wurden, ist auch den Moderatoren der Plattform zu verdanken. Antonella Mei-Pochtler leitet im Bundeskanzleramt die Stabstelle für Strategie, Thomas Starlinger ist Adjutant von Bundespräsident Alexander Van der Bellen. Beide verfügen also durch ihre Nähe zu Regierungs- beziehungsweise Staatsoberhaupt über eine nicht zu unterschätzende Durchsetzungskraft – und sind auch parteiübergreifend gut vernetzt. Die Idee zu den PCR-Tests sei international geboren worden, sagt Starlinger, „aber Österreich hat als einziges Land die Vernetzung mit der Politik geschafft“.

Wien ist mit „Alles gurgelt“ darum die einzige Millionenstadt der Welt, die ein so umfangreiches Testangebot anbietet. Die niedrigen Inzidenzzahlen und dass die Hauptstadt diese Woche von der Ampelkommission auf Orange geschaltet wurde, erklärt sich einerseits mit Wiens strengem Weg, andererseits eben mit der Teststrategie. Gemessen an der Bevölkerungszahl werden hier doppelt so viele PCR-Tests abgegeben wie im zweitbesten Bundesland Burgenland – das einzige andere Land, das auch orange und nicht rot ist.

Übrigens: Die wissenschaftliche Politikbegleitung wie sie in GECKO angedacht ist, wurde an Neo-Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP) ebenfalls von Future Operations herangetragen. Bleibt zu hoffen, dass diese Idee ebenso erfolgreich ist wie „Alles gurgelt“.

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