Chronik | Österreich
07.03.2018

Tiroler FPÖ-Funktionär versandte Hitler-Bilder an Parteifreunde

Freiheitliche orten Racheaktion von Ex-Mitglied. Die Bilder seien intern verschickt worden, um davor zu warnen. ÖVP fordert von FPÖ-Chef Aufklärung.

Zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt müssen sich die Tiroler Freiheitlichen wieder für mögliche braune Flecken in ihren eigenen Reihen erklären. Nachdem die ÖVP die SPÖ am Mittwoch aus dem Rennen für eine Regierungsbeteiligung geworfen hat, sind die Koalitionschancen der verbliebenen Parteien eigentlich gestiegen. Das gilt neben Grünen und Neos prinzipiell auch für die FPÖ.

Der Tiroler Blogger Markus Wilhelm hat am Mittwoch auf seiner Seite dietiwag.org allerdings Screenshots von Handys von FPÖ-Funktionären veröffentlicht, die diese Chancen wieder schmälern könnten. Wolfgang Neururer, FPÖ-Obmann und bei der Landtagswahl auch Spitzenkandidat im Bezirks Imst hat demnach Bilder von Adolf Hitler an Parteikollegen verschickt. Auf einem der Sujets ist zu lesen: "Vermisst seit 1945. Adolf, bitte melde dich! Deutschland braucht dich! Das Deutsche Volk."

Warnung vor Racheaktion

Neururer wollte gegenüber dem KURIER zu der Causa keine Stellungnahme abgeben und verwies auf eine Presseaussendung der FPÖ. Der Bezirksobmann bestreitet darin nicht, die Bilder verschickt zu haben. Das sei in einer internen WhatsApp-Gruppe mit sieben Mitgliedern der Fall gewesen. „Ein aktuell ausgeschiedenes Parteimitglied schickte derartige Sujets, ich leitete die Bilder weiter um meinen Parteifreunden zu signalisieren, sie sollen vorsichtig sein, es könne eine Racheaktion von der entsprechenden Person ausgehen", wird Neururer zitiert.

FPÖ-Landesparteisekretär Fabian Walch spricht von einer gezielten "Sabotage allfälliger Regierungsverhandlungen" durch Markus Wilhelm. Ins Rollen gebracht wurde die Sache jedoch offenbar vom Imster FPÖ-Gemeinderat Markus Bernardi. Das Kursieren dieser Bilder sei für ihn ein Grund gewesen, im vergangenen Herbst sein Amt als Stadtparteiobmann niederzulegen, erklärt er. "Alles was in so eine Richtung geht, ist ein No-Go. Solche Hitler-Bilder, zu verschicken ist bei Gott kein Spaß mehr."

Anzeige von FPÖ-Gemeinderat

Er habe am Dienstagabend Anzeige bei der Polizei in Imst erstattet, was von der Landespolizeidirektion bestätigt wird. Warum er damit rund ein halbes Jahr gewartet hat, begründet der Oberländer so: "Ich wollte der Partei nicht schaden. Aber ich bekomme schon seit Wochen anonyme Briefe." Darin werde ihm gedroht. Den Absender vermutet Bernardi im Umfeld der Imster FPÖ. Auch bezüglich der Schreiben habe er bei der Polizei Anzeige erstattet und seine Parteimitgliedschaft zurückgelegt.

Seine einstigen Parteifreunde hätten in der Vergangenheit auch andere Sujets verschickt, mit denen er nichts zu tun haben will, behauptet Bernardi. "Die sehen das als Witz", sagt er und nennt als Beispiel ein Motiv von Hühnerflüglen, die in einer Pfanne zu einem Hakenkreuz arrangiert sind.

ÖVP fordert Aufklärung

Die Tiroler FPÖ-Spitze sieht keinen Grund, an der Rechtfertigung der Bezirksfunktionäre zu zweifeln und hält an diesen fest. Die ÖVP will sich damit offenbar nicht zufrieden geben. Martin Malaun, Landesgeschäftsführer der Volkspartei, nimmt vielmehr FPÖ-Chef Markus Abwerzger in die Pflicht. Er erwarte sich von Abwerzger "eine lückenlose Aufklärung der Vorwürfe", erklärte Malaun am Mittwochabend.

"Wir haben immer betont, dass jeder, der an antisemitischem oder nationalsozialistischem Gedankengut auch nur anstreift, in der Politik nichts verloren hat. Für uns muss zweifelsfrei klargestellt werden, dass solche Vorfälle auch in der zweiten Reihe der FPÖ nicht toleriert werden. Die Freiheitlichen sind gefordert, hier endlich rigoros durchzugreifen.“

Braune Rülpser von Seiten der Freiheitlichen gelten innerhalb der ÖVP als größte Hürde für eine mögliche Koalition. "Wir brauchen in der Regierung keine rechten und keine linken Spinner. Ich werde mir nicht nur die erste, sondern auch die zweite Reihe anschauen", hatte Landeshauptmann Günther Platter kurz vor der Landtagswahl klar gemacht und damit auch eine Botschaft an die FPÖ ausgesandt.