Am Montag gab es 57 Infizierte, die auf Corona-Cluster in St. Wolfgang zurückzuführen waren.

© Wolfgang Spitzbart

Chronik Österreich
07/27/2020

St.-Wolfgang-Cluster: "Wir sind nicht das Partydorf der Alpen“

St. Wolfgang will nicht Ischgl sein. Der Cluster weitet sich unterdessen auf andere Bundesländer aus. Die Stornos mehren sich.

von Elisabeth Holzer, Petra Stacher, Johanna Kreid

62 Infizierte verzeichnet aktuell der Cluster in St. Wolfgang im Salzkammergut. Das teilte Oberösterreichs Landeshauptmann-Stellvertreterin Christine Haberlander (ÖVP) am Montagnachmittag mit. Bei dem Großteil der Betroffenen handle es sich um Mitarbeiter und Praktikanten.

Dennoch scheinen in ganz Österreich bereits die Alarmglocken zu läuten: Das Land Salzburg etwa verordnete nun für alle Tourismusarbeiter in Strobl und St. Gilgen die Maskenpflicht.

Im Nachbarbundesland Niederösterreich wurden bereits die ersten Fälle bekannt, die sich in St. Wolfgang angesteckt haben. Konkret handelt es sich um 14 Personen: Sechs von ihnen sind vor Ort in Quarantäne. Acht weitere, sieben direkt Infizierte und ein Folgefall, befinden sich in NÖ in Absonderung. In Salzburg gibt es drei Infizierte aus dem Cluster.

Vermehrt Stornos

Mit Ischgl sei die Situation dennoch nicht vergleichbar: „Damals wussten wir ja nicht, wie sich das Virus auswirkt“, sagt Tilman Königswieser des Salzkammergut Klinikums. Dennoch: Es ist der erste Cluster in einem begehrten Sommer-Tourimusort.

In St. Wolfgang gehen deshalb aufgrund der aktuellen Lage aber auch Stornos ein: In manchen Betrieben bis zur Hälfte der Buchungen, in machen bis zu 15 Prozent, beschreibt Arno Perfaller vom Tourismusverband. „Aber es gibt auch neue Nachfragen.“

Leer stünden die Hotels in der Salzkammergutgemeinde jedenfalls nicht. Und den Vergleich mit Tirols Ischgl hört man in St. Wolfgang freilich nicht gern. „Wir sind nicht das Partydorf der Alpen“, wehrt Perfaller ab.

Hohe Sensibilität

Auf der steirischen Seite des Salzkammergutes äugt Pamela Binder, Geschäftsführerin des Tourismusverbandes Ausseerland, gespannt, aber relativ entspannt über die Landesgrenze. „Im Moment ist die Welt hier in Ordnung. Wir haben noch keine Stornierungen, die auf das Problem von Infektionen zurückgeführt werden könnten“, sagt Binder. „Wenn das so bleibt, sind wir alle happy.“

125 gewerbliche Beherbergungsbetriebe gibt es im Bereich des Tourismusverbandes Ausseerland-Salzkammergut, die traditionell auf einen großen Anteil an Stammgästen aus Österreich zählen dürfen, 60 Prozent nämlich. „Aber natürlich ist die Sensibilität groß“, sagt Binder. „Auch die Betriebe sind sehr darauf bedacht, ihre Leute gut durch diese Zeit zu bringen.“

Denn  ein Tourismusbetrieb  bedeute nun einmal „kommen und gehen“, wie sich Binder ausdrückt: „Wir tun alle gut daran, weiterhin die Abstandsregeln einzuhalten und Maske zu tragen. Das tut keinem weh.“

Claudia Riebler  von der Österreich Werbung berichtet unterdessen von verstärktem Informationsbedürfnis potenzieller Urlauber. „Das ist ganz, ganz groß derzeit. Transparente Information zu bekommen, ist für die Gäste wahnsinnig wichtig geworden.“ Vermehrte Anfragen wegen Stornos oder tatsächliche Stornierungen seien noch nicht aufgefallen.

"Normales Leben ermöglichen"

Tilman Königswieser, Ärztlicher Leiter des Salzkammergut-Klinikums und Mitglied des Krisenstabs in OÖ, war Montagabend in der ZiB2 zu Gast und äußerte sich zur aktuellen Situation in St. Wolfgang. Die aktuelle Zahl von 62 Infizierten sei für ihn aktuell noch kein Grund, nervös zu werden - man könne alle Fälle dank des Contacttracings gut nachverfolgen. Von 2.500 Einwohnern und rund 1.000 Touristen haben man zirka 1.150 Tests gemacht: "Da kriegt man schon ein gutes Bild", sagt Königswieser. "Wer sagt, dass er Symptome hat, erhält innerhalb von 48 Stunden ein Testergbenis."

Mit Ischgl sei die Situation nicht vergleichbar: "Wir sind deutlich erfahrener, die Situaion in Ischgl war eine ganz andere, mit anderen Parametern. Und es gab noch wenig Wissen über das Virus. Damals gab es noch kaum Schutzmaßnahmen. Mit den aktuellen Schutzmaßnahmen ist eine Verbreitung nicht richtig möglich." Man sei auch dankbar, dass die Nachtlokale, in denen es Fälle gegeben habe, vorübergehend freiwillig geschlossen hätten.

Immer wieder wiederholt Königswieser, was entscheidend sei: Maskenpflicht, Händehygiene, Abstand halten. "Mit diesen Maßnahmen sind wir gut unterwegs. Wir sind überzeugt, dass das der richtige Weg ist." Denn: "Unser Strategie ist: Nicht zusperren, sondern uns ein normales Leben ermöglichen – mit diesen Maßnahmen."

 

Betroffene Betriebe

Hier ein Überblick über die Betriebe, in denen sich laut Stand Montagabend Covid-19-Infizierte aufgehalten haben bzw. beschäftigt waren:

St. Wolfgang: 13er Haus, W3, Seevilla, Hotel Peter, Hotel Furian, Pizzeria Mirabella, Scalaria, Strandhotel Margaretha, Gusteria, Landhotel Berau, Weisses Rössl, Zum Weissen Hirschen, Hubertuskeller, Cafe Wallner, Vitalhotel Wolfgangsee, Hotel Bürglstein, Hotel Landhaus zu Appesbach

Ried/St. Gilgen/ Bundesland Salzburg: Landgasthof Leopoldhof, Badeplatz Postalmsee

Strobl/Bundesland Salzburg: Gasthaus Kirchenwirt

Sonstige: ADEG St. Wolfgang, Fa. Adler Bad Ischl (Architekturbüro, in Hotel gearbeitet)

 

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.