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Chronik Österreich
11/17/2019

Unglaubliche Bilder: Lawinen und Schneechaos im Süden Österreichs

Die Lage in Südösterreich spitzt sich zu, von Tirol bis in die Steiermark wüten Unwetter, zudem sorgen Lawinen für Unruhe.

von Matthias Nagl, Johannes Arends

Die massiven Niederschläge halten den Süden Österreichs weiter in Atem. Von Tirol bis ins steirische Murau sind die Menschen vom Schneechaos betroffen, vielerorts werden Häuser evakuiert.

Am frühen Nachmittag ist rund vier Kilometer vor der Talstation des Stubaier Gletschers eine Lawine auf die Straße abgegangen und hat dabei ein talauswärts fahrendes Fahrzeug erfasst. Alle sechs Insassen konnten sich selbstständig aus dem Auto befreien und blieben unverletzt, berichteten die Bergbahnen.

Ein Ausläufer des Lawinenkegels hatte das Fahrzeug neben die Straße geschoben. Die Einsatzkräfte waren für weitere Untersuchungen und zur Räumung der Straße an Ort und Stelle. Bei dem Fahrzeug handelte es sich laut Bergbahnen um einen Kleinbus mit deutschem Kennzeichen.

Video von Lawine in Osttirol

Auch in Osttirol, in Prägraten am Großvenediger, kam es zu Lawinenabgängen. Das folgende Handyvideo eines Anwohners kursierte am frühen Nachmittag in den sozialen Medien:

Rudi Mair, Leiter des Lawinenwarndienstes Tirol, sagte zum KURIER: "In Osttirol sollen die größten Niederschläge jetzt erst kommen." Er geht von weiteren Meldungen aus. "Die Lage wird sich im Tagesverlauf zuspitzen", so Mair.

Dass in den nächsten Tagen die höchste Lawinenwarnstufe 5 verhängt werden muss, sei aber eher unwahrscheinlich. Das wäre nur der Fall, wenn es die Gefahr großer Staublawinen mit Potenzial für Katastrophen gäbe. Danach sehe es aufgrund der relativ warmen Temperaturen im Moment aber nicht aus.

Weiteres Video von Lawine in Südtirol

In Südtirol ging bereits zuvor eine massive Nassschneelawine direkt in den Ort Martell in einem Seitental des Vinschgaus ab. Dabei wurden einige Häuser beschädigt und mussten evakuiert werden. Verletzt wurde laut Rai Südtirol niemand.

Das Tal ist aktuell von der Außenwelt abgeschnitten. Dazu ist in Südtirol die Brennerautobahn zwischen Brixen und Sterzing wegen heftiger Schneefälle aktuell gesperrt. Ein Video von Anwohnern zeigt das Ausmaß der Lawine in Martell:

Banges Warten in Kärnten

In Kärnten dagegen bangt man ob der erwarteten Niederschläge. Nach wie vor herrschte vor allem in Oberkärnten Muren- und Lawinengefahr. Die Niederschläge der Nacht waren jedoch schwächer als erwartet, wodurch die aktuellen Zuflüsse zu den Flüssen niedriger ausgefallen sind. Ein Anstieg werde ab etwa 14.00 Uhr erwartet, sagte Katastrophenschutzbeauftragter Markus Hudobnik zur APA

Zahlreiche Straßen sind weiterhin gesperrt. "Die Nacht ist soweit dennoch relativ ruhig verlaufen, die Feuerwehreinsätze waren nicht so hoch wie erwartet", berichtete Hudobnik. Das brachte den Einsatzkräften die Möglichkeit, sich für die möglichen weiteren Einsätze der nächsten Tage zu rüsten.

Aufgrund der extremen Lawinengefahr und der Gefahr von durch Schneelast umstürzenden Bäumen wurden das Seebachtal, Tauerntal und Dösental gesperrt und die Bevölkerung aufgerufen, zu Hause zu bleiben, teilte die Landespolizeidirektion Kärnten mit.

In den gesperrten Tälern waren "Hunderte Haushalte" betroffen, wie es vonseiten der Bezirksleitzentrale in Spittal/Drau hieß, wo Samstagnachmittag Starkregen niederprasselte, der in einer Seehöhe von rund 800 Metern in Schneefall überging. Personenschäden aufgrund der Elementarereignisse habe es glücklicherweise nicht gegeben.

Laut ZAMG sind aufgrund der prognostizierten extrem starken Gewitter noch einmal sehr große Niederschlagsmengen in Kärnten zu erwarten. Der Hydrografische Dienst Kärnten rechnete von Sonntag auf Montag mit Spitzenabflüssen an der Gurk und Glan, die zu einem fünf- bis zehnjährlichen Hochwasser (HQ 5 - HQ 10) führen könnten. Damit wurde die bisherige Prognose nach unten revidiert.

Ruhige Nacht in Osttirol

In Osttirol ist die Nacht weitgehend ruhig verlaufen. Es sei zu keinen größeren Vorkommnissen gekommen, teilte Bezirkshauptfrau Olga Reisner mit. Auch die Stromversorgung konnte über Nacht aufrechterhalten und weitere Haushalte wieder mit Strom versorgt werden. Sonntagfrüh waren noch 1.700 Haushalte ohne Energie. Aufgrund der anhaltenden Niederschläge seien im Laufe des Tages weitere Unterbrechungen der Versorgung nicht auszuschließen, so Reisner.

Bis in die späten Abendstunden war noch mit anhaltendem Niederschlag zu rechnen, erst dann werde es zu einer Entspannung kommen, prognostizierte die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG). Auch am Sonntag herrschte Lawinenwarnstufe 4 der fünfteiligen Skala.

Normalität wird aber auch am Montag in Osttirol nicht einkehren. Die Bildungsdirektion Tirol empfahl am Sonntag, alle Schulen im Bezirk für den Montag geschlossen zu halten, um die Schüler nicht unnötig zu gefährden.

Mehrere Häuser im steirischen Murau evakuiert

Im obersteirischen Bezirk Murau sind in Stadl an der Mur am Sonntagnachmittag mehrere Wohnhäuser vorsorglich evakuiert worden. Es drohte ein Hangrutsch, teilte der steirische Katastrophenschutzreferent, Landeshauptmann-Stellvertreter Michael Schickhofer (SPÖ) mit. Betroffen waren 30 Personen.

Der Hang im Ortsteil Predlitz sei durch die Niederschläge der vergangenen Tage und Stunden instabil geworden. Anrainer hätten bemerkt, dass Teile des Hangs zu rutschen beginnen. Daher habe man die Evakuierung der Häuser vorsorglich veranlasst, hieß es aus Schickhofers Büro. 

Die Menschen werden bei Bekannten und Verwandten untergebracht. Der Boden sei in vielen Teilen des Bezirkes Murau mittlerweile sehr aufgeweicht. Zu weiteren Zwischenfällen sei es bisher nicht gekommen und die Situation "sonst soweit ruhig".

Eine Begehung und Einsatzbesprechung mit BH, Katastrophenschutz und Geologen war im Laufen. Schickhofer betonte am Sonntagnachmittag, dass man die Wetterlage laufend unter Beobachtung halte. Er dankte den Einsatzkräften und hob hervor, dass Behörden und Katastrophenschutz auf alle Ereignisse "bestmöglich vorbereitet" seien

Überschwemmungen in Salzburg

In den südlichen Salzburger Bezirken spitzte sich am Sonntagnachmittag die Lage nach dem anhaltenden Regen zu. "Es kommen immer mehr kleinräumige Vermurungen und Überflutungen dazu", sagte der Pinzgauer Bezirkshauptmann Bernhard Gratz zur APA. Besonders stark betroffen waren Zell am See, Bruck und Taxenbach. Im Pinzgau wurden 23 Gebäude vorsorglich evakuiert, berichtete Gratz.

Zahlreiche Straßen mussten gesperrt werden. So war die B311 zwischen Taxenbach und Gries sowie bei Schwarzach nicht passierbar, die Stadtdurchfahrt von Zell am See war nach einem Hangrutsch gesperrt. Die Embacher Landesstraße bei Rauris ist unterspült worden und musste gesichert werden. Auch viele Zufahrtsstraßen zu Häusern waren von Muren und Überflutungen betroffen, rund 200 Personen seien dadurch nicht erreichbar.

"Keine Entspannung", hieß es am Nachmittag beim Landesfeuerwehrkommando Salzburg. Im Pinzgau seien fast alle Kräfte ausgerückt, auch im Pongau und im Lungau gebe es viele Einsätze wegen Hochwasser, Erdrutschen und Muren, teilte die Feuerwehr mit. Besonders betroffen waren das Großarltal und der Bereich Schwarzach.

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