Chronik | Österreich
26.06.2018

Mur in Graz soll Schifffahrt und neu gestaltete Uferbereiche bekommen

"Murarena" im Augarten, Rudersportmöglichkeiten und Seichtwasserzone am Grünanger. Grüne und KPÖ fordern Mitsprache der Bevölkerung.

Die Murufer im Grazer Stadtgebiet sollen in den kommenden Jahren im Zuge der Bauarbeiten für das umstrittene Kraftwerk in Puntigam umgestaltet werden. Bürgermeister Siegfried Nagl (ÖVP) hat die entsprechenden Pläne am Dienstag präsentiert: Künftig sollen Schifffahrt mit fünf Anlegestellen, Seichtwasserstellen und eine neue Promenade geboten werden. Dafür müssen aber weitere Bäume weichen.

Der Beschluss für die Kostenübernahme von sechs bis sieben Millionen Euro für die insgesamt 18 Projekte ist für die kommende Gemeinderatssitzung am 5. Juli geplant. Bereits Mitte 2019 sollen erste bauliche Grundlagen für einzelne Vorhaben starten. Vizebürgermeister Mario Eustacchio (FPÖ) sprach von einer "Explosion im positiven Sinne", die in den kommenden Jahren an der Mur passieren werde.

Unter den Projekten entlang der Mur dürften wohl E-Schiffe für rund 70 Personen die deutlichste Neuerung sein: Fünf Anlegestellen - beim Kunsthaus, beim Marburger Kai, beim Augarten, am Grünanger und bei der Pichlergasse, wo ein Kraftwerkspark angelegt wird - sind angedacht. Hinzu kommt eine Werft, die auf Höhe der Erholungsfläche Grabeländer geplant ist. Die Werft werde für Wartungszwecke sowie im Winter zum Unterstellen der E-Boote benötigt. Sie soll auch die Stützpunkte der Wasserrettung und der Feuerwehr-Boote aufnehmen. Die Ausflugsschifffahrt werde von der Erzherzog-Johann-Brücke bis zum Staubauwerk möglich sein.

Umfassende Neuerungen bringen die Vorhaben auch für den Augarten. Etwas nördlich des Stegs ist eine Bucht mit Flachwasser-Zone, nutzbaren Terrassen und Liegewieseflächen - die " Murarena" - geplant. Die Naturarena soll eine maximale Breite von etwa 90 Metern und eine Länge von rund 70 Metern haben. Innerhalb der HQ5-Anschlagslinie wird sie als "naturnahe" Uferzone mit einem breiten Flachufer gestaltet. Der Radweg am Pulakai - von der Augartenbrücke bis zur "Murarena" - wird aufgelassen und über die St. Petersburgallee geführt. Im Nahbereich des Pavillons, des Kinderspielplatzes und der Hundewiese wird ein befestigter Arenavorplatz mit Sitz- und Radabstellplätzen geschaffen.

Geplant sind auch Einrichtungen für Sportler - etwa ein Wassersportpark bei der Puchmühle, der eine Kajakwalze beinhalten soll. Außerdem soll Rudersport möglich werden: "Ich habe schon immer davon geträumt, dass unsere Unis auf der Mur ein Wettrennen gegeneinander durchführen. So wie Oxford und Cambridge in England. Das wird schon nächstes Jahr Realität werden", meinte Bürgermeister Nagl.

Am Grünanger soll eine Seichtwasserzone entstehen: mit Sonnen- und Liegedecks zum Verweilen direkt am Wasser oder auf der begrünten Böschung, Treppen und Sitzstufen mit direktem Zugang zur Mur, Rastplatz mit Tischen, Bänken, Brunnen und Abstellplätzen für Fahrräder sowie öffentlichem WC und Platzhalter für Kiosk und Bootsanlegestelle für Personenschifffahrt oder Ausflugsschifffahrt.

Neu gemacht werden auch die Murpromenade in der Innenstadt sowie eine Art "Stadtbalkon" südlich der Radetzkybrücke. Dieser könne etwa mit Gastronomie, Stand-up-Paddelverleih oder mit einem Eisstand sowie Hangnischen für Kiosk und WC ausgestaltet werden. Ähnliche Pläne gibt es für den Kajakclub "Wikinger" am Marburger Kai. Das Gebäude des Clubs wird renoviert und mit breiten Stufen am Ufer sowie ebenfalls mit Gastronomie aufgewertet werden.

Durch die wegen des Staubereichs des künftigen Kraftwerks geringere Fließgeschwindigkeit werden die derzeitigen Surfwellen in der Mur bei der Radetzky- und der Hauptbrücke unbrauchbar. Als Ersatz ist im Bereich der Murinsel eine Welle vorgesehen. Die wegbegleitende Beleuchtung ist auf der gesamten Länge des Planungsgebietes neu kalkuliert worden. Zum Teil handelt es sich dabei um Lückenschlüsse, zum Teil um notwendige Erneuerung wegen neuer Radwege.

Zurückhaltend reagierten die Grazer Grünen auf die Pläne des Bürgermeisters: "Man sollte zuallererst die Menschen, die den Augarten nutzen, fragen, was sie von den Plänen des Bürgermeisters halten und ob sie tatsächlich eine so massive Umgestaltung ihres Parks wollen. Und man sollte ihnen auch keine falschen Versprechungen machen, wenn es um die Stadtstrände und Badebuchten geht. Denn dass die Mur keine Badewasserqualität hat, das ist schon auf den städtischen Warntafeln bei den südlicher gelegenen Auwiesen zu lesen", so Umweltsprecherin Andrea Pavlovec-Meixner.

"Die geplante Umgestaltung des Murufers im Grazer Augarten löst zu Recht Skepsis aus", stieß Lubomir Surnev von der KPÖ ins gleiche Horn. "Allein der Umstand, dass man das Projekt offenbar durchziehen und erst nach Gemeinderatsbeschluss der Bevölkerung vorstellen wollte, hätten wir nicht lautstark dagegen protestiert, macht deutlich, dass nicht alles so toll ist, wie es jetzt noch schnell darzustellen versucht wird", so Surnev. Der geplanten Bucht würden wieder etliche Bäume zum Opfer fallen. Im Murmasterplan Graz-Mitte habe das Planungswerk ursprünglich noch eine Plattform vorgesehen, die in den Baumkronen errichtet werden und über das Murufer hinausragen sollte. Von einer Verkleinerung des Parks oder gar zusätzlichen Baumfällungen sei bisher nicht die Rede gewesen. Die "Murarena" würde etwa ein Zehntel der Parkfläche einnehmen.

(S E R V I C E - Alle Projekte unter http://go.apa.at/Ij6m7GDN )