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Chronik Österreich
02/20/2021

Welche Pläne Graz schon vor der U-Bahn hatte

Olympische Spiele, Gondeln an der Mur: Manches war originell, umgesetzt wurde nichts.

von Elisabeth Holzer

Wer sich für Grazer Politik interessiert, kommt daran nicht vorbei: der automatisierten Metro. Die U-Bahn ohne Fahrer soll 2030 starten, so stellen es sich ÖVP-Stadtchef Siegfried Nagl und sein FPÖ-Vize Mario Eustacchio vor.

Innovativ, aber teuer, bewerten Kritiker die Metro-Pläne. Aber an originellen Ideen ist die Grazer Rathauspolitik ja nie verlegen, es hapert bloß dauernd an der Umsetzung.

Mini-Metro: Das Verkehrsproblem in Graz war auch schon vor Jahrzehnten evident. 1998 brachte der damalige ÖVP-Stadtparteiobmann Helmut Strobl erstmals eine U-Bahn für Graz aufs Tapet, die er Mini-Metro nannte. (In Wahlkampf dieses Jahres trat übrigens schon ein junger Innenstadtunternehmer auf die politische Bühne, Siegfried Nagl). 2001 wurde die Idee als zu teuer verworfen, wobei sie nach heutigen Grundlagen billig gewesen wäre: Kalkuliert wurde mit 43 Million Euro pro Kilometer.

Olympische Spiele: „Wir haben uns gefragt, sollen wir uns das einmal trauen?“, sinnierte Siegfried Nagl Anfang 2018, als er sein jüngstes Baby aus der Taufe hob: Olympische Spiele in Graz Winterspiele, wohlgemerkt. Aber weil es der Landeshauptstadt doch eher an geeigneten Pisten für derlei Spektakel fehlt, war Schladming mit an Bord. Und auch gleich noch sämtliche geeigneten Gemeinden in einem Radius von 250 Kilometer um Graz.

Doch der Traum von Spielen 2026 platzte, außer Stadt-ÖVP und FPÖ war kaum jemand dafür. Das Land, namentlich SPÖ-Finanzlandesrat Anton Lang, teilte knapp mit, sich Spiele nicht leisten zu können. Es gab Nadelstiche zudem der eigenen Partei des Bürgermeisters auf Landesebene, die den Stadtchef mit dem Wunsch nach einer Volksbefragung olympiareif überdribbelte. Letztlich zog das Olympische Komitee die Bewerbung zurück, offiziell musste sich der Staat Österreich um die Austragung anstellen. Der Bürgermeister ärgerte sich dann öffentlich über die „Achse der perspektivenlosen Neinsager“.

Seilbahn auf den Plabutsch: Der Berg im Westen der Stadt ist seit Jahrzehnten nur mit Pkw, Motorrad, Fahrrad oder zu Fuß richtig gut erreichbar. 2019 verschrieb sich Schwarzblau deshalb einem neuen Projekt: Eine Gondelbahn auf den 750 Meter hohen Plabutsch muss her, mehr noch sie soll auch gleich noch ins benachbarte Thal in Graz-Umgebung reichen. 38 Millionen Euro sollte der Bau kosten, der spätestens 2022 beendet sein sollte.

Es blieb beim „sollte“: Nach heftiger Kritik aller anderen Parteien rangen sich ÖVP und FPÖ zunächst dazu durch, eine Volksbefragung zuzulassen, ehe sie das Projekt im Mai 2020 abbliesen: Die Stadt könne sich die Seilbahn wegen der Corona-Krise nicht mehr leisten. Bis dahin kostete die Planung rund eine Million Euro.

Gondelei an der Mur: Bis zu 3.000 Passagiere pro Stunde sollten nicht in der Straßenbahn oder im Bus sitzen, sondern über Graz schweben. Das steckte hinter dem Plan, vom Bezirk Andritz im Norden in den Bezirk Puntigam im Süden der Stadt zu gondeln. Die Murgondel, mit kalkulierten Kosten von 15 bis 20 Millionen Euro pro Seilbahn-Kilometer vergleichsweise günstig gegenüber anderen Öffi-Systemen, wurde Ende 2019 abgesagt.

Schifffahrt auf der Mur: Abgeschaut von Amsterdam gab es auch Pläne für Graz, auf der Mur (Passagier-)Schifffahrt zu starten. In E-Booten sollen bis zu 70 Fahrgäste Platz finden, schon 2020 sollten sie ablegen, hieß es vor zwei Jahren. Um das Projekt ist es aber ruhig geworden.

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