In Wals-Siezenheim wurden zwei Frauen, eine 50-Jährige und ihre 76-jährige Mutter, tot aufgefunden.
Der mutmaßliche Täter flüchtete, stellte sich später aber.

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Chronik Österreich
05/06/2021

Schon wieder zwei Frauen in Österreich getötet

Nur wenige Tage nach dem Sicherheitsgipfel wurde erneut Bluttat verübt. Opfer sollen Verwandte von deutschem Schlagerstar sein.

von Petra Stacher

Es  hat nicht einmal eine Woche gedauert. Sechs Tage nach einem Femizid in Wien und nur zwei Tage nach dem Sicherheitsgipfel  der Regierung wurden in der Nacht auf Donnerstag  zwei weitere Frauen getötet.

Diesmal geschah die Doppel-Bluttat in Wals-Siezenheim im Salzburger Flachgau.

Kurz vor Mitternacht machte sich ein Mann auf den Weg zum Zuhause seiner ehemaligen  Freundin und deren Mutter. Es soll zum Streit gekommen sein, dann  fielen  Schüsse. Am Ende waren beide Frauen tot.  Mit den beiden Opfern sind damit 2021 insgesamt bereits elf Frauen mutmaßlich durch die Hand ihres (Ex-)Partners gestorben.

"Regierung muss handeln"

Die Politik gerät zunehmend unter Druck, denn Zahl und Frequenz der Femizide legen den Schluss nahe, dass es bei der Gewaltprävention noch viel  zu tun gibt. Noch am selben Tag war in Salzburg eine Demonstration angekündigt, bei der es vor allem um Solidarität mit den ermordeten Frauen gehen soll.

„Die Regierung muss endlich handeln und darf keine weitere wertvolle Zeit verlieren“, mahnte SPÖ-Frauenvorsitzende Gabriele Heinisch-Hosek – sie war damit nicht allein (siehe Zusatztext unten).

Was genau ist nun in Wals-Siezenheim passiert?

Tochter und Mutter

In der Nacht hörten Nachbarn der Frauen einen Streit und riefen die Polizei.  Als die Beamten bei dem Einfamilienhaus ankamen,  fanden sie die 50-Jährige und die 76-Jährige  am Boden liegend im Eingangsbereich. Für beide kam jede Hilfe zu spät. Laut Kronen Zeitung sollen die beiden Opfer, Tante und Cousine des deutschen Schlagersängers Stefan Mross sein.

Sofort begann die Suche nach dem möglichen Täter: dem 51-jährigen Ex-Freund der Tochter aus der Stadt Salzburg. Vorerst ohne Erfolg. Eine Großfahndung nach dem Mann wurde eingeleitet.

In der Zwischenzeit blieb der Verdächtige nicht untätig: Laut Polizei kontaktierte er eine Bekannte, der er die Tat auf der Sprachbox gestand. Dann griff er ein zweites Mal zum Mobiltelefon und wählte den Polizei-Notruf. Er habe zwei Faustfeuerwaffen dabei und werde sich umbringen, lautete seine Botschaft.

Die Beamten versuchten, ihn davon abzubringen. Gegen 4.30 Uhr stellte sich der Mann in Abersee am Wolfgangsee  auf einem Campingplatz der Cobra. Die beiden Schusswaffen, die er legal besaß, nahmen ihm die Polizisten ab.

Ex, Stalker oder beides?

Bei dem Verdächtigen soll es sich um einen Berufsdetektiv-Assistenten handeln.  „Die Ersteinvernahme ist abgeschlossen. Er ist geständig. Zum Motiv konnte oder wollte er nichts sagen“, so der Polizeisprecher. Nach wie vor sei vieles  offen.

Auf Puls24 äußerte sich der Bruder des 50-jährigen Opfers. Laut ihm sei der Verdächtige ein Stalker gewesen. Die Familie  hätte im Jänner Anzeige gegen ihn erstattet. Laut Staatsanwaltschaft Salzburg stimmt das zwar, ein Ermittlungsverfahren wurde damals aber nicht eingeleitet, da der vorgelegte eMail-Verkehr auf Gegenseitigkeit beruhte, auch „wohlgesonnen“ war und deshalb strafrechtlich nicht relevant gewesen sei.

„Laut derzeitigem Stand gab es jedenfalls eine Liebesbeziehung zwischen Opfer und Täter“, so die Polizei. Obduktion und Spurensicherer sollen nun den genauen Tathergang klären.

Regierung verspricht Maßnahmen und Geld

Die neuesten Frauenmorde haben für heftige Reaktionen und Kritik an der derzeitigen Situation der  Gewaltprävention in Österreich geführt.

Während die Regierung in ersten Reaktionen auf den geplanten runden Tisch zu diesem Thema verwies, ist das Opposition und Hilfsorganisationen zu wenig. „Beim Sicherheitsgipfel waren die Gewaltschutzeinrichtungen, die am besten wissen, was zu tun ist, nicht eingebunden“, kritisierte SPÖ-Frauenvorsitzende Gabriele Heinisch-Hosek.

Immerhin: Laut Frauenministerin Susanne Raab sollen die Opferschutzeinrichtungen nun beim runden Tisch eingeladen sein.  Die Hochrisikofallkonferenzen müssten „sofort und nicht irgendwann“ in ganz Österreich umgesetzt werden, fordert Heinisch-Hosek. Außerdem bräuchten Opferschutz und Frauen- und Mädchenberatungsstellen „dringend mehr Mittel“.

Bundeskanzler Sebastian Kurz erklärte, der Mord an den beiden  Frauen   erschüttere ihn zutiefst: „Wir werden auch weiterhin alles tun, um Frauen zu schützen.“ Innenminister Karl Nehammer   verwies ebenfalls auf den runden Tisch in der kommenden Woche: „Ich sehe es als unser aller Aufgabe als Gesellschaft sowie Politik und Opferschutzeinrichtungen, gemeinsam mit Polizei und Justiz alles zu tun, um diese abscheulichen Taten zu verhindern.“

Ministerin  Raab   kündigte erneut mehr Geld für den Gewaltschutz an. „Wir werden und müssen alles in unserer Macht stehende tun, um Frauen und ihre Familien vor Gewalt zu schützen.“

Der Bundesverband für Gewaltschutzzentren Interventionsstellen Österreich beruhigt indes: "Wir sind erschüttert über drei Frauenmorde in einer Woche." Aber: "Wenn wir uns die Gewaltschutzarbeit der letzten 25 Jahre in Österreich anschauen, dann können wir noch immer auf viele bedeutsame Verbesserungen und eine Vorreiterrolle in der EU zurückblicken." In Österreich gebe es flächendeckende Angebote für Menschen, die unter Gewalt leiden. Helfen könne man aber nur jenen, die sich auch an diese wenden.

Gewalt von Männern gegen Frauen gibt es in allen sozialen Schichten, Nationen, Familienverhältnissen und Berufsgruppen. Morde an Frauen können auch Femizide sein. Der Begriff soll ausdrücken, dass hinter diesen Morden oft keine individuellen, sondern auch gesamtgesellschaftliche Probleme wie etwa die Abwertung von Frauen und patriarchale Rollenbilder stehen.

Hilfe für Gewalt-Betroffene gibt es hier:

Frauenhelpline (Mo – So, 0 – 24 Uhr, kostenlos), 0800 / 222 555 Männernotruf: (Mo – So, 0 – 24 Uhr, kostenlos), 0800 / 246 247.

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