Mödling
01/22/2016

Bade-Verbot für Flüchtlinge löste Empörung aus

Die Reaktion des Stadtbades Mödling auf Verfehlungen richtete sich an "Menschen mit Migrationshintergründen".

von Katharina Zach

Sie sollen keine Badekleidung getragen und die Frauengarderobe betreten haben – nun dürfen junge Flüchtlinge nicht mehr ohne Begleitung ins Stadtbad Mödling.

Mit einem Infoschreiben an die Mitarbeiter hat Direktor und ÖVP-Stadtrat Robert Mayer diese Maßnahme kundgetan. Was folgte, war ein Social-Media-Shitstorm. Denn Mayer ist unbeabsichtigterweise weit über das Ziel hinausgeschossen. Er ordnete nämlich an, "Menschen mit Migrationshintergründen [sic]" den Zutritt ausschließlich mit Begleitperson zu gewähren (siehe Faksimile). Blöd auch, dass das interne Schreiben am Freitag im Bad-Foyer an der Pinnwand hing. SPÖ-Gemeinderat Stephan Schimanowa forderte die Stadtregierung in Sozialen Medien auf, die Anweisung zurückzunehmen. Vizebürgermeister Gerhard Wannenmacher (Grüne) kommentierte auf Facebook: "Das kann’s nicht geben in Mödling" Und die Sozialistische Jugend NÖ fragte, ob die Stadt nun künftig Ariernachweise ausstellt.

Unglücklich formuliert

"Das war unglücklich formuliert", zeigte sich der Direktor zerknirscht. Er werde den Text umformulieren. Doch was war passiert? Zuletzt hätten sich Beschwerden von Gästen gehäuft. Junge Flüchtlinge aus den zwei Betreuungseinrichtungen wären teils in Unterwäsche oder Jogginghosen ins Becken gesprungen, auch eine Dame vom Reinigungspersonal sei bedrängt worden. "Zudem haben sie versucht Münzautomaten bei den Solarien aufzubrechen." Eine Begleitperson sei nicht dabei und eine Verständigung unmöglich gewesen.

Also habe man das Schreiben übersetzen lassen und den Flüchtlingen gezeigt, erklärt Mayer. "Ich persönlich habe nichts gegen die Burschen, aber ich bin dafür da, dass im Bad Ruhe herrscht." Jeder, der sich an die Badeordnung halte sei willkommen.

Bürgermeister Hans Stefan Hintner (ÖVP) betont, dass das Schreiben keinen fremdenfeindlichen Hintergrund habe. "Wir haben seit 40 Jahren eine Flüchtlingstradition", sagt er. Allerdings sei bei minderjährigen Flüchtlingen eine 24 Stunden Betreuung vorgesehen. Die müsse auch im Bad gelten.

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