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Meinung Pro und Contra
04/06/2021

Pro und Contra: Sollen wir die Jugendlichen in Ruhe lassen?

Junge Menschen treffen einander im Freien. Könnten wir das nicht entspannter sehen?

von Dominik Schreiber, Karoline Krause-Sandner

PRO

Junge Menschen sind anpassungsfähig, die meisten beschweren sich nicht über Distance Learning, Masken- und Testpflichten. Sie kommen einfach damit klar. Und nein, sie tun das nicht, weil sie Angst vor Corona haben (80 % der unter 30-Jährigen haben keine). Sie tun das aus Respekt und aus Solidarität mit den Menschen, deren Leben von Covid-19 potenziell bedroht ist.

Der Vorwurf, Junge seien rücksichtslos, nervt. Außerdem ist er falsch.

Nun sind kürzlich die Infektionszahlen und Hospitalisierungen auf ein erschreckendes Niveau gestiegen. Gleichzeitig stiegen auch die Temperaturen. Die logische Folge: Fotos vom überfüllten Donaukanalufer oder vom Grazer Stadtpark wurden verbreitet. Mit explizitem oder verdecktem Vorwurf: Die Jungen sind schuld an den steigenden Zahlen.

Was wir nicht wissen: Waren sie getestet? Haben sie Antikörper? 20- bis 30-mal geringer ist die Gefahr, sich im Freien anzustecken. So etwas wissen die.

Der Mensch ist ein soziales Wesen und Jugendliche sind es meist ganz besonders. Ihre Freunde sind ihr Regulativ, ihr Schutzschirm, ihre Seelsorger, ihre Einordnung, ihr Leben. Die Zahlen dazu findet man zwar auf keinem Dashboard, aber für Junge hat es physische, psychische und finanzielle Folgen, auf soziale Kontakte, Präsenzunterricht, Sport und Reisen zu verzichten. Das tun aber viele seit nunmehr einem Jahr. Ihre Zukunftsaussichten werden immer unsicherer, wichtige Lebensentscheidungen müssen verschoben werden.

Auch für Junge ist Corona gefährlich. Aber geimpft werden sie wohl als allerletztes. Sie vorzuziehen, wäre ein kühner Gedanke – wohl nicht umsetzbar. Aber ist es zu viel verlangt, Junge, die sich im Freien treffen, nicht zu kriminalisieren? Sie haben vielleicht keine Angst zu sterben. Aber sie haben Sorge, nicht leben zu können.

Karoline Krause-Sandner ist Redakteurin im Ressort Außenpolitik.

CONTRA

Österreichs  Intensivstationen füllen sich gerade mit Jugendlichen. Siebzehnjährige hängen wochenlang am Beatmungsschlauch und ihre Leben hängen an einem seidenen Faden. Man könnte fast keinen absurderen Zeitpunkt finden, um darüber zu diskutieren, dass Jugendliche vielleicht doch keine neunzig Euro Strafe zahlen müssen, wenn sie diese Pandemie anheizen.

Wobei es medial mittlerweile offenbar zum guten Ton gehört, dass die Version derjenigen, die gestraft werden, als Tatsache hingestellt wird. Spricht man aber mit den Polizisten, dann sind diese Strafen wohl größtenteils gerechtfertigt. Denn eigentlich sind die Beamten intern aufgefordert, eher großzügig zu sein. Dass sie auf der Straße von Corona-Verharmlosern lächerlich gemacht werden und dann als Sündenböcke hingestellt werden, obwohl sie ohne Impfung für die Eindämmung einer  tödlichen Krankheit Sorge tragen, ist unverständlich.

Jugendliche wollen wählen, dürfen Auto fahren und sollen dann keine Strafe zahlen, wenn sie andere Menschen in Lebensgefahr bringen? Noch dazu, wo sie bereits jene Altersgruppe sind, von der die Pandemie derzeit am meisten angeheizt wird. Dann könnte man auch Rasen straffrei stellen, um Lenkern mehr Entfaltungsmöglichkeit zu geben.

Wer daran scheitert, dass die vermutlich größte Krise zu unseren Lebzeiten damit bewältigt werden kann, dass man zu Hause auf der Couch sitzt, der sollte mit seinen Eltern oder Großeltern reden und sich erzählen lassen, was Einschränkungen bedeuten. Übrigens auch unsere Generation hat 1986 einen Sommer lang nicht nach draußen gehen dürfen nach der Reaktor-Katastrophe in Tschernobyl. Die meisten erinnern sich  nicht mehr daran, so schlimm dürfte es mit den psychischen Folgen also nicht sein.

Dominik Schreiber ist KURIER-Chefreporter und seit über 25 Jahren zuständig für Polizeithemen.

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