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Chronik Österreich
07/28/2021

Wer die Ungeimpften sind und wie man sie zur Impfung bringt

Warum man auf Migranten gerade jetzt gezielter zugehen muss, um sie zu erreichen.

von Elias Natmessnig, Naz Kücüktekin

Er wurde vorhergesagt, der Zeitpunkt, an dem es mehr Impfstoff als Impfwillige geben wird. Schaut man sich die Zahlen der letzten Tage und Wochen an, scheinen wir ihn langsam zu erreichen. Angesichts der Delta-Variante und der Gefahr einer vierten Welle wird die Mobilisierung der noch Nicht-Geimpften immer zentraler. Auch stellen sich die Fragen: Wer sind eigentlich die Menschen, die sich nicht impfen lassen? Lehnen sie eine Impfung aufgrund von Überzeugung und Ängsten ab, oder kommen die notwendigen Infos bei ihnen einfach nicht an?

Gegner vs. Skeptiker

Etwa acht Prozent der Bevölkerung gelten laut Gesundheitsministerium und Studiendaten als „eingefleischte Impfgegner“. „Die Hardliner wird man nicht bekehren können“, sagt Rudolf Schmitzberger, Leiter vom Impfreferat der Ärztekammer. Hoffnung bestehe allerdings bei den Impfskeptikern. „Die Skepsis beruht oft auf großen, unbegründeten Ängsten, die durch Falschinformation entstehen. Vor allem auf Sozialen Medien kursieren viele Fake News zu den Impfungen,“ betont Schmitzberger. Von der Unfruchtbarkeit bis hin zur Änderung der DNA reichen die Mythen rund um die Corona-Impfung.

Je niedriger das Bildungsniveau, desto niedriger ist statistisch auch die Impfbereitschaft. Niederschwellige und unkomplizierte Angebote zur Impfung seien daher essenziell und Impfungen ohne Anmeldung ein wichtiger Schritt, um neue Bevölkerungsgruppen zu erreichen. Das findet nicht nur Schmitzberger, sondern auch Judith Kohlenberger. Die Migrationsforscherin von der WU Wien hat erforscht, wie Menschen mit Migrationshintergrund die Pandemie wahrnehmen. „Was sich in dieser Phase der Pandemie-Bekämpfung zeigt, ist, dass Impfvertrauen immer auch eine soziale Frage ist. In Österreich verschränkt sich soziale Herkunft stark mit geografischer Herkunft und Migrationshintergrund, aber nicht nur“, sagt Kohlenberger.

In Moscheen impfen

Laut Kohlenberger wird es problematisch, wenn sprachliche Barrieren zusätzlich auf digitale Barrieren treffen. „Das betrifft ältere Migranten und Migrantinnen, die einerseits Sprachbarrieren haben, aber es auch herausfordernd empfinden, den Anmeldungsprozess online zu machen. Sie sind auf Unterstützung der Kinder oder Enkelkinder angewiesen.“ Sie empfiehlt ähnlich wie zuletzt der Simulationsforscher Niki Popper mit dem Impfangebot auch in Moscheen und Synagogen zu gehen. „Die Impfung muss jetzt dorthin kommen, wo die Menschen sind. Sehr viele in Österreich sind natürlich in Kirchen, weil sie Katholiken sind. Aber es gibt auch Menschen, die eine andere Religion haben. Und ich glaube, da müsste diese Diversität mit einbezogen werden in die Kampagnen.“

Die Islamische Glaubensgemeinschaft Österreich (IGGÖ) wäre bei diesem Vorschlag mit an Bord. „Die IGGÖ begrüßt die Idee dieser unkomplizierten Möglichkeiten, zu einer Schutzimpfung zu kommen und würde dafür auch ihre Räumlichkeiten zur Verfügung stellen“, heißt es auf KURIER-Anfrage. Auch die Israelitische Kultusgemeinde kann dem Vorschlag viel abgewinnen, sieht aber keinen Bedarf, da die Mehrheit der Mitglieder schon immunisiert sei.

Im Sommer habe man bei Menschen mit Migrationshintergrund auch eine große Chance vertan, sagt Kohlenberger: „Es wäre sehr wertvoll gewesen, in den Impfkampagnen noch deutlicher zu machen, dass es hier eine Möglichkeit gibt, auf sicherem Weg die Familie im Herkunftsland zu besuchen. Nämlich dann, wenn man geimpft ist.“

Zudem räumt sie mit dem Vorurteil auf, dass Impfmythen bei Menschen mit Migrationshintergrund stärker vertreten seien. Es gebe keine Daten, die das Belegen würden. „In unseren Fokusgruppen hat sich gezeigt, dass Menschen, die im weitesten Sinne mit dem Gesundheitssystem zu tun haben, etwa in der Pflege, oder als Reinigungskraft in Krankenhäusern, das Impfangebot wahrnehmen.“

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