Chronik | Österreich
21.07.2017

Raubserie auf Grazer Seniorinnen: Polizei hat konkrete Spur

31-Jähriger wurde wegen Einbruchsverdacht gesucht, es gab aber keinen Haftbefehl.

"Er ist als absolut gefährlich einzustufen", warnt Major Michael Lohnegger, Leiter der "Soko Schmuckraub" in Graz. "Diese Gewaltanwendung gegen gebrechliche, betagte Frauen wäre nicht nötig gewesen." Seit Mittwoch geht die Polizei davon aus, die Identität des "Goldkettenräubers" zu kennen: Als "dringend tatverdächtig" gilt Adiel-Cristian C., ein 31-jähriger Rumäne.

Nach ihm wird mit europaweitem Haftbefehl gesucht: C. soll jener Mann sein, der seit 30. Juni sieben Pensionistinnen in Graz schwer verletzt und ausgeraubt hat. Fotos aus Überwachungskameras führten die Polizei auf die Spur; Details will Lohnegger nicht verraten. "Sonst wüsste der Verdächtige bei der Vernehmung, was er antworten müsste."

Doch zuvor muss ihn die Sonderkommission sowieso erst einmal fassen. Die Beamten kennen den Aufenthaltsort des Verdächtigen nicht, er könnte längst in Rumänien sein. "Es ist aber nicht auszuschließen, dass er in Österreich ist", betont Lohnegger.

Treffer in Spielfeld

Dabei hatte man ihn bereits zwei Mal, wenn auch vor den Raubüberfällen: Am 21. Mai soll C. am Grenzübergang in Spielfeld nach Österreich eingereist sein. Die Abfrage der Daten im Computer während der Grenzkontrolle ergab einen Treffer: C. wurde in Österreich bereits wegen des Verdachts auf Einbruchsdiebstahl gesucht, der mehrere Jahre zurückliegt. Festgenommen wurde der 31-Jährige nicht - es gab keinen Haftbefehl, sondern bloß eine Anfrage zur Aufenthaltsermittlung durch die Justiz.

Oder anders ausgedrückt: Der Polizist in Spielfeld konnte C. nur nach seiner Adresse fragen und ihn bitten, er möge sich doch bei der Staatsanwaltschaft melden. Ebenso wie jener Kollege in Wien am 22. Juni, der C. überprüft hatte. Dass C. erst im März aus der Strafhaft in Bukarest entlassen wurde, war übrigens am Grenzübergang nicht ersichtlich. C. saß wegen eines Raubdeliktes in Rumänien, die Tatmuster seien durchaus ähnlich zu jenen in Graz, heißt es. "Nicht jeder Beschuldigte, den wir suchen, wird gleich mit einer Festnahmeanordnung gesucht", verteidigt jedoch Hansjörg Bacher, Sprecher der Staatsanwaltschaft Graz, die Vorgangsweise. Das sei vor allem bei EU-Bürgern der Fall.

Offen ist derzeit noch die Auswertung von DNA-Spuren und die Frage, was mit dem Schmuck passiert ist. "Soko"-Leiter Lohnegger betont, dass alle Händler überprüft worden seien: Keiner hatte die teilweise beim Raub kaputt gegangenen Ketten.