© Kurier/Juerg Christandl

Chronik Österreich
02/09/2020

Wann wird’s mal wieder richtig Winter?

Warum unsere Städte nicht mehr weiß werden und was Russland damit zu tun hat

von Birgit Seiser

Derzeit sind die Anführungszeichen essenziell, wenn man über das Wetter berichtet. Die „kalte“ Jahreszeit heizt Österreich nämlich regelmäßig ein. Der „Winter“ will nicht so richtig in Gang kommen. Zwar gab es Anfang der Woche Lichtblicke, als Sturmtief Petra im Westen des Landes Schnee brachte. Die „Winterlandschaft“ ist im Osten und Süden aber braun statt weiß.

Die Erklärung für den warmen Winter nimmt ihren Ausgang Tausende Kilometer von Österreich entfernt: „Wenn sich im Dezember in Russland und Skandinavien keine bleibende Schneedecke bildet, dann bietet das Atlantiktief die Chance, über Österreich herein zu ziehen“, erklärt Ubimet-Meteorologe Florian Pfurtscheller.

Atlantik wärmt die Luft

Der Grund ist simpel erklärt: Liegt in Norden und Osten Europas Schnee, wird die Luft in Hochdruckgebieten dadurch gekühlt. Diese Luftmassen hindern wärmere Tiefdruckgebiete nach Zentraleuropa zu kommen. Derzeit schaffen es diese Tiefs, wie vergangene Woche das Sturmtief Petra, bis nach Österreich. Zwar sank die Schneefallgrenze im Zuge dessen, aber nicht stark genug, um auch in niedrigeren Lagen für Winterstimmung zu sorgen.Die Luft ist dafür einfach zu warm. Aufgeheizt wird sie über dem warmen Atlantik, dessen Temperatur um die zehn Grad beträgt.

 

Nehmen Wetterlagen diesen Weg, ist der Winter in Österreich nicht in Sicht. So auch nicht in der nächsten Woche. Im Gegenteil: Das Wochenende wird wieder ungewöhnlich warm und sonnig, bevor zum Wochenbeginn die nächste stürmische Dame Österreich besucht: „Ab Montag wird Tief Sabine ins Land ziehen. Besonders stürmisch könnte es in Vorarlberg werden. Aber auch in Wien sind wieder Windspitzen von 100 km/h zu erwarten“, sagt Pfurtscheller. Sabine wird im Westen auch wieder für Schnee sorgen. Die Schneefallgrenze wird aber nicht unter 1.000 Meter sinken. Und auch für die nächsten Wochen sehen die Experten keine deutliche Wetteränderung.

 

Erwärmung zu erkennen

Diese Großwetterlagen sind ein Zeichen für die Klimaveränderung der letzten Jahre. „Bei Eis- und Schneedeckentagen haben wir in den vergangenen zehn Jahren nur selten den Mittelwert der vorangegangen 30 Jahre erreicht“, sagt der Meteorologe.

Während es in Wien zwischen 1981 und 2010 durchschnittlich noch 40 Tage gab, an denen Schnee liegen blieb, gab es im heurigen „Winter“ bisher einen. Ähnlich ist das in den Landeshauptstädten. In St. Pölten oder Bregenz gab es heuer noch gar keinen Schneedeckentag. Auch an den Temperaturen ist zu erkennen, dass es wärmer wird. Im langjährigen Mittel gab es in der Bundeshauptstadt 22 Tage, an denen das Thermometer den ganzen Tag nicht über den Gefrierpunkt kletterte. Heuer gab es bislang drei solcher sogenannter Eistage. In Salzburg waren es gar null.

 

Wie man zu einer Wetterlage wird

Im Jahr 2020 sind alle Tiefs nach Frauen und alle Hochs nach Männern benannt Patenschaft. Weil  die Wetterbeobachtungsstation des Berliner Instituts für Meteorologie nicht mehr finanziert werden sollte, kamen die dort arbeitenden Studenten  2002 auf die Idee, die Tief- und Hochdruckgebiete für relativ kleines Geld an Namenspaten zu verkaufen. Ein Hoch ist derzeit für 299 Euro, ein Tief für 199 Euro zu haben.

Ob man für schönes oder schlechtes Wetter sorgt, kann man aber nicht frei wählen. Ist die Jahreszahl „gerade“, müssen die Namen für Hochs männlich sein und umgekehrt.

Jedes Jahr werden rund 60 Hochs und 150 Tiefs verkauft. Das ist die ungefähre Anzahl der Wetterlagen die pro Jahr eintreten und benannt werden können.  Für 2020 ist für alle Männernamen im dritten Durchlauf nur noch der Buchstabe Z zu haben. Besser schaut es bei den Tiefs aus: Im ersten Durchlauf ist noch das X zu haben. Ein Tief Xenia könnte uns also bald ins Haus stehen. Zur Erinnerung: Im Moment wartet Österreich zum neuen Wochenanfang auf Tief Sabine. Danach kommt Tief Tomris, gefolgt von Uta und Victoria.

Die meisten Namen werden von den Paten übrigens selbst gekauft. Schmökert man durch die Liste, findet man aber auch Käufer, die die Namen für andere reservieren – sei es nun die Liebste oder die ungeliebte Ex.

Ist man schließlich Namenspate, heißt es abwarten und hoffen: Einige Tiefs oder Hochs  finden keinen Weg in die Medien, weil ihre Auswirkungen nicht stark genug sind. Bringen Gundmar oder Harald diesen Sommer aber eine Reihe schöner Tage, liest und  hört man vermutlich täglich, welche Freude man bereitet.

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