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Chronik Österreich

Studie zu Wiener Neustadt: Fruchtbarer Boden für Firmengründer

Dabei wurde die ökonomische Bedeutung Wiener Neustadts untersucht. Dass man das Rennen um die Landeshauptstadt verloren hat, sei ein wesentlicher Grund für den Wirtschaftserfolg.

von Patrick Wammerl

01/25/2023, 10:33 PM

Dass Wiener Neustadt einst das Rennen um die Landeshauptstadt gegen St. Pölten verloren hat, hat sich 37 Jahre später als wirtschaftlicher Glücksgriff entpuppt. Als Verlierer gab es als „Trostpflaster“ vom Land Niederösterreich den Zuschlag zum Aufbau eines Forschungs- und Wirtschaftsclusters. Was Besseres hätte der Stadt samt Region nicht passieren können, ist sich der Ökonom und Universitätsprofessor Christian Helmenstein sicher. Er ist der Autor der frisch präsentierten Studie zur ökonomischen Bedeutung der Stadt Wiener Neustadt. Und der Volkswirt scheut nicht davor zurück, die knapp 50.000 Einwohner große Stadt mit einer deutschen Wirtschaftsmetropole zu vergleichen. München sei als „erfolgreichste Landeshauptstadt ebenso ein Magnet für erfolgreiche Betriebe und Menschen wie Wiener Neustadt“.

Angesichts dieser salbungsvollen Worte plagte selbst Bürgermeister Klaus Schneeberger (ÖVP) das schlechte Gewissen, so viele Gäste bei der Studienpräsentation für die „Propaganda“ versammelt zu haben.

In Wiener Neustadt herrscht ein wirklich ausgeprägter Hang zur Selbstständigkeit.

Christian Helmenstein | Ökonom und Studienautor

St. Pölten abgehängt

Helmenstein kann seine Theorien und Untersuchungen aber durchaus mit nackten Zahlen beweisen. Mit einer „überproportionalen“ Bruttowertschöpfung von 1,95 Milliarden Euro/Jahr übertrumpft die Stadt die gesamte Wertschöpfung der nö. Tourismusbranche. Im NÖ-Vergleich rangiert Wiener Neustadt zusammen mit dem südlichen Wiener Umland ganz oben im Ranking. 43.829 Euro betrug die Bruttowertschöpfung pro Kopf zuletzt in der Stadt, 44.088 im südlichen Speckgürtel um Wien. Danach herrscht bereits ein Respektabstand. Die Landeshauptstadt St. Pölten liegt mit 39.100 Euro pro Einwohner deutlich dahinter, das Waldviertel kommt auf 26.277 Euro, das Weinviertel gar nur auf 20.564.

Helmenstein macht der Studie zufolge die große Zahl an Unternehmensgründungen mit für den Wirtschaftserfolg verantwortlich. Der Wert für Neugründungen lag pro 1.000 Einwohner in Wiener Neustadt zuletzt bei 7,0; niederösterreichweit bei 4,8 Betriebsgründungen. „Es herrscht hier ein stark ausgeprägter Hang zur Selbstständigkeit“, sagt der Studienautor. Der Anteil der Selbstständigen ist zwischen den Jahren 2011 und 2021 um knapp ein Drittel (plus 386 Selbstständige) gewachsen. Auch damit rangiert man im NÖ-Vergleich an der Spitze der Regionen.

Wesentlichster Treiber für den Gründerboom ist den Untersuchungen nach der international renommierte Technopol im Bereich Medizin- und Materialtechnologie. „Gäbe es den Technopol nicht, wäre Wiener Neustadt auf der internationalen Forschungs- und Technologieebene nicht präsent“, erklärt Helmenstein.

Einrichtungen, wie das Technologie- und Forschungszentrum, die Fachhochschule und ihre Tochterfirmen oder das Krebsforschungszentrum MedAustron haben eine „Dynamik bei den Unternehmensgründungen ausgelöst“.

Wirtschaft
1,95 Milliarden Euro/Jahr betrug zuletzt die Bruttowertschöpfung in Wiener Neustadt. Im Jahr 2021 gab es 4.526 aktive Betriebsstandorte. Von 2011 bis 2021 stieg ihre Zahl um 36 Prozent.

3.000 Studierende umfasst derzeit der Technopol-Standort Wiener Neustadt. In den verschiedenen Technologiefeldern gibt es bereits mehr als 1.500 Arbeitsplätze. Die Büro- und Laborflächen im Technologie- und Forschungszentrum umfassen über 17.300 Quadratmeter.

Verkehr

Durch den Technopol ist der Beschäftigungsanteil auf dem Gebiet von Forschung und Entwicklung um den Faktor 4,5 höher als im übrigen Niederösterreich.

Jahrzehntelang ist Wiener Neustadt in Sachen Tourismus und Nächtigungszahlen anderen Regionen des Bundeslandes deutlich hinterhergehinkt. Es machte den Anschein, als ob Wiener Neustadt für auswärtige Besucher keinen Anreiz bieten würde. Die Austragung der Landesausstellung 2019 „Welt in Bewegung“ scheint das Eis gebrochen zu haben, was die äußere Wahrnehmung anbelangt. Mit 162.000 Nächtigungen wurde im letzten Jahr vor der Pandemie Jahr ein Rekord erzielt. Von der Jahrtausendwende bis 2019 gab es ein Nächtigungsplus von 237,7 Prozent.

Um sich dem harten EU-Wettbewerb auch in Zukunft zu stellen, komme es laut Helmenstein auch auf den Ausbau der Verkehrswege an. „Wiener Neustadt ist ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt“. Es sei aber entscheidend, diesen auszubauen.

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