BURGENLAND: ZWEI TOTE FLÜCHTLINGE IN KLEINBUS AN BURGENLÄNDISCHER GRENZE ENTDECKT

© APA/ROBERT JAEGER / ROBERT JAEGER

Interview
10/19/2021

Zwei Flüchtlinge erstickt: "Haben befürchtet, dass so etwas wieder passiert"

Durch die hohe Präsenz an der Grenze habe man im Burgenland "Schlimmeres verhindern" können, sagt Schlepperbekämpfer Gerald Tatzgern.

von Martin Gebhart

Zwei Flüchtlinge sind in einem Kleinbus, der aus Ungarn 29 Menschen ins Burgenland brachte, erstickt. Schreckliche Erinnerungen an einen Zwischenfall in Parndorf werden wach: Am 26. August 2015 starben 71 Menschen in einem Lkw.

"Wir haben befürchtet, dass sich so etwas wieder ereignen wird", sagt Gerald Tatzgern, Leiter der Zentralstelle zur Bekämpfung der Schlepperkriminalität im Bundeskriminalamt, im Interview mit dem KURIER. Die Schlepper hätten ihre Methoden verändert, würden Leute zunehmend mit Lastenwägen über die Grenze bringen.

"Keiner weiß, was sich noch ereignet hätte"

Durch die hohe Polizeipräsenz an der burgenländisch-ungarischen Grenze "konnten wir Schlimmeres verhindern", sagt Tatzgern. "Wäre der Transporter nicht angehalten worden, dann vermuten wir, dass er längere Zeit weitergefahren wäre und dann weiß keiner, was sich noch ereignet hätte."

Die Flüchtlinge dürften aus den Lagern am Westbalkan kommen und sich dort schon mehrere Monate aufgehalten haben. "Vermutlich wollten sie keinen weiteren Winter dort verbringen", meint Tatzgern. Mehr als 80 Prozent der Flüchtlinge vor Ort seien Männer.

Aufgriffe von Personen aus dieser Region beobachtet er in der jüngsten Zeit vermehrt. "Normalerweise führt die Route über Serbien nach Ungarn oder via Rumänien nach Ungarn."

Österreich "trägt Hauptlast"

Die Hauptziele der Flüchtlinge seien neben Österreich Deutschland, Holland, Schweden und Belgien. Österreich trage derzeit aber "die Hauptlast", so Tatzgern.

Im Iran würden sich jetzt schon rund drei Millionen Afghanen aufhalten, die keine Perspektive sehen und weiterziehen möchte. Und: Sollten die Taliban in Afghanistan nicht für Stabilität sorgen können, könnte es schnell gehen, meint Tatzgern: "Dann werden wir sicher konfrontiert sein mit einer größeren Migrationswelle."

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