Winzige Kunst, große Geschichte: Uli Aigner töpfert Mini-Porzellanservice
Mit ihrem neuen Kunsthandwerksprojekt will die aus Niederösterreich stammende Porzellankünstlerin Uli Aigner einen weiteren Beitrag für Kulturchronik liefern. Die rührige Keramikerin wird der deutschen Stadt Lößnitz mit kunsthandfertigen Partnern zum kleinsten Porzellanservice der Welt verhelfen.
Die Stadt in Sachsen besaß ein derartiges Service ja bereits, wurde aber 2012 bestohlen. Vor über 100 Jahren entstand im Mekka des Porzellans, in einer Weißdreherwerkstatt in Meißen, das kleinste Porzellanservice der Welt. Es bestand aus 143 winzigen, meisterhaft gefertigten Einzelteilen. Dieses war über Jahrzehnte in Lößnitz ausgestellt, verschwand einmal und wurde wiederentdeckt. 2012 schlugen Diebe zu, seitdem ist das edle Miniaturgeschirr verschollen.
Mostviertlerin in Berlin
Uli Aigner, die aus Gaming im Ötscherