Wählen Sie KURIER als bevorzugte Google-Quelle

Allzeit-Hoch bei gleich 50 Messstationen: Die Bilanz eines Rekordtages

41 Grad – so heiß wie am Dienstag war es hierzulande noch nie. Selbst um 23 Uhr zeigten noch 20 Stationen über 30 Grad an. Eine Aufarbeitung.
Stammersdorf

13 Jahre lang hielt der Temperaturrekord in Österreich, ehe er am Dienstag richtiggehend pulverisiert wurde.

Gegen 16 Uhr zeigte die Messstation in Wien-Stammersdorf am Dienstag 41 Grad an. 0,5 Grad mehr als der Rekord vom August 2013.

Ein Tag für die Geschichtsbücher. Dass der neue Temperaturrekord so lange halten wird wie der alte, gilt freilich als höchst unwahrscheinlich. Schon für Mittwoch sind wieder Höchsttemperaturen jenseits der 40 Grad angesagt – ein neuer Temperaturrekord könnte bereits am Nachmittag fallen.

Lang anhaltende, auch früher auftretende Hitzeperioden werden Österreich immer öfter heimsuchen. „Das bringt der Klimawandel nun mal mit sich“, sagt Meteorologin Jessica Spengler zum KURIER.

50 Stationen mit Allzeit-Rekord

Aber zurück zum vorläufigen Rekordtag. Gleich an 50 Messstationen vorwiegend im Osten Österreichs wurde am Dienstag ein neuer Allzeit-Rekord gemessen. 99 Messstellen registrierten einen neuen Monatsrekord, an 211 Messstellen wurde der jeweilige Tagesrekord gebrochen.

Selbst um 23 Uhr zeigten noch 20 Stationen über 30 Grad an. In Hornstein im Burgenland, wurden in der Nacht 28 Grad gemessen. Damit war auch die Nacht auf Mittwoch die heißeste aller Zeiten.

Die weiteren Temperaturrekorde in der Nacht laut Auswertung von Ubimet für den KURIER:

  1. Hornstein (Burgenland): 28,5°C – der höchste je in Österreich gemessene Nachtminimum-Wert. Die Station misst allerdings erst seit 2024.

  2. Wien Innere Stadt: 27,4°C – neuer Rekord (Reihe seit 1985)

  3. Retz Windmühle: 26,7°C – neuer Rekord (Reihe seit 1946)

  4. Leiser Berge: 26,0°C – neuer Rekord (Reihe seit 1948)

  5. Seibersdorf: 25,5°C – neuer Rekord (Reihe seit 1961)

  6. Bernstein: 25,4°C – neuer Rekord (Reihe seit 1949)

  7. Hohe Wand/Hochkogelhaus: 24,6°C – neuer Rekord (Reihe seit 1991)

  8. Kremsmünster: 24,1°C – neuer Rekord in Österreichs längster Messreihe (seit 1876)

  9. Lilienfeld-Tarschberg: 23,9°C – Rekord eingestellt (Reihe seit 1992)

  10. Wachtberg bei Steyr: 23,8°C – neuer Rekord (Reihe seit 1985)

Insgesamt war der Juli der viertwärmste in der 260-jährigen Messgeschichte. Lediglich die Julimonate 2006, 2015 und 2024 waren im Schnitt noch wärmer. Was die Spitzenwerte anbelangt, war der Juli 2026 allerdings klare Nummer 1: Am 31. Juli zeigte die GeoSphere-Messstation Wieselburg (NÖ) 40,3 Grad an – um 0,6 Grad mehr als der bisherige Allzeit-Julirekord aus dem Jahr 1983 (39,7 Grad in Dellach im Drautal).

Experte warnt: „Auch 44 Grad möglich“

Laut Modellrechnungen sollen in Österreich bei einer Extremwetterlage maximal 42 Grad erreicht werden können. Aber: „Wenn jetzt die globale Temperatur noch weiter steigen würde, um Zehntelgrade, dann steigert sich auch unser maximalstes Maximum“, warnte ORF-Wetterexperte Sigi Fink zuletzt. In den nächsten Jahren seien dann auch „43 oder 44 Grad locker möglich“.

Vorerst war Wien am Dienstag auch der heißeste Ort in Europa, nur in Bratislava und Budapest war es ähnlich heiß. In traditionell heißen Madrid hingegen hatte es „nur“ 33 Grad.

Von einem europäischen Temperaturrekord war man hingegen auch mit den 41 Grad in Wien noch weit entfernt. Dieser liegt bei 48,8 Grad, aufgestellt 2021 auf Sizilien.

Kommentare