Olympische Spiele 250 Kilometer rund um Graz

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Die Planer wollen Sportstätten bis Bayern einbinden. Südtirol dagegen hält nachhaltige Spiele für nicht umsetzbar.

Graz wird der Mittelpunkt der (olympischen) Welt. Rundherum ein Kreis: Was innerhalb eines Radius’ von 250 Kilometern erreichbar ist, wollen die Planer von "Olympia 2026" in ihre Bewerbung einbeziehen. So finden sich neben Graz, der Gastgeberstadt, und Schladming, der zweiten Triebfeder, Kommunen bis nach Deutschland auf der Liste der möglichen Austragungsorte.

Das sehen die Bürgermeister Siegfried Nagl (Graz) und Jürgen Winter (Schladming) offensichtlich als Möglichkeit, ihre versprochenen "Spiele ohne Gigantomanie" umzusetzen: Nicht neu bauen, sondern nützen, was bereits vorhanden ist. "Dort, wo der Sport zu Hause ist, gehört Olympia hin", begründet Markus Pichler, der Geschäftsführer jener Gesellschaft, die die Bewerbung abwickeln soll. Sie muss allerdings erst noch gegründet werden. Das wird am Donnerstag im Gemeinderat passieren.

Befragung möglich

Rund 300 Zuhörer fanden sich Montagabend bei der bisher einzigen Informationsveranstaltung über die Bewerbung in der Stadthalle in Graz ein, 500 hätten Platz gehabt. ÖVP-Bürgermeister Nagl warb um Zustimmung zu den Plänen – obwohl die Grazer vorerst gar keine Möglichkeit haben, irgendwo zuzustimmen. Im Gegensatz zu Innsbruck ist in Graz keine Volksbefragung vorgesehen. Außer, die KPÖ schafft die Hürde von 10.000 Unterschriften dafür, 3200 hat die Partei bereits gesammelt. Dann muss es eine Befragung geben.

In Tirol scheiterte die Bewerbung für 2026 im Oktober jedoch am Nein der Innsbrucker. Nagl und Winter wollen zugreifen, wo Innsbruck kneifen musste. "Wir haben uns gefragt, sollen wir uns das trauen?", erzählte Nagl aus dem ersten diesbezüglichen Telefonat mit seinem Parteifreund Winter. "Graz ist nicht bekannt als Wintersportort, aber Graz hätte den Mut, als Gastgeberstadt voranzugehen."

Mut dürfte es dazu auch brauchen - und Geld: Die Haftung für die Spiele, deren Organisation, Planung und Austragung trägt laut bisherigen Verträgen des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) prinzipiell die "host city". Wer mehr über die Kosten hören wollte, wurde allerdings Montagabend enttäuscht: Viele Zahlen fehlen immer n och; Nagl wiederholte, dass es eine "neue Art" Spiele sein solle, ohne teure Vorgaben. "Wir wollen keine Milliardenausgaben und Ruinen, die danach keiner braucht."

Halle und Wohnungen

So könnte das Olympische Dorf auf den Reininghausgründen gebaut werden, dort sollen ohnedies in den nächsten Jahren Tausende Wohnungen entstehen. Auf dem Areal der Messe könnte eine neue Halle entstehen, die auch für Eislauf-Veranstaltungen zur Verfügung stünde. Auch das sei lange geplant, versicherte Nagl. Was in Graz und Schladming nicht umsetzbar sei, soll anderswo stattfinden: Langlauf in der Ramsau, Snowboardbewerbe am Kreischberg in Murau, Skispringen in Bischofshofen. Hochfilzen steht auf der Liste für die Biathlon-Bewerbe, Wien, Linz und Klagenfurt für Eishockey. Inzell für Eisschnelllauf und Schönau am Königssee für Bobfahren und Rodeln – beide Orte liegen in Bayern.

Spiele das IOC bei diesen Plänen nicht mit, dann eben nicht, gab sich Nagl locker. "Olympische Spiele um jeden Preis wird’s nicht geben. Aber momentan möchten wir es einmal wagen." Allerdings sinkt die Anzahl derer, die an leistbare Spiele glauben. Am Dienstag sagte Südtirols Landeshauptmann Arno Kompatscher eine Bewerbung für 2026 ab: „Die aktuellen Regelungen lassen es nicht zu, Olympische Spiele nachhaltig zu organisieren."

( kurier.at ) Erstellt am 14.03.2018