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Mehr Muren möglich: Lokal heftige Gewitter, im Osten bleibt die Hitze

Die bei einem Murenabgang im Tiroler Kaunertal eingeschlossenen 200 Menschen sind bald alle evakuiert. Weitere Murenabgänge dieser Dimension könnten folgen.
Eine Mure hat sich aus einem bewaldeten Berghang gelöst und eine Schlammlawine über eine Wiese und eine Straße in ein Tal gewälzt.

Diese Entladung hatte es in sich: Nach einem heftigen Gewitter mit Starkregen und Hagel gingen Sonntagnachmittag auf der Kaunertaler Gletscherstraße in Tirol (Bezirk Landeck) drei Muren ab. Die Straße wurde teils stark beschädigt, Montagfrüh begann die Evakuierung von rund 200 im hinteren Kaunertal „eingeschlossenen“ Tagesausflugsgästen.

Sie soll im Laufe des Montags abgeschlossen sein, sagt die Kaunertaler Vizebürgermeisterin Sarah Raich: „Bereits 2019 mussten Leute aufgrund eines Murenabgangs aus diesem Gebiet evakuiert werden.“ Wie groß der Schaden sei, könne derzeit noch nicht prognostiziert werden. Im Einsatz standen zwei Polizei- und zwei Bundesheerhubschrauber.

Einen massiven Murenabgang gab es Sonntagabend auch in Untertal-Rohrmoos in der Region Schladming. Eine Gewitterzelle hatte sich über 45 Minuten lang mit voller Wucht am selben Ort entladen, der Starkregen löste daraufhin einen Erdrutsch aus. Die Untertalstraße wurde im Bereich der „Wilde Wasser“-Mautstation auf über 600 Metern vermurt.

Dadurch wurden 30 Personen – zum Großteil Touristen sowie Hüttenbetreiber und Personal – eingeschlossen. Die Feuerwehr und die Bergrettung brachten sie mit einem Geländewagen und einem Kleinlöschfahrzeug in Sicherheit.

Ausgetrocknete Schotterstraßen verschärfen die Lage

Einsätze wie dieser könnten in den kommenden Tagen noch häufiger vorkommen, denn die Prognosen stehen auf Gewitter. „Lokal kann es vermehrt zu Starkregen kommen. Das Problem dabei: Die Gewitterzellen ziehen derzeit nicht weiter. So kann die Niederschlagsbelastung auf wenigen Quadratkilometern plötzlich sehr hoch sein“, erklärt Thomas Krennert, Meteorologe bei Geosphere Austria.

Ob sich Muren bilden, hängt viel von der Beschaffenheit des Untergrunds ab. Ein feuchter oder gar nasser Waldboden ist harmlos, eine ausgetrocknete Schotterstraße hingegen bedeutet Alarmstufe rot. Die Hitze der vergangenen Tage hat die Situation insofern verschärft, als fast alle Böden derzeit stark ausgetrocknet sind. „Treffen die großen Wassermassen bei Starkregen auf diesen staubtrockenen Boden, können sie nicht so schnell versickern und das Material kommt in Bewegung.“

Murenabgänge wie jene im Tiroler Kaunertal müssen also in nächster Zeit vermehrt auf dem Radar von Einsatzorganisationen sein. Im Bergland, im Westen Niederösterreichs und in der Steiermark wird die lokale Gewittergefahr steigen, Niederschlagsmengen zwischen 20 und 50 Liter pro Stunde sind möglich. „Wenn dieser Starkregen auf eine enge Talschaft trifft, kann es leicht sein, dass Hänge und Straßen abgehen.“

Im Osten: „Keine Abkühlung in Sicht“

Anders sieht es im Osten des Landes aus: Den hat die Hitze weiterhin fest im Griff - wenn auch leicht abgeschwächt. Von einer Abkühlung kann nach wie vor nicht die Rede sein, aber statt zuletzt bis zu 40 Grad dürften sich die Temperaturen ab der Wochenmitte bei um die 30 Grad einpendeln.

„Der Niederschlag, der bis dato in Sicht ist, ist lediglich der sprichwörtliche Tropfen auf den heißen Stein“, sagt Experte Krennert. Was stattdessen ungut dazukommen könnte, sind Böenfronten

Die entstehen, wenn sich Gewitterwolken zwar aufbauen, sich dann aber kein Niederschlag entwickeln kann. Stattdessen wird kalte Luft produziert - im aktuellen Fall ist mit Böen zwischen 70 und 100 km/h in Wien, im östlichen Niederösterreich und dem Burgenland zu rechnen.

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