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Chronik Österreich
05/11/2021

SV Mattersburg: Millionenklage gegen Steuerberater

Masseverwalter fordert Schadenersatz wegen angeblicher Beratungsfehler. Steuerberater weist die Vorwürfe zurück.

von Kid Möchel, Dominik Schreiber

In den Konkursverfahren rund um ehemaligen Fußball-Bundesligisten SV Mattersburg werden jetzt schwere Geschütze aufgefahren. Masseverwalter Adalbert Hausmann hat für den SV Mattersburg und die beiden Tochterfirmen SVM Profisport GmbH und SVM Gastronomiebetriebs GmbH drei Klagen gegen den SVM-Steuerberater Harald R. eingebracht. Dazu kommen noch zwei Klagen gegen die beiden Jahresabschlussprüfer R. und P.

Vom Steuerberater fordert Hausmann 2,18 Millionen Euro Schadenersatz, von den Abschlussprüfern insgesamt 1,43 Millionen Euro. Detail am Rande: R. war auch zum Teil Steuerberater der Commerzialbank Mattersburg (CBM).

Schwere Mängel

Wie berichtet, wurde der SV Mattersburg vor allem durch „malversive Geldflüsse“ aus der Commerzialbank, gefakte Sponsoreinnahmen, hochfrisierte Kartenerlöse und künstlich aufgeblasene Gastro-Umsätze finanziert.

Der Masseverwalter vertritt nun die Ansicht, dass dem Steuerberater diese vielfältigen Malversationen unbedingt auffallen hätten müssen. So sollen ihm „eine Reihe von Beratungsfehlern unterlaufen“ sein. Unter anderem soll er den SVM „nicht dazu angehalten haben, eine geordnete Buchführung und Belegsammlung anzulegen“. Außerdem sollen Umsatzsteuervoranmeldungen mitunter nicht mit der elektronischen Buchhaltung übereingestimmt haben.

„Ein nur stichprobenartiges Überprüfen von Sponsoringvereinbarungen hätte in jedem Fall sowohl optische als auch inhaltliche Mängel diverser Vereinbarungen zutage gebracht, Fälschungen waren in diesem Zusammenhang alleine aus einem Unterschriftenvergleich klar erkennbar“, behauptet Masseverwalter Hausmann in den Klagen. „Bei ordentlicher Durchführung der Leistungen hätten die Luftbuchungen identifiziert und verhindert werden können.

Außerdem hätte dem Steuerberater auffallen müssen, dass sich die Umsatzerlöse aus dem Sponsoring vom Geschäftsjahr 2017 auf 2018 „beinahe verdoppelt haben“.

Falsche Abschlüsse

„Auch die Umsätze mit den VIP-Karten und normalen Karten hätten hinterfragt werden müssen“, meint der Masseverwalter in der Klage. So sei die Zahl der ausgegebenen VIP-Karten mit dem Fassungsvermögen des VIP-Zeltes im Mattersburger Stadion „in keiner Weise in Einklang zu bringen“.

Am Ende sollen „die vom Steuerberater mangelhaft erbrachten Leistungen“ zur Erstellung von vier „unrichtigen Jahresabschlüssen“ geführt haben. Und selbst die längst eingetretene Insolvenz der SVM-Profisport GmbH hätte er erkennen müssen, heißt es weiter.

Steuerberater R. bestreitet alle Vorwürfe. „Die drei Klagen fußen auf unwahren Behauptungen. Ohne auch nur einen Beweis vorlegen zu können, wird unserem Mandanten vorgeworfen, dass die Malversationen rund um die Commerzialbank und die Sportvereinigung für ihn „klar erkennbar“ gewesen seien“, kontert seine Anwältin Heidemarie Paulitsch. „Dieser Vorwurf ist grotesk. Selbst die Aufsichtsbehörden FMA und OeNB, die seit 2015 intensive Prüfungen durchführten, haben keine Missstände vorgefunden.“ Erst im Juli 2020 wurde die Bank von der FMA geschlossen.

Nicht belastet

„Aus den Geständnissen der Beschuldigten Martin Pucher und Franziska Klikovits geht auch hervor, dass mein Mandant eben nicht zum Informantenkreis zählte“, sagt Paulitsch. Er werde auch von niemandem belastet. Außerdem seien ihm hinsichtlich der Sponsoren lückenlose Verträge und glaubhafte Kartenabrechnungen vorlegt worden. Die Beschuldigten hätten alles darangesetzt, dass ihre Malversationen unentdeckt blieben.

Steuerberater Harald R. dürfte aber wohl keine Informationen gehabt haben, die Malversationen vermuten ließen. Kein Wunder also, dass auch er zu den Opfern der Commerzialbank zählt. Seine Familie hat bei der CBM ihr Geld angelegt und durch die Pleite 183.493 Euro Schaden erlitten.

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