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Chronik Österreich
08/19/2021

Wer vom neuen Öffi-Klimaticket profitieren wird

Rentiert sich das 1-2-3 Ticket nur für Pendler oder auch bei gelegentlichen Zugfahrten? Sechs Beispiele.

von Bernhard Ichner

Bevor am 1. Oktober mit dem "Klimaticket Now" eine neue Öffi-Netzkarte für (fast) ganz Österreich in den Verkauf geht, beginnt das große Nachrechnen. Insbesondere Pendler müssen für sich beantworten, ob sie mit ihren bisherigen Jahrestickets günstiger fahren oder mit mit dem sogenannten 1-2-3-Ticket. Letzteres wird 1.095 (also 3-mal 365€) und bei Bestellung im Oktober nur 949 Euro kosten. Senioren, Menschen mit Behinderung und Unter-26-Jährige zahlen 821 Euro bzw. 699 im Oktober.

Die im Verkehrsverbund Ostregion (VOR) organisierten Bundesländer Wien, Niederösterreich und das Burgenland sind mit ihren lokalen Öffis wie Bussen, Straßenbahnen und U-Bahnen zwar noch nicht mit an Bord. Für die Züge von ÖBB und Westbahn sowie für S-Bahnen in Wien gilt ab 26. Oktober das Klimaticket aber. Im Verkehrsministerium zeigt man sich zuversichtlich, dass bis zum Start noch eine Einigung mit jenen drei Bundesländern erzielt wird, in denen 60 Prozent aller Pendler unterwegs sind.

Eine Reihe von Rechenbeispielen zeigt jedenfalls, dass die neue Netzkarte günstiger käme als bisherige Streckenkarten in Verbindung mit Stadtverkehren. Und das betrifft nicht nur Pendler.

Wer sich wieviel sparen würde

Fall 1) Eine steirische Pendlerin fährt mit dem Zug täglich von Bruck/Mur nach Graz in die Arbeit. Außerdem besucht sie zwei Mal pro Jahr ihren Sohn in Wien.

Bis dato zahlte sie mit der Verbundjahreskarte 1.473 Euro im Jahr plus 163 Euro für die ÖBB und 12 Euro für die Wiener Linien. Insgesamt also 1.648 Euro. Mit dem im Oktober gültigen Einführungsrabatt würde die Pendlerin 949 Euro für das Klimaticket und (sofern Wien nicht mitzieht) besagte 12 Euro für die Wiener Linien bezahlen - insgesamt also 961 Euro. Ihre Ersparnis beträgt 687 Euro. Zudem wären mit der Klima-Netzkarte noch beliebig viele Fahrten in ganz Österreich möglich.

Fall 2) Eine 22-jährige Studentin hat ihren Hauptwohnsitz in Wien und besucht ein Mal pro Monat mit den ÖBB ihre Eltern in Neumarkt bei Salzburg.

Für Semester- bzw. Ferienticket der Wiener Linien bezahlt sie 210 Euro im Jahr. Dazu kommen 672 Euro für die Zugfahrten, 60 Euro für den Bus in Salzburg und 20 Euro für die ÖBB-Vorteilscard. Insgesamt kosten die Familienbesuche also 962 Euro. Kauft sich die Studentin das Klimaticket inklusive Einführungs- und Altersrabatt um 699 fährt sie auch dann günstiger, wenn sich Bund und VOR nicht einigen sollten - sprich wenn die 210 Euro für die Wiener Linien aufrecht blieben. Je nachdem beträgt die Ersparnis 53 bis 263 Euro (plus beliebig viele Öffi-Fahrten in ganz Österreich).

Fall 3) Eine Seniorin aus Linz macht mit ihren Freundinnen regelmäßig Ausflüge durch ganz Österreich, sie besitzt eine "ÖBB Österreichcard" sowie eine Jahreskarte für Linz.

Bis dato zahlte sie 1.369 Euro für die ÖBB Österreichcard und 279 Euro für die Linzer Jahreskarte, insgesamt also 1.648 Euro. Mit dem Senioren- und dem Einführungsrabatt würde sie das Klimaticket 699 Euro kosten. Ihre Ersparnis würde also mit 949 Euro zu Buche schlagen.

