Das beschädigte Einsatzfahrzeug

© /Wasserrettung Kärnten

Kärnten
06/09/2016

Shitstorm gegen Wasserretter, weil sie Flüchtlingskinder das Schwimmen lehren

Unbekannte Täter beschädigten ein Einsatzfahrzeug. Wasserretter wollen weitermachen.

von Thomas Martinz

Anfeindungen und einem Internet-Shitstorm ist die Wasserrettung Kärnten ausgesetzt, weil sie unbegleiteten minderjährigen Asylwerbern kostenlose Schwimmkurse anbietet. Unbekannte Täter haben außerdem in Wolfsberg ein Einsatzfahrzeug der freiwilligen Helfer beschädigt.

Anfang dieser Woche berichteten zwei Kärntner Lokalmedien über den Service der Rettungskräfte. "Viele Flüchtlingskinder sind direkt an den Kärntner Seen untergebracht, haben allerdings keinerlei Erfahrungen mit Flüssen und Seen und können nicht schwimmen. Wir haben sie in den Wintermonaten in Hallenbädern mit unseren Kursen auf das Element Wasser und dessen Gefahren vorbereitet", erzählt Landesleiter Heinz Kernjak.

Shitstorm

Die Berichte hatten jedoch in den Foren der entsprechenden Medien einen regelrechten Shitstorm zu Folge. "Die unqualifizierten und beleidigenden Kommentare erschüttern uns. Ich will gar nicht wiederholen, was da alles gepostet wurde und welchen Anfeindungen wir ausgesetzt sind. Und nur einen Tag nach den Presseberichten wurde bei einem Einsatzfahrzeug der Wolfsberger Wasserrettung eine Fensterscheibe eingeworfen. Ein Zufall?", fragt sich Kernjak. Die Polizei hat in dieser Causa Ermittlungen aufgenommen.

Einschüchtern lassen wollen sich die Retter durch diese Vorfälle nicht – ganz im Gegenteil. So wurde von der Wasserrettung extra ein Malbuch aufgelegt, das den Flüchtlingskindern spielerisch und mit Symbolen das richtige Verhalten in Hallenbädern und an Seen näher bringt (mehr dazu weiter unten). Die Schwimmkurse für die Asylwerber werden in den Sommermonaten sogar verstärkt durchgeführt, was das enge Budgetkorsett der Kärntner Wasserrettung zu sprengen droht.

600 Teilnehmer mehr

"Bislang hatten wir pro Jahr rund 2000 auszubildende Schwimmer, heuer werden es durch die Flüchtlinge 600 mehr sein. Aber die Organisationen und Betreiber von Flüchtlingsheimen, die diesbezüglich an uns herantreten, haben selbst nur geringe finanzielle Mittel. Somit werden wir die Kurse weiter gratis anbieten. Wir Retter können uns nicht aufs Glück verlassen, dass den Flüchtlingen nichts passiert", verweist Kernjak an einen Vorfall der sich am Wochenende in Kötschach-Mauthen, Bezirk Hermagor, in Kärnten ereignet hat.

Dort wollten ein 20-jähriger Afghane und ein zwölfjähriger Iraker in einem Freibad in Form einer Mutprobe vom Drei-Meter-Turm springen. Den Jüngeren verließ nach einigen zaghaften Anläufen der Mut. Er klammerte sich an ein Metallrohr der Absperrung. Dann hat ihn der 20-Jährige "geschupft"; der Iraker stürzte in die Tiefe, prallte mit der Hüfte und dem Kopf gegen den Beckenrand und kam am Rand des Schwimmbeckens auf. Er erlitt bei diesem Vorfall Prellungen und Abschürfungen.

Da Schwimmkurse für Flüchtlingskinder mittlerweile ein großes Thema geworden sind, legte die Wasserrettung auch ein Malbuch auf, in dem Gefahrensituationen grafisch dargestellt werden: