Die Zeiten, in denen solche Bilder entstanden sind, sind vorbei. Seit der Teil-Öffnung der Geschäfte nimmt auch der Verkehr wieder zu

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Chronik Österreich
04/19/2020

Temporausch auf leer gefegten Straßen: Corona fördert Raser

Seit der Ausgangsbeschränkungen ist laut Polizei die Freude am Rasen gestiegen.

von Patrick Wammerl, Matthias Nagl, Nikolaus Tuschar

157 km/h sind bekanntlich schon auf der Autobahn zu viel. In der Nacht auf Samstag wurde bei der Baustelle St. Marx auf der Wiener Südosttangente ein Raser mit genau diesem Tempo in einer 60er-Zone erwischt. Die Toleranz abgezogen, müsste der Autofahrer also mit 170 km/h unterwegs gewesen sein.

Und in Oberösterreich wurde am Freitag ein Lenker mit 195 km/h aus dem Verkehr gezogen. Bei der Polizei gab er an, sein Auto „getestet“ zu haben. Es habe es erst kürzlich gekauft.

Seit in Österreich Ausgangsbeschränkungen gelten, registriert die Polizei bei vielen Autofahrern einen deutlichen Hang zur Raserei.

Auch wenn sich die Zahlen aufgrund des massiv zurückgegangenen Verkehrs nicht mit den Statistiken der Vorjahre vergleichen lassen, deckt sich die Wahrnehmung in fast allen Bundesländern. „In der Zeit der Ausgangsbeschränkungen wurden die Geschwindigkeiten teilweise massiv überschritten“, sagt Gottfried Macher von der niederösterreichischen Polizei.

Alleine am Osterwochenende wurden in Niederösterreich 1.489 Schnellfahrer geblitzt. „Angesichts des geringen Verkehrsaufkommens und dem völligen Wegfall des Osterreiseverkehrs eine durchaus beachtliche Zahl“, heißt es dazu aus dem Büro der Landespolizeidirektion.

Auch in Salzburg waren zuletzt einige Raser unterwegs: Im Ortsgebiet von Grödig fuhr einer mit 122 km/h, auf der A10 bei Oberalm einer mit 153 km/h in einer 80er-Zone und bei Werfen einer mit 195 bei erlaubten 100 km/h.

„Aktion scharf“

Deshalb kam es in den vergangenen Tagen, speziell am Osterwochenende, zu einer „Aktion scharf“ des Landes und der Verkehrspolizei. „Ich habe überhaupt kein Verständnis für Raser, die glauben, jetzt die leeren Straßen ausnützen zu können“, sagt der Salzburger Verkehrslandesrat Stefan Schnöll (ÖVP).

Bei der „Aktion scharf“ gehe es „bewusst um die wirklichen Raser und nicht diejenigen, die mit ein paar km/h zu viel gemessen werden“.

In Vorarlberg ließen sich manche dazu verleiten, die fast leere A14 zur Teststrecke zu machen. Bei einer Kontrolle vor wenigen Tagen wurden gleich vier Raser mit mehr als 200 km/h geblitzt. Der Spitzenreiter hatte sogar 219 km/h am Tacho.

Wer glaubt, Raserei betrifft vor allem junge Menschen mit besonders viel Leichtsinn, der irrt: Auch dem Kärntner FPÖ-Abgeordneten Christian Ragger wurde der Führerschein jüngst abgenommen.

Weil er einen Strafbescheid, den er wegen zu schnellen Fahrens erhalten hatte, beeinsprucht hat, will das Kärntner Landesverwaltungsgericht vom Nationalrat die Aufhebung seiner Immunität. Laut dem Strafbescheid hatte Ragger das Tempolimit mit mehr als 50 km/h überschritten.

Risiko Motorrad

Raser sind aktuell aber nicht das einzige Problem auf den Straßen. In den vergangenen zehn Tagen gab es in Österreich mehrere tödliche Motorradunfälle. Allein am Freitag sind drei Motorradlenker bei Unfällen gestorben.

Der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) hat kürzlich eine Untersuchung veröffentlicht, wonach das tödliche Unfallrisiko mit dem Motorrad 22-mal höher ist als jenes mit dem Auto.

Und obwohl es nicht verboten ist, raten Experten in Zeiten der Corona-bedingten Ausgangsbeschränkungen dringend von Motorradtouren ab.

Einsatzkräfte und Spitalspersonal werden derzeit woanders gebraucht. Die Polizei hört wegen Corona jedenfalls nicht mit ihren Kontrollen entlang der beliebten Bikerstrecken auf.

Zumindest auf die gesamte Unfallstatistik wirkt sich das geringere Verkehrsaufkommen während der Ausgangsbeschränkungen aber bereits positiv aus: Während sich vom 1. Jänner bis 13. April des Vorjahres 84 tödliche Verkehrsunfälle ereignet haben, waren es im Vergleichszeitraum heuer 79.

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