© Marcus Hinterberger

Chronik Österreich
10/03/2021

Schmählied über den Ausverkauf der Alpen

Mit seinem Satire-Song über Ischgl wurde Marcus Hinterberger bekannt. Nun singt er über Chalets, Widmungsirrsinn und Ortskaiser.

von Anja Kröll

10.000 Aufrufe hat das Video mit dem Titel „Bürgermeister Blues“ in nur wenigen Tagen auf der Plattform YouTube erreicht. Darin sieht man einen jungen Mann mit hellblauer Bürgermeister-Scherpe beim Aufstellen gelber „Verkauft-Schilder“. Zu hören gibt es unter anderem Folgendes: „Und will der Bauer nicht weichen, ja dann kann er sich schleichen, weil die Rechtschaffenheit hat die Dreifaltigkeit. Und die heißt in diesem Land: Gemeinde, Seilbahn und Tourismusverband.“

Es ist das neuste Werk von Marcus Hinterberger – jenem Salzburger, der bereits mit seinem „Ischgl Blues“ für Aufsehen gesorgt hat. Zur Erinnerung: Der 21-jährige Saalbacher zog mit seinem Schmählied den Zorn der Tiroler auf sich. Bis hin zu einem wenig amikalen Brief eines Seilbahnvorstandes. Als der bayerische Liedermacher Hans Söllner auf das Werk des Jung-Musikers aufmerksam wurde und es auf seiner Facebook-Seite teilte, ging das Video viral.

„Bürgermeister Blues“ ist das Nachfolgewerk. Zentrale Inhalte: Bürgermeister als Widmungsmeister, Luxus-Chalets, die nicht nachhaltig sind und keine Arbeitsplätze schaffen, holländische Käufer, die gegenüber der eigenen Landjugend bevorzugt werden.

Verbau der Landschaft

„Bis jetzt habe ich noch keine bösen Briefe von Bürgermeistern bekommen“, erzählt Hinterberger, als man ihn in Rumänien erreicht, wo er sich für ein Projekt im Rahmen seines Regie-Studiums aufhält. Dafür gab es einen Tweet von Beate Meinl-Reisinger, Bundesvorsitzender der Neos. Sie teilte den Song mit dem Text: „Es IST ein Thema! Auch wenn die ÖVP und der Gemeindebund das verschweigen.“

Hinterberger sieht dies genauso: „Im Alpenraum wird die Landschaft zusehends verbaut. Von Leuten, die ihr Geld rücksichtslos anlegen wollen. Da wird nicht an die Jugend, die nachkommenden Generationen oder Arbeitsplätze im Ort gedacht. Das sind Spekulationsobjekte mit Schlüsselsafes“, sagt der 21-Jährige.

Auch in Saalbach ist das Thema ein heißes Eisen. „Die Jungen sind an Politik interessiert, aber es traut sich keiner was sagen. Wenn du bei den Seilbahnen arbeitest und im Vorstand sitzt der Altbürgermeister, dann wird nicht protestiert. Aus Angst, den Job zu verlieren.“ Pause. „Wenn ich ein Lied mit Humor mache, kann ich ohne erhobenen Zeigefinger auf die Missstände hinweisen“, ist der Hinterberger überzeugt. Er hat sich übrigens erst vor drei Jahren mithilfe von Videos das Gitarrespielen selbst beigebracht.

Auf den „Ischgl Blues“ wird er übrigens immer noch angesprochen. „Entweder feiern mich die Leute, oder sie fallen über mich mit rotem Schädel her. Aber das zeigt, dass man etwas bewegt und mir liegt meine Heimat am Herzen. Also jetzt nicht auf eine Andreas-Gabalier-Weise. Aber ich bin hier aufgewachsen und sehe, wie sich alles verändert. Und wenn wir jetzt nichts tun, könnte es zu spät sein, wenn alles verbaut ist.“ Von der jungen Generation wünscht er sich vor allem eines: „Auch wenn viele sich nicht trauen, das Thema anzusprechen, weil sie Konsequenzen befürchten, muss die junge Generation jetzt trotzdem Rückgrat und Charakter zeigen, bevor es zu spät ist.“

Der Verbauung des Alpenraums will Hinterberger auch die Abschlussarbeit seines Studiums widmen. Und danach? „Ob Theater oder Film oder Musik: für mich hängt alles zusammen. Aber Lieder werde ich jedenfalls weiterschreiben“, sagt der 21-Jährige. Manch einen Bürgermeister dürfte das weniger freuen.

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