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Wissen Gesundheit
07/23/2021

Faktencheck: Wie ansteckend sind infizierte Geimpfte?

Auch vollständig Geimpfte können sich anstecken. Testen lassen sollte man sich laut Experten auch weiterhin.

von Ingrid Teufl

Wenn es nach dem Wiener FPÖ-Obmann Dominik Nepp geht, sind nicht ungeimpfte Personen die Treiber der aktuell erneut steigenden Infektionszahlen - sondern es sind jene, die sich immunisieren lassen. "Geimpfte sind die neuen Gefährder" sagte er diese Woche in einem KURIER-Interview.

Unter Impfexperten und Virologen löst diese Aussage Kopfschütteln aus. Alle bisherigen Daten sprechen eine andere Sprache. "Es sind nicht die Geimpften, die die Infektionen weitertragen, sondern die Ungeimpften", betont etwa Karl Zwiauer, Mitglied des Nationalen Impfgremiums. Wie viele Viren tatsächlich von Geimpften ausgeschieden werden und wie viele positive PCR-Tests sich auf bereits Geimpfte zurückführen lassen: Ein KURIER-Faktencheck.

Wie viele Viren scheiden Geimpfte aus?

Dass sich auch vollständig Immunisierte mir dem SARS-CoV-2-Virus anstecken können, kann trotz hohem Impfschutz allerdings dennoch vorkommen. Denn hundertprozentigen Schutz kann keine Impfung bieten. Bei der österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährung AGES heißt es weiter:  "Auch kein anderes Arzneimittel kann jeder Patientin/jedem Patienten eine hundertprozentige Wirksamkeit garantieren."

Allerdings ist der Schutz durch die derzeit verfügbaren Impfungen sehr hoch - und das spreche wiederum eindeutig für eine Impfung, sagen Experten. Karl Zwiauer ergänzt: "Die Virenausscheidung von Geimpften ist unverhältnismäßig geringer und dauert auch unverhältnismäßig kürzer als bei Ungeimpften."

Anders gesagt: Geimpfte weisen eine "reduzierte Virusausscheidung" auf und sind darum "deutlich weniger ansteckend als nicht geimpfte Personen", heißt es in den Anwendungsempfehlungen des Nationalen Impfgremiums (NIG).

Das deutsche Robert-Koch-Institut (RKI) schreibt: "Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Person trotz vollständiger Impfung PCR-positiv wird, ist bereits niedrig, aber nicht bei Null." In welchem Maß die Impfung darüber hinaus die Übertragung des Virus weiter reduziert, könne derzeit aber noch nicht genau quantifiziert werden.

Auswirkungen von Delta

Die Delta-Variante reduziert allerdings den Schutz vor Infektionen. Das deutsche Robert-Koch-Institut spricht von einer "reduzierten Wirksamkeit". Der Schutz gegen schwere Krankheitsverläufe war in Studien aber sehr hoch. Bei Biontech/Pfizer bei 96 Prozent, bei AstraZeneca bei 92 Prozent.

Stark verringert sich die Wirksamkeit hingegen bei jenen, die noch nicht vollständig immunisiert sind und erst eine Impfdosis erhalten haben.

Schlagen Tests bei Geimpften an?

Virologe und Antikörper-Spezialist Lukas Weseslindtner von der MedUni Wien: "Wir gehen derzeit davon aus, dass Antigentests auch bei geimpften Menschen gute Infektionsnachweise erbringen." Antigen-Schnelltests weisen Virusproteine, die vom Genom von SARS-CoV-2 kodiert werden, in Abstrichen nach.

"Die Delta-Variante beeinflusst diesen Prozess grundsätzlich nicht", sagt der Experte. Und: Der Impfstoff selbst kann keinen positiven Test verursachen.

Die abgeschwächte Infektion bleibt per genauerem PCR-Test nachweisbar, Antigentests können "die kleinere Menge an Virusmaterial aber nicht mehr entdecken, weil eben insgesamt weniger Zellen infiziert wurden", sagt er.

 

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