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Chronik Österreich
10/08/2020

„Teenie-Sittenwächter“ steht vor dem Richter

Opfer hatte Kontakt zu Tschetschenin und wurde deshalb von drei Burschen verprügelt. Video davon kursierte im Internet.

von Michaela Reibenwein

Es waren drei junge Burschen, die dem 15-Jährigen am 12. August in Wien-Floridsdorf aufgelauert hatten: Sie legten einen Arm um den Hals des Burschen und eskortierten ihn zu einem Park. „Wir müssen etwas regeln“, erklärten sie ihrem Opfer. Wie das geschah, kursierte vor wenigen Wochen im Internet – ein Prügelvideo machte die Runde.

Was hatte der 15-Jährige getan? Er hatte Kontakt zu einem Mädchen aus Tschetschenien. Und das gefiel einigen jungen Landsmännern anscheinend gar nicht.

Untersuchungshaft

Der Hauptverdächtige (vertreten von Anwalt Wolfgang Blaschitz) ist selbst 15 Jahre alt. Er wurde in Österreich geboren, ist Staatsangehöriger der russischen Föderation. Er wohnte bei seinen Eltern und der älteren Schwester. In die Schule ging er nicht, Job hatte er keinen. Er musste mit 60 Euro Taschengeld monatlich auskommen. Jetzt sitzt er in Untersuchungshaft. Am kommenden Montag wird er im Landesgericht für Strafsachen in Wien vor dem Richter stehen – wegen absichtlicher schwerer Körperverletzung und versuchten Raubes.

Das Opfer und die Tschetschenin hatten sich auf Instagram kennengelernt. Im Juni erklärte das Mädchen ihrem Bekannten, dass sie nur noch mit Tschetschenen zu tun haben wolle. Der Bursche verstand das nicht.

Verteidiger Wolfgang Blaschitz hat einen Plan

In der Zwischenzeit hatten auch tschetschenische Landsmänner von der Bekanntschaft erfahren. Laut Anklage fassten der 15-Jährige und zwei weitere Burschen (sie konnten nicht ausgeforscht werden) den Entschluss, als Sittenwächter aufzutreten und dem 15-Jährigen klarzumachen, dass nur Tschetschenen Kontakt mit tschetschenischen Mädchen und Frauen haben dürften.

Im Park setzte es dann Hiebe – sogar als das Opfer am Boden lag, sollen die Täter noch auf Kopf und Gesicht eingetreten haben. Sie sollen auch Geld gefordert. Doch der 15-Jährige hatte nur ein Handy dabei.

Der Hauptverdächtige erklärte gegenüber der Polizei, das Opfer habe „schlecht über Tschetschenen geredet“. Zu den Komplizen schweigt er weiter.

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