Chronik | Österreich
04.09.2018

Feinstaub tödlicher als gedacht: Studie heizt Debatte an

Graz hat erlaubte die Anzahl an Überschreitungstagen erreicht. Im Winter wird Belastung noch steigen.

Unter den ersten zehn Plätzen sind fünf Grazer Messstationen. In dem Fall ist das nichts Rühmliches, im Gegenteil: Da an der Station Graz-Don Bosco am Montag bereits 25-mal die Feinstaubkonzentrationen über dem Grenzwert registriert wurden, hat die Landeshauptstadt somit ihr erlaubtes Jahreslimit ausgereizt.

Sie dürfen theoretisch nur an 25 Tagen jährlich überschritten werden. Praktisch sieht das anders aus: Die Feinstaubsaison beginnt erst in der kühleren Jahreszeit so richtig. Graz kämpft seit Jahrzehnten damit, den wenig schmeichelhaften Titel Feinstaub-Hauptstadt Österreichs abzustreifen: Bis zum Jahresende könnten noch einmal Dutzende Belastungstage dazu kommen, befürchten die Grünen. „Es wird Zeit, den Kampf gegen die schlechte Luft endlich ernstzunehmen“, fordert Landtagsabgeordnete Sandra Krautwaschl.

Fast neun Millionen Tote

Eine internationale Studie verleiht der politischen Forderung noch etwas mehr wissenschaftlichen Nachdruck. Am Montag gab das Fachjournal Pnas bekannt, dass die Anzahl der durch den kleinsten, lungengängigen Feinstaub (PM2,5) verursachte Todesfälle massiv nach oben revidiert werden müsse: 8,9 Millionen Menschen weltweit starben demnach 2015 an den Krankheiten, die durch Feinstaub verursacht werden - die letzten diesbezüglichen Schätzungen gingen von 6,9 Millionen Toten aus; das ist um ein Drittel weniger.

Die Grünen mahnen deshalb die steirische Landesregierung zu mehr Engagement im Kampf gegen Feinstaub. Sandra Krautwaschl bringt erneut einen autofreien Tag ins Spiel oder das Öffi-Jahresticket um 365 Euro für die gesamte Steiermark. Doch Umweltlandesrat Anton Lang, SPÖ, kontert: In den vergangenen Jahren sei „noch nie so viel in Maßnahmen gegen den Feinstaub investiert worden“ wie zuvor, 60 Millionen Euro insgesamt. Das umfasse den Ausbau der Fernwärmeanschlüsse bis zu Förderungen für E-Autos und Solaranlagen.

Geld vom Bund nötig

Beim Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel wäre er sofort dabei, versichert Lang. Aber allein würden Stadt Graz und Land das nicht bezahlen können. „Diejenigen, die im Bund das Rauchverbot in Lokalen gekippt haben und 140 km/h auf Autobahnen fahren wollen, sind im Kampf gegen den Feinstaub nicht sehr hilfreich“, wettert der rote Landesrat gegen die türkis-blaue Regierung.

Lang verspricht aber als eine neue Maßnahme ein günstiges „Einstiegsticket“ für die Pendler: Eine Drei-Monats-Karte für die Öffis soll zum Umsteigen bewegen. Von Dezember bis Februar sei auch wieder die Aktion „Reine Luft“ vorgesehen: An Freitagen gelten Stundentickets für die Grazer Öffis als Tageskarten. Wegen der hohen Feinstaubbelastung im Februar wurde diese Maßnahme auf jeden Wochentag ausgedehnt.