Armin Ortner

© Dominik Schreiber

Chronik Österreich
04/16/2021

Vier tote Polizisten: "Sogar Meerschweinchen werden vor uns geimpft"

Viele Beamte machen ihrem Ärger nun Luft, weil sie noch nicht einmal Impftermine haben.

von Dominik Schreiber, Kid Möchel

In der KURIER-Redaktion gehen derzeit serienweise Mails von Polizisten aus ganz Österreich ein, die teils wütende Beschimpfungen der Verantwortungsträger beinhalten. Der Ärger innerhalb der Truppe ist enorm, weil es noch immer keine Impfungen für jene Beamten gibt, die an vorderster Front die Einhaltung von Covid-Regeln kontrollieren sollen. Und die mit Corona-Verharmlosern ohne Masken bei Demonstrationen zu tun haben. Wie berichtet, starben bereits vier Beamte an  Corona.

Viele der Beamten bitten um Anonymität. Der Leiter der größten Kriminaldienststelle in Österreich, Armin Ortner, zugleich FSG-Fraktionsführer in seiner Dienststelle, will hingegen nicht mehr schweigen und ist besorgt über die Stimmung innerhalb der Polizei. Der 62-jährige ist Wiens oberster Brandermittler.

Es entsteht der Eindruck, dass in Wien noch eher die Meerschweinchen der Lehrerkinder geimpft werden als die Polizisten“, schreibt Ortner an den KURIER und den SPÖ-Sicherheitssprecher Reinhold Einwallner.

“Zusammengefasst: Die Schwarzen wollen den Minister und die Roten den Bürgermeister nicht angreifen. Dazwischen befinden sich mehrheitlich ungeimpfte Kollegen, die sich alle 14 Tage mit den Corona-Einzellern bei den Demos herumraufen dürfen und auf deren Rücken ein Politspielchen ausgetragen wird“, so der 62-jährige Polizist, der in Wien eine Legende ist.

“Fakt ist: Dosenverteilung in die Bundesländer ist Bundessache, Impfen ist Ländersache. In Wien scheint es nun so zu sein, dass die Dosen, die ankommen, für alle möglichen Leute und Institutionen da sind und für die Polizei, die sich – das sollte ich nicht extra erwähnen müssen – tagtäglich ansteckungsgefährlichen Situationen aussetzen muss, nichts übrig ist.“

Das ist Armin Ortner:

 

Und weiter: “Sie können aus den Ausführungen schließen, dass ich als Teil der Dienststellenbesetzung die Stimmung und die Äußerungen meiner Kollegen zu aktuellen Themen 1:1 mitbekomme und ich kann Ihnen versichern, dass derzeit über Politik und Gewerkschaft keine freundlichen Bemerkungen zu vernehmen sind. Grund: War zu Beginn der Impfungen noch davon die Rede, dass für die Polizei, als systemrelevante Einrichtung, im Februar Impfbeginn sein sollte, rutschte die Polizei im Impfkalender immer weiter nach hinten – in den März, dann Ende April und nun noch dazu mit lächerlichem Kontingent.“

Laut Ortner gärt es innerhalb der Exekutive: “Die Kollegen haben das Spielchen durchschaut und die geringe Wertschätzung, die der Polizei von der Politik entgegengebracht wird, wohl registriert. Gerade bei den jüngeren Mitarbeitern, deren Politikinteresse ohnehin nicht ausgeprägt vorhanden ist, haben die Vorgänge große Verärgerung hervorgerufen und die Hoffnung, dass das – nachdem irgendwann mal durchgeimpft sein sollte – vergessen wird, ist trügerisch. Es sei bemerkt, dass sich der Unmut gegen sämtliche Fraktionen richtet, weil alle hier eine unrühmliche Rolle spielen. Es wäre höchst an der Zeit, sich dieses Themas vonseiten der Politik seriös zu widmen und der an einem einzigen Tag verströmten ,warmen Luft' Taten folgen zu lassen. Die Tragweite dieses Themas wird offensichtlich unterschätzt, aber von freigestellten Funktionären im Home-Office ist wohl nicht mehr Unterstützung zu erwarten.“

Das Fazit der Polizei-Legende: “Es kann doch nicht so schwierig sein, für die „Helden des 2. November“ ein paar tausend Impfdosen zu erübrigen – angesichts des Umstandes, wer schon aller als „impfwürdig“ erachtet wurde.“

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