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Chronik Österreich
03/21/2019

Wie ein Bergdorf an der Autobahn zum Luftkurort wurde

Die Einhausung der Autobahn brachte Zederhaus gute Luft – es handelt sich um ein einmaliges Projekt.

von Matthias Nagl

Zederhaus atmet auf. Seit knapp zwei Jahren ist die Tauernautobahn, die 40 Jahre lang direkt am Ortszentrum vorbeiführte, in einem Tunnel verschwunden. Am Mittwoch hat das Land die Luftgüte-Messwerte vorgestellt. „Das Ortszentrum hat nun Luftkurortqualität“, sagt Landeshauptmann-Stellvertreter Heinrich Schellhorn.

Mehrere Jahre lagen die Messwerte von Stickstoffdioxid nahe am Grenzwert von 35 Mikrogramm pro Kubikmeter. Nach Fertigstellung der ersten Tunnelröhre fiel der jährliche Mittelwert 2017 zunächst auf 26 Mikrogramm und 2018 nach Fertigstellung der zweiten Röhre noch einmal auf 23 Mikrogramm pro Kubikmeter. Der Grenzwert für Luftkurorte liegt bei 30 Mikrogramm. „Wir sind dankbar, dass wir das gekriegt haben. In erster Linie haben wir gefordert, dass wir den Lärm wegbringen. Auch das ist gelungen“, sagt Bürgermeister Alfred Pfeifenberger.

Die 1200-Einwohner-Gemeinde bekam mit der Einhausung einen ziemlich einmaligen Schutz. Nirgendwo sonst in Österreich ist ein ähnliches Projekt geplant. Der Bau des rund 70 Millionen Euro teuren Tunnels geht auf die Erweiterung des Tauern-und Katschberg-Tunnels auf zwei Röhren zurück (siehe unten). Selbst andere Orte entlang der Tauernautobahn bekamen lediglich einen Lärmschutz mit besonders effizienten, gekrümmten Lärmschutzwänden.

Wände werden höher

Allerdings zwängt sich selbst die Tauernautobahn kaum einmal durch so ein enges Tal wie das Zederhaustal. Auch in anderen Zederhauser Ortsteilen wird noch an solchen Wänden gebaut. „Die sind ebenfalls sehr effizient. Es gibt für jedes Haus eine Verbesserung“, berichtet Pfeifenberger.

Der Bau von Lärmschutzwänden wird in der „Dienstanweisung Lärmschutz“ festgelegt, die seit Jahresbeginn in überarbeiteter Form mit neuen Regeln vorliegt. Unter anderem wurde die Höhenbeschränkung der Wände angehoben. Die Asfinag investiert jährlich 20 bis 30 Millionen Euro in Lärmschutz.

Das aktuell größte Projekt entsteht entlang der Westautobahn im Bereich Ansfelden. Bis Ende 2020 bekommen 9.000 Anrainer auf rund sechs Kilometern Länge einen Lärmschutz um 21 Millionen Euro. Hier nutzt der Autobahnbetreiber die neue Höhengrenze bereits aus. Stellenweise werden 7,5 Meter hohe Wände errichtet. An der Ostautobahn A4 wird im Bereich Göttlesbrunn ebenfalls eine größere Lärmschutzmaßnahme umgesetzt.

Tunnelkatastrophe als Ursprung

Die Einhausung Zederhaus wurde ab Sommer 2013 innerhalb von vier Jahren errichtet. Beschlossen wurde der Bau schon im Jahr 2004. Damals sicherte der Bund im Zuge des zweispurigen Ausbaus des Tauern- und Katschbergtunnels Salzburg und Kärnten Umweltentlastungsmaßnahmen für die Scheitelstrecke der Tauernautobahn zu.

Grund dafür war das erwartete höhere Verkehrsaufkommen. Der Ausbau der beiden Tunnel hatte seine Ursache in der Brandkatastrophe im Tauerntunnel 1999. Die erwartete Verkehrssteigerung traf ein. Im Urlaubsmonat August nahm die Zahl der Fahrzeuge an der Zählstelle Zederhaus von 2005 bis 2016 in Richtung Süden um rund 43 Prozent zu.