Rekordtrockenheit: In Österreich fehlt mehr als ein Monatsregen
Hitze und Trockenheit führen zu Ausfällen in der Ernte (Symbolbild)
Mitteleuropa ist derzeit gerade mitten in einer weiteren, ausgeprägten Hitzewelle, die zwischen Großbritannien und Griechenland die Tageshöchstwerte nach oben treibt. Die Folge: Verheerende Waldbrände in Spanien und Frankreich, Temperaturspitzen von mehr als 40 Grad - und massive Trockenheit.
Zu wenig Regen, zu heiß
Ein Problem, das sich auch in Österreich manifestiert: Auf einen viel zu niederschlagsarmen Winter folgten ein zu warmes Frühjahr und ein außergewöhnlicher Sommerbeginn - die Hitzewelle ab Mitte Juni brachte neue Rekordwerte an Hunderten Messstationen.
Die Halbjahresbilanz der Geosphere Austria fällt entsprechend aus. „Die Trockenheit bleibt ein massives Problem“, mahnt Meteorologe Alexander Orlik und zählt auf: Zwischen 1. Jänner und 30. Juni 2026 fiel über ganz Österreich gerechnet um 27 Prozent weniger Niederschlag als im Vergleich mit dem langjährigen Durchschnitt.
Derlei trete immer wieder auf, überlegt Orlik, die ersten Halbjahre 1993 und 2003 waren noch trockener. So lag das Minus 1993 bei 30 Prozent gegenüber dem langjährigen Mittelwert, 2003 bei 29 Prozent.
Doch das Erstaunliche an der Trockenheit 2026 liegt im Detail. Im Montafon (Vorarlberg), im Flachgau (Salzburg), im Innviertel (Oberösterreich) sowie im Wald- und Weinviertel (Niederösterreich) und dem Wiener Becken lag das Minus zwischen 30 und 40 Prozent.
Seit 140 Jahren war es nicht so trocken
Im Osten beträgt die Abweichung zum Teil sogar bis zu 50 Prozent, rechnet Meteorologe Orlik vor - solche Werte gab es seit 140 Jahren nicht mehr. „Derart niederschlagsarm war es in diesen Teilen seit 1885 nicht mehr.“ Damals wurden Abweichungen von 35 Prozent registriert.
Die Hotspots der Trockenheit finden sich aktuell in Nieder- und Oberösterreich sowie in Salzburg:
- Hohenau an der March (NÖ) - es fielen 143 Millimeter Niederschlag; der Mittelwert aus 1991 bis 2020 beträgt 269 Millimeter. Damit wurde der bisherige Tiefststand aus 2012 (161 Millimeter) eingestellt.
- Ried im Innkreis (OÖ) - es gab 298 Millimeter Niederschlag, bisheriger Tiefststand: 327 (gemessen 2025). Langjähriges Mittel: 532 Millimeter
- Salzburg (Messstation Flughafen) - 321 Millimeter im ersten Halbjahr 2026, bisheriger Tiefststand: 440 Millimeter (gemessen 2025), langjähriges Mittel: 625 Millimeter.
- Kremsmünster (OÖ) - 332 Millimeter, der bisherige Tiefstand lag ebenfalls bei 332 Millimeter (gemessen 1976). Langjähriges Mittel: 533 Millimeter.
Doch was müsste passieren, um die Niederschlagsbilanz noch auszugleichen? Es müsste regnen - viel, flächendeckend, dauernd.
Wie viel Regen fehlt?
160 Liter pro Quadratmeter müssten es in den kommenden Wochen werden, rechnet Orlik vor - zusätzlich. Das ist so viel, wie üblicherweise in mehreren Sommerwochen zusammenkommt. „Es fehlt der Niederschlag von einem gesamten Sommermonat und einem Monatsdrittel“, vergleicht Orlik.
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