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Politik Inland
07/22/2021

Aufschrei von Bewerbern nach MedAT-Test

Nach dem Medizinaufnahme-Test wurden Beschwerden von Bewerbern laut. Der KURIER ist der Kritik nachgegangen und hat mit einem der Verantwortlichen gesprochen.

Von Edgar Subak und Franziska Gamperl

Rund acht Stunden hat der Medizinaufnahmetest (MedAT) gedauert.  Am Mittwoch sind an den Standorten Wien, Salzburg, Wels, Graz und Innsbruck 12.777 Bewerber zum Test erschienen. Vergeben werden letztlich nur 1.740 PlĂ€tze. Beschwerden von MedAT-Kandidaten wurden nach dem Test laut. Manche vorab bekannt gegebenen EinschrĂ€nkungen wirkten fĂŒr sie kurios. Der KURIER ist den Beschwerden und Restriktionen nachgegangen und hat mit Joachim Punter vom Teaching Center der MedUni Wien gesprochen. Er war fĂŒr den Testablauf mitverantwortlich.

KURIER: Nicht neu ist der Vorwurf, dass der MedAT-Test nur mit teuren Vorbereitungskursen schaffbar ist. Die gratis von der MedUni Wien zur VerfĂŒgung gestellten Unterlagen werden als wenig hilfreich kritisiert.

Joachim Punter: Wie gut Lernunterlagen eingeschĂ€tzt werden, ist immer subjektiv. Aber dieser Kritik sind wir nachgegangen und haben 2015 eine wissenschaftliche Studie in Auftrag gegeben. Nach dem Test wurde eine freiwillige Online-Befragung durchgefĂŒhrt und nach der Bearbeitungsnummer des Testbogens gefragt. So konnten wir identifizieren, wer es geschafft hat und wie die Kandidaten sich konkret vorbereitet haben. Das Ergebnis hat gezeigt: Kommerzielle Vorbereitungskurse sind nicht effektiver als nicht-kommerzielle Formen der Testvorbereitung.

Warum durften einfache Armband-Uhren nicht zum Test getragen werden? Warum mussten SchlĂŒsselanhĂ€nger an der Garderobe abgegeben werden?

Mittlerweile gibt es auch Smart-Watches (Uhren mit Internet-Verbindung, Anm.). Diese sind wie Handys und Smartphones somit nicht zugelassen. Weil wir Tausende von Kandidaten in kurzer Zeit in die Testhallen weiterleiten mĂŒssen, haben wir nicht die Ressourcen, um einzelne Armbanduhren nach ihrer Art zu begutachten. In der Testhalle befinden sich Wanduhren, die fĂŒr alle klar zu erkennen sind. Auch bei den SchlĂŒsselanhĂ€ngern gibt es elektronische Modelle, die gegebenenfalls Nachrichten empfangen können.

Manche Personen sind lÀrmempfindlicher als andere. Trotzdem waren Ohrstöpsel oder Ohropax nicht erlaubt. Warum?

WĂ€hrend des MedAT-Tests kommt es zu Durchsagen, etwa Hinweise zu wichtigen VerfahrensablĂ€ufen. Vorgaben von der Testleitung mĂŒssen gehört werden. Überdies sollen Aufsichtspersonen möglichst wenig wĂ€hrend des Testablaufs eingreifen, etwa indem sie den Kandidaten Instruktionen wieder erklĂ€ren mĂŒssen, weil sie wegen der Ohropax nicht informiert worden sind. Daher lassen wir keinen Gehörschutz zu. Außerdem ist es in den Testhallen wĂ€hrend der Bearbeitungszeit wirklich sehr leise. Ich könnte eine Nadel fallen lassen und sie hören.

Eine italienische Bewerberin hat wegen der vermeintlich schlechten Durchsagen den Test abgebrochen. Wie erklÀren Sie sich das?

Wie gesagt, in den Hallen ist es wĂ€hrend des Tests wirklich sehr leise. Die Durchsagen gibt es nur auf Deutsch, auch der Test selbst ist deutsch. FĂŒr den MedAT selbst gibt es keine besonderen Sprachanforderungen. FĂŒr das anschließende Medizinstudium aber sehr wohl, nĂ€mlich Deutsch auf C1-Niveau. Es macht somit ohne die erforderlichen Sprachkenntnisse keinen Sinn, am Test teilzunehmen.

 

Auf der Website steht, dass Zangen und DrÀhte nicht zugelassen sind. Das wirkt auf den ersten Blick etwas kurios.

Der Aufnahmetest fĂŒr die Human- und Zahmedizin gestaltet sich jeweils unterschiedlich. Im Test der Zahnmedizin werden auch manuelle Fertigkeiten abgeprĂŒft. FĂŒr alle sollen einheitliche PrĂŒfungsbedingungen herrschen. Manche Zahntechniker werden ihre eigenen Utensilien haben. Daher stellen wir fĂŒr beim Test fĂŒr Zahnmedizin alle DrĂ€hte und Zangen zur VerfĂŒgung.

Ein Student hat uns erzĂ€hlt, dass er bei der Eingangskontrolle von Securities angewiesen worden sei, seine Red Bull-Dose ex zu trinken oder abzugeben. Die Snus-Dose (Oraltabak) musste er wegwerfen. Die Nikotinbeutelchen selbst hat er zwischen seine Dokumente in die Klarsichtfolie legen mĂŒssen.

Das kann ich nicht nachvollziehen. Wir haben keine Vorgaben hinsichtlich Essen und GetrÀnke gehabt. Auch Tabakersatz ist erlaubt. Manche Security-Mitarbeiter werden die Vorgaben wohl etwas zu eng interpretiert haben.

Kritisiert wurden auch extrem lange Wartezeiten vor den Garderoben.

Das ist haltlos. Das Management hatten wir gut im Griff. Wir stellten in der Messe Wien zehn EingĂ€nge mit zehn Garderoben zur VerfĂŒgung. Der Zugang wurde gestaffelt abgewickelt. Die HĂ€lfte der Personen sind nach unserer ZĂ€hlung ohne GarderobenstĂŒck direkt zu den SitzplĂ€tzen geleitet worden. Auch nach dem Test wurden die Teilnehmenden gruppenweise entlassen.

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