Fall 4) Ein selbstständiger Grafiker aus Salzburg fährt aus beruflichen Gründen vier Mal im Jahr nach Wien und je ein Mal nach Innsbruck, Graz und Linz. Er hat die ÖBB Vorteilscard.

Bis jetzt legte der Fahrgast für die Jahreskarte Salzburg 595 Euro, für die ÖBB 423 Euro und für diverse Stadtverkehre 40 Euro hin. Insgesamt: 1.058 Euro. Kauft er das vergünstigte Klimaticket um 949 Euro, bezahlt er samt der 24 Euro für die Öffi-Fahrten in Wien 973 Euro. Immerhin 85 Euro weniger als vorher. Dazu kämen beliebig viele weitere Öffi-Gahrten in Österreich

Fall 5) Ein Pendler fährt täglich auf der Westbahnstrecke von St. Pölten nach Wien. Er besitzt eine VOR-Jahreskarte für diese Strecke inklusive die Kernzone in Wien.

Insgesamt kosten ihn die Fahrten im VOR-System 1.716 Euro pro Jahr. Mit dem Klimaticket um 949 Euro und der Wiener Jahreskarte um 365 Euro käme er in Zukunft auf 1.314 Euro. Seine Ersparnis würde also 402 Euro betragen. Zudem würde die Netzkarte noch beliebig viele andere Fahrten in Österreich möglich machen.

Fall 6) Ein Pendler fährt täglich auf der Nordwestbahn-Strecke von Retz nach Wien. Er besitzt aktuell eine VOR-Jahreskarte für diese Strecke inklusive die Kernzone in Wien.

Ein Pendler, der von Retz (NÖ, Bezirk Hollabrunn) nach Wien Strebersdorf bis zur Wiener Kernzonengrenze fährt, bezahlt aktuell für ein Jahresticket 1.444 Euro. Inklusive der Wiener Kernzone würde das Ticket auf 1.809 Euro pro Jahr kommen. Würde er sich das Klimaticket um 949 Euro plus die Wiener Linien Jahreskarte um 365 Euro kaufen, würde er 495 Euro sparen. Sofern Wien mitzieht und auch Teil des Klimatickets wäre, würde die Ersparnis sogar 860 Euro betragen.

Insgesamt rechnet man im Ministerium mit rund 100.000 Österreichern, die derzeit mehr für ihre Pendlertickets zahlen.

Günstiger als bisherige Streckenkarten

Wie der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) vorrechnet wird das Klimaticket als Netzkarte günstiger sein als zahlreiche Streckenkarten für Pendler heute. Beispielsweise kosten die Strecken Bruck an der Mur - Graz, Kapfenberg - Graz und Judenburg - Graz inklusive Stadtverkehr mit 1.473 deutlich mehr.

Ebenso beispielsweise in Oberösterreich die Strecken Gmunden - Linz und Vöcklabruck - Linz mit jeweils 1.507 Euro oder Wels - Linz mit 1.189 Euro (jeweils inklusive Stadtverkehre). Und in Kärnten kostet allein die Streckenkarte Villach - Klagenfurt inklusive Stadtverkehr 1.090 Euro.

Vorteile brächte das Klimaticket auch für die Fahrgäste im VOR-System mit sich, sagt VCÖ-Sprecher Christian Gratzer. So koste die Pendlerstrecke von Wiener Neustadt nach Wien inklusive Wiener Kernzone aktuell etwa 1.548 Euro. Genauso viel wie die regelmäßige Öffi-Verbindung von Neusiedl am See in die Bundeshauptstadt (inklusive Kernzone).

Noch mehr bezahlt man aktuell mit 1.781 Euro von Waidhofen/Ybbs nach Linz (inklusive Kernzone). Und auf der Strecke Wien-Krems legen Pendler überhaupt 1.837 Euro ab (inklusive Wiener Kernzone).

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