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Chronik Österreich
01/23/2021

"Nur für Bewohner": In Pflegeheim wurden Impfungen einfach weggeschmissen

Neuer Höhepunkt in der Impfneid-Debatte: In einem Heim in Ostösterreich sollen mehrere Impfdosen vernichtet worden sein.

von Richard Grasl

Die Diskussion um die Frage, wer wann und wo erlaubterweise geimpft werden darf, hat einen neuen Höhepunkt erreicht - einen traurigen und skandalösen zugleich.

Kurier.at erhielt über die Vorkommnisse in einem  Pflegeheim Informationen, dass Impfdosen ungenutzt entsorgt wurden - auf Anweisung der Heimleitung. Da unser Informant persönlich nicht öffentlich und persönlich dazu Stellung nehmen will, nennen wir ihn hier einfach Dr. M. Die Ereignisse sollen sich bereits in der Vorwoche abgespielt haben - zu einem Zeitpunkt, als die ersten Fälle von geimpften Bürgermeistern aus Oberösterreich oder Vorarlberg noch gar nicht bekannt waren.

Fünf Dosen waren am Ende des Tages übrig...

M. ist Arzt und betreut in besagtem Pflegeheim  auch ältere Menschen. Er ist nicht Bediensteter des Heims, aber regelmäßig im Heim anwesend. Am Ende eines Tages, an dem im Heim bereits Impfungen an ältere Bewohner verabreicht worden sind, kommt es zu einem Gespräch mit jener Ärztin, die die Impfungen verabreicht hatte. Fünf Dosen sind an diesem Tag nach Ende des Impfprogramms übrig geblieben. Die beiden - Arzt und Impfärztin - kennen einander. Die Impfärztin sagt, "komm, ich impfe Dich". Da der Arzt sehr häufig im Heim sein muss, erscheint ihr das als sinnvoll und gerechtfertigt.

... und wurden weggeworfen

In diesem Augenblick erhebt eine anwesende Heimschwester Einspruch. Es sei nicht gestattet, fremde Personen zu impfen. Weil die beiden Ärzte diese Aussage nicht glauben wollten, wurde von der Schwester nochmals Rücksprache mit dem Heimleiter gehalten. Doch dieser bleibt bei seiner Anordnung. Vor den Augen der beiden Ärzte wurden die fünf Impfdosen weggeworfen.

Große Verunsicherung

Der Arzt hat die Information an den KURIER weitergegeben, weil er auf die schreckliche Verunsicherung im Umgang mit derartigen Entscheidungen aufmerksam machen wollte, nicht um im konkreten Fall einen Sündenbock anzuprangern. Daher werden in diesem Artikel auch weder Namen noch Ort des Pflegeheims genannt. Im Nachhinein sei der Arzt froh, dass er die Impfung nicht bekommen hatte, denn nach den schweren Anschuldigungen gegenüber "Impf-Vordränglern" wollte er sich ebenso keine Vorwürfe machen lassen.

Meinung des Autors: Die beste Impfdose ist die verimpfte Impfdose, die schlechteste ist die weggeworfene. Gerade angesichts der täglichen Nachrichten über reduzierte Liefermengen, muss Klarheit geschaffen werden, unter welchen Umständen eine Impfung regelkonform verabreicht werden darf - und muss. Ein Arzt, der regelmäßig ein Altersheim betritt, ist selbstverständlich zu impfen, wenn Impfstoff übrig ist. Und gleichzeitig müssen Medien und Öffentlichkeit aufhören, jeden, der nicht alt oder schwer erkrankt ist und eine Restimpfung erhalten hat, öffentlich anzuprangern. Gerade in den nächsten Monaten wird es tausende Fälle geben, bei denen die Impfreihenfolge individuell unfair erscheint. Da ist offener, teils gehässiger Impfneid mindestens ebenso schädlich wie das Verhalten jener Menschen, die sich tatsächlich ohne Grund durch Kontakte oder Spenden vorgedrängt haben.

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