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Chronik Österreich
04/14/2021

Was der Ost-Lockdown für das restliche Österreich bedeutet

Keine Kopie des Vorarlberger Modells: Bundesländer mit besseren Zahlen als Wien oder NÖ müssen auf Öffnungsschritte warten.

von Elisabeth Holzer

Natürlich sei dies unpopulär, gestand Wiens SPÖ-Bürgermeister Michael Ludwig am Montag ein: Der Ost-Lockdown wird bis 2. Mai verlängert. Niederösterreichs ÖVP-Landeschefin Johanna Mikl-Leitner schloss sich der Entscheidung Ludwigs Montagabend an; SPÖ-Landeschef Hans Peter Doskozil gab am Mittwoch bekannt, den verschärften Lockdown im Burgenland mit 19. April zu beenden.

Was bedeutet der Ost-Lockdown aber nun für die Öffnungsschritte in ganz Österreich?

Auch wenn manche Bundesländer bessere Zahlen aufweisen als der Osten: Regionsweise Öffnungsschritte stehen politisch derzeit außer Frage. Das Vorarlberger Modell mit Öffnung etwa der Gastronomie funktionierte durch die Abgeschlossenheit des Bundeslandes. Das lässt sich nicht auf andere Regionen umlegen. Zudem sind die Infektionszahlen derzeit ein ständiges Auf und Ab: Am Dienstag wurden 2.313 neue Ansteckungen gemeldet, zwar um 400 mehr als am Dienstag der Vorwoche, aber die Tendenz ist seit einigen Tagen fallend. Die 7-Tages-Inzidenz (Fälle auf 100.000 Einwohner gerechnet) betrug jedoch rund 209 und damit mehr als zuletzt: Geben diese Zahlen eine Öffnung her? Statistiker Erich Neuwirth warnt: „Wenn Inzidenzen steigen, sollte man nicht über Öffnungsschritte nachdenken.“

Wer für, wer gegen eine gestaffelte Öffnung ist

 

Vorarlberg macht es seit 15. März vor: Die Gastronomie oder auch Kinos haben seither unter Auflagen offen. Mario Pulker, Branchensprecher der Gastronomie, kann sich aber darüber hinaus keine in Zonen geteilte Öffnung in Österreich vorstellen. „Das ist nicht zielführend, sonst kommt es zu einem Reiseverkehr in die Lokale im anderen Bundesland.“ Auch der steirische ÖVP-Landeschef Hermann Schützenhöfer hält wenig von übereilten Öffnungsschritten, ganz im Gegensatz zum Linzer SPÖ-Bürgermeister Klaus Luger: Er will „sofort“ für geimpfte Menschen und Personen mit negativem Testergebnis Erleichterungen schaffen, ihnen etwa Wirtshäuser öffnen und Besuche von kulturellen Veranstaltungen sowie Sportvereinen zu ermöglichen.

Welche Erkenntnisse sich aus Vorarlberg ergeben

Mit der Anzahl der Corona-Tests steht das Bundesland wohl europaweit an der Spitze: Pro Woche werden laut Landeschef Markus Wallner (ÖVP) 100.000 Stück durchgeführt - und das bei rund 400.000 Einwohnern. Bisher habe es weder im Gastronomie- noch im Kulturbereich Ansteckungen gegeben. Allerdings ist die 7-Tages-Inzidenz gestiegen: Mit 175,8 liegt das Land an zweiter Stelle hinter der Steiermark (161,7). Doch auch das wird auch die hohe Testzahl zurückgeführt.

Welche Maßnahmen österreichweit zur Öffnung führen können

Ausreise- und Zutrittstests stehen ganz oben auf der Liste. Die Gastronomie spricht sich für das Hineintesten in Restaurants aus: Branchenvertreter Pulker begründet dies mit Anfragen von Gästen selbst: „Da hat sich ein totaler Wandel ergeben.“ Ausreisetests aus Bezirken mit hohen 7-Tages-Inzidenzen (400 und darüber) zeigen zudem: Das System wirkt, etwa Braunau in Oberösterreich oder Hermagor in Kärnten. Dadurch wurden die Fallzahlen gedrückt. Ähnlich verläuft die Entwicklung in NÖ: Wiener Neustadt lag am Dienstag bei 187,7 die Testverpflichtung begann Mitte März bei 480. Auch Neunkirchen sank auf 189,9, Scheibbs liegt noch bei 309.

Weshalb es zur Verlängerung im Osten kam

Das hat mit der Lage in den Spitälern zu tun -  vor allem auf den Intensivstationen: Sie sind so voll wie nie zuvor in der Pandemie. Wien meldete am Dienstag 229 an Covid-19 Patienten, die intensivmedizinisch betreut werden. In Niederösterreich waren wie am Montag 132 Intensivbetten belegt - das das ist der bisherige Höchstwert. Im Burgenland wurden am Dienstag 21 Intensivpatienten gemeldet, einer weniger als noch am Montag. Österreichweit lag die Zahl bei 599: Am Höhepunkt der zweiten Corona-Welle im November gab es 704 Intensivpatienten.

Wie es zu den Höchstwerten kam

Infektiologen erklären dies mit den aggressiveren Mutationen des Coronavirus. Im Osten Österreichs hat die britische Variante den Urtypus des Vorjahres verdrängt: Sie ist infektiöser, erkrankte Patienten brauchen mehr Zeit, um zu genesen. Die Belagsdauer auf Normal- und Intensivstationen ist länger.

Was noch in der Bewertung zählt

Die 7-Tages-Inzidenz, sie lag am Dienstag österreichweit bei rund 209, in Wien jedoch bei 272. Das ist allerdings um einiges weniger als am 1. April, dem Beginn des Lockdowns, da lag der Wert bei 327. NÖ startete mit 290 und liegt nun bei 191,5, das Burgenland begann mit 238 und ist jetzt bei 219,1. Oberösterreich, Salzburg und Kärnten liegen mittlerweile schlechter als Niederösterreich oder das Burgenland, haben aber weniger Auslastung in den Spitälern.

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