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Chronik Österreich
02/10/2020

Trotz neuer Ambulanz bleiben Mängel in der Kinderpsychiatrie

In den Gemeindespitälern fehlen derzeit 70 stationäre Betten.

von Josef Gebhard

In kaum einem medizinischen Fachgebiet gibt es so große Versorgungslücken wie in der Kinder- und Jugegendpsychiatrie: Statt der nötigen 24 bis 30 Kassenordinationen gibt es in Wien derzeit nur sechs. In den Gemeindespitälern können die jungen Patienten aufgrund des Personalmangels ebenfalls nicht ausreichend versorgt werden. Zuletzt übte auch der Stadtrechnungshof wie berichtet massive Kritik an der Situation in den Krankenhäusern.

„An den Mängeln gibt es nichts schönzureden“, sagt Ewald Lochner, städtischer Koordinator für Psychiatrie, Sucht- und Drogenfragen.

Immerhin: Jetzt gibt es zumindest ein neues ambulantes Angebot für Kinder und Jugendliche mit psychischen Problemen. Eröffnet auf dem Gelände des Krankenhauses Hietzing sollen hier in einer ersten Pilot-Phase 800 junge Patienten betreut werden.

Am Standort steht ein 24-köpfiges Team aus Psychiatern, Sozialarbeitern, Psychologen und Ergotherapeuten zur Verfügung. Großzügige Öffnungszeiten sollen eine gute Vereinbarkeit mit Schulbesuchen und Berufstätigkeit der Eltern sicherstellen.

Mit einer skurrilen Aktion will die Gewerkschaft vida am Mittwoch auf den chronischen Personalmangel in den heimischen Krankenhäusern aufmerksam machen. Stellvertretend für jeden fehlenden Kollegen werden am Mittwoch im Neurologischen Reha-Zentrum Rosenhügel (Hietzing) 48 Pappkameraden aufgestellt. 

Die Aktion ist Teil der Kampagne „Mehr von uns. Besser für alle“. Kern ist die Forderung nach 20 Prozent mehr Personal in den heimischen Krankenhäusern. Weiters, so die Initiatoren, soll die Berechnungsmethode für eine bedarfsgerechte Zahl der Pfleger bundesweit vereinheitlicht werden.

In den kommenden Monaten soll die Pappfiguren-Aktion in ganz Österreich fortgesetzt werden. Gerald Mjka von der Gewerkschaft vida: „Die Regierung muss endlich in die Gänge kommen und hier dringend handeln.“

Eine Innovation sind die direkt angeschlossenen Wohnkleingruppen, die um Auftrag der Stadt von der Kinder- und Jugendhilfe betreut werden. Derzeit gibt es eine Vierer-WG, bei Bedarf kann auf bis zu 16 Wohnplätze aufgestockt werden.

Die Einrichtung in Hietzing ist das zweite kinder- und jugendpsychiatrische Ambulatorium in Wien. Laut Lochner soll es mittelfristig insgesamt sechs geben, wobei der genaue Zeitplan für den Ausbau noch offen sei.

Insgesamt ist die Versorgungslage aber weiterhin dramatisch. Trotz laufenden Ausbaus gibt es im Krankenanstaltenverbund (KAV) aktuell gerade einmal 79 kinder- und jugendpsychiatrische Betten. Laut Regionalen Strukturplan Gesundheit sollten es 149 sein. Das heißt: Es fehlen aktuell 70 Betten.

Krankenhaus Nord

Besonders schwierig ist die Situation im Krankenhaus Nord. Immer noch nicht konnten die drei Fachärzte rekrutiert werden, die für den Betrieb der 24 Betten notwendig sind, heißt es beim KAV. Somit läuft derzeit nur die Tagesklinik und die Akutambulanz.

Im kommenden Juni abgeschlossen sein soll der Neu- und Ausbau der kinder- und jugendpsychiatrischen Uniklinik im AKH. Ursprünglich wurde der März angepeilt. Die Zahl der stationären Betten erhöht sich damit dort von 28 auf bis zu 32, jene der tagesklinischen von acht auf zehn.

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