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Chronik Österreich
07/24/2021

Sparpaket: Diözese will Gotteshäuser abgeben

Die Kirche muss sparen. Welche Ideen nun überlegt werden und wo bereits "Kirchen-Sharing" die neue Realität ist.

von Anja Kröll, Petra Stacher, Christian Willim

Es sind klare Worte, die aus der Diözese Graz-Seckau ertönen: Es muss gespart werden. Und zwar ordentlich. Das Corona-Jahr hat die katholische Kirche durch fehlende Einnahmen im Klingelbeutel und Verluste durch abgesagte Pfarrfeste schwer getroffen. Zusätzlich verursachen schwindende Katholikenzahlen Sorgenfalten. Betrug der Anteil in der steirischen Bevölkerung 2010 rund 75 Prozent, sind es nun nur noch knapp 65 Prozent. Hält der Trend weiter an, würde dies 2030 die Zahl von 55 Prozent bedeuten, rechnete Wirtschaftsdirektor Andreas Ehart vor.

Die Diözese setzt deswegen den Sparstift an. Und zwar bei Kirchen und Gebäuden.

„Wir können viele Kirchen nicht einfach abgeben, schon gar keine sakralen Bauten, außer vielleicht an andere christliche Glaubensgemeinschaft wie die orthodoxe Kirche“, sagt Ehart. Ein paar Einzelfälle seien denkbar, aber es sollen Gotteshäuser bleiben. Der Hintergedanke: Da die Erhaltungskosten der Gotteshäuser enorm sind, würde man sich zumindest diese ersparen.

Eine Kirche zum Verschenken

Dass Kirchen durchaus verkauft oder verschenkt werden, zeigt ein Blick in den Osten: In NÖ wurde etwa die Sebastianikirche in Stockerau säkularisiert und zum Verkauf angeboten. Verschenkt wurden Gotteshäuser bereits vor Jahren in Wien. Wie etwa die Pfarrkirche Neulerchenfeld in Ottakring und die Pfarrkirche „Maria vom Berge Karmel“ in Wien-Favoriten. Letztere ging an die syrisch-orthodoxe Gemeinde.

In der Steiermark will man diesen Schritt vor allem für sogenannte profane Gebäude im Eigentum der Kirche gehen: Sprich Pfarrgebäude, Kindergärten, Friedhofsgebäude.

Verkaufte Gebäude, sakrale Bauten in Händen anderer Glaubensgemeinschaften – ist dies eine Gangart auch für andere Diözesen?

Pläne in den Bundesländern

In Kärnten, wo es rund 1.000 Kirchen gibt, werde „noch nicht“ an den Verkauf von Gotteshäusern gedacht. „Obwohl die Erhaltung mancher Kirchen einige Mühen bereitet“, wie Ordinariatskanzler Jakob Ibounig erklärt. Die Corona-Pandemie war auch in der Diözese Gurk deutlich spürbar: Der Jahresabschluss für 2020 brachte nach Steuern ein Defizit in der Höhe von 273.000 Euro. Ein Weg im Süden des Landes, um Erhaltungskosten zu verringern, lautet seit Jahren „Kirchen-Sharing“. „In Klagenfurt und in Maria Wörth teilen wir uns etwa Kirchen mit der serbisch-orthodoxen bzw. der evangelischen Gemeinschaft“, schildert Ibounig.

Nachsatz: Man müsse sich den vorherrschenden Gegebenheiten anpassen. „Manche Dinge gilt es pragmatisch und weniger sentimental zu betrachten.“

Instandhaltung als "großer Brocken"

In der Diözese Innsbruck sieht man noch keinen Sparbedarf, in OÖ will man einen anderen Weg gehen: „Die Diözesen sind unterschiedliche Apparate. Bei uns ist die finanzielle Situation nicht so dramatisch. Außerdem sind Kirchenbeiträge nicht die einzige Einnahmequelle. Wir nutzen seit vielen Jahren die Möglichkeit der Vermietung“, heißt es von der Diözese Linz auf KURIER-Anfrage. Denn nicht immer brauche man etwa das ganze Pfarrheim. „Im Zuge von Sanierungen wurden deshalb ab und zu Wohnungen oder Geschäftsräume eingebaut.“ Zudem würden Pfarren teilweise auf Kooperationen mit Wohnbaugenossenschaften zurückgreifen, um langfristige Mieteinnahmen aus Pfarrgründen zu generieren. „Die Gelder fließen dann wiederum in die Erhaltung von denkmalgeschützten Gebäuden, denn die Instandhaltungskosten sind schon ein großer Brocken.“

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