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Chronik Österreich
11/18/2019

Smart Home: Das digitale Haus schreckt Ganoven ab

In Österreich werden immer weniger Einbrüche verzeichnet – das liegt laut Polizei auch an neuen Technologien.

von Patrick Wammerl, Johannes Weichhart

In Österreichs Häusern und Wohnungen findet eine technologische Wachablöse statt.

Das digitale „Smart Home“ hat bei Neubauten und Wohnungssanierungen die klassische Alarmanlage längst ausgebootet. Die neuen digitalen Möglichkeiten zur Sicherung von Häusern und Wohnungen spiegeln sich nun auch äußert positiv in der Kriminalstatistik wieder: Noch nie ist es Einbrechern in Österreich so schwer gefallen, an Geld, Gold oder teure Uhren zu kommen.

Während im Jahr 2009 noch 21.113 Einbrüche und Einbruchsversuche stattgefunden haben, so hat sich diese Zahl 2018 mit 9.784 Coups mehr als halbiert.

Bislang sind österreichweit nur sehr wenige Fälle bekannt, wo es Kriminelle schafften, sich in  das Sicherheitssystem eines Hauses zu hacken. Doch diese Einschätzung könnte trügen, warnt Chefinspektor Franz Flescher vom Landeskriminalamt NÖ. „Es ist gar nicht so einfach festzustellen, ob ein Fremder tatsächlich in das System eingedrungen ist oder nicht. Dafür braucht es Spezialisten, da stehen wir vor großen Herausforderungen.“

Derzeit sei man dabei, sich auf diese  neuen Technologie einzustellen. Flescher erinnert an die mit „Keyless Go“ ausgestatteten Autos, die über ein Funksignal erkennen, ob man einen Schlüssel bei sich trägt. Auch hier hätten Kriminellen sehr schnell Möglichkeiten gefunden, die Fahrzeuge per Laptop zu knacken.

Aber natürlich wird dabei nicht auf die „klassischen“ Einbrecher vergessen. Vor allem in der Dämmerungszeit dringen Täter verstärkt in Häuser und Wohnungen ein. Deshalb hat das Landeskriminalamt auch in den Wintermonaten eine temporäre Ermittlungsgruppe eingerichtet, die verstärkt Jagd auf Einbrecher macht. Keine leichte Aufgabe, denn die Tätergruppen seien oftmals gleich in mehreren Bundesländern aktiv und flüchten sehr rasch wieder ins Ausland. Großteils kommunizieren die Ganoven auch nur über Internettelefonie, heißt es.

In 46,5 Prozent der angezeigten Fälle (4.548) scheiterten die Einbrecher sogar kläglich dabei, an fremdes Eigentum zu gelangen. „Diese Tatsache geht meist mit dem guten Eigenschutz und den richtig gesetzten Präventionsmaßnahmen einher“, heißt es dazu aus dem Bundeskriminalamt.

Locking and unlocking door with app on a smart phone

Einen wesentlichen Anteil daran hat der Trend zum so genannten Smart Home, wie Andreas Bandion von der Abteilung Kriminalprävention des Landeskriminalamtes Niederösterreich weiß. Mit Smart Home ist die digitale Vernetzung von Haustechnik und Haushaltsgeräten in Kombination mit Kameras und Bewegungsmeldern gemeint.

Gerade bei Neubauten wird Haus- und Wohnungsbesitzern die Möglichkeit gegeben, mit ihrem Handy die Heizung, das Licht, die Jalousien oder jede Art von Kameraüberwachung von jedem beliebigen Ort der Welt aus via Internet anzusteuern.

Am Sandstrand

Die Technologie ermöglicht es, beispielsweise aus dem Urlaub in Thailand per Smartphone die Rollläden herunter zu lassen, oder die Gartenbeleuchtung einzuschalten. „Nähert sich eine Person der Eingangstüre, dann kommt es schon zur Benachrichtigung am Handy. Man kann über die App jede Kamera im Haus ansteuern“, schildert Sicherheitstechniker Patrick Irsigler von „Uhl Elektro“. Eine Anwesenheitssimulation gaukelt Einbrechern vor, dass jemand zu Hause ist.

„Früher hat das zur Saison der Dämmerungseinbrüche die gute alte Zeitschaltuhr übernommen, mit der man das Licht angehen hat lassen, obwohl man nicht zu Hause war“, erklärt Ermittler Bandion. Heute schreckt man Einbrecher mit meist noch effektiveren, digitalen Möglichkeiten ab.

Laut Patrick Irsigler ist die Bandbreite groß. Zusammen mit dem Licht lässt sich beispielsweise mit dem Handy die Musikanlage oder der Fernseher einschalten, die Rollläden auf- und abbewegen oder der Staubsauger aktivieren. Bereits 400 solcher Systeme verkauft die Firma in Ostösterreich pro Jahr, die Hälfte davon an Privatkunden und die andere Hälfte an Firmen.

Spuren im Schnee

Laut Bandion ist aber auch das Smart-Home-System kein 100-prozentiger Einbruchsschutz. „Es gibt dabei schon ganz wichtige Punkte zu beachten“, erklärt der Kriminalbeamte.

Die beste Anwesenheitssimulation nutzt beispielsweise nichts, wenn sich aufgrund eines Urlaubs die Post im Postkasten türmt oder im Winter keine einzige Spur im Schnee zum Haus führt. „Da schnallt selbst der dümmste Einbrecher, dass niemand da ist.“

man hand in watch with smart home and computer

Der Ermittler warnt außerdem vor technisch sehr gewieften Banden, die digitale Sicherheitssysteme hacken und die Technik so zu ihrem eigenen Vorteil nutzen können.

„Wenn ein Fremder mit einem einfachen Laptop die Eingangstüre aufsperren kann, oder Zugriff zu den Kameras im Haus bekommt, dann ist das gefährlich. Das Problem ist meistens eine ungesicherte Schnittstelle zum Internet“, erklärt Bandion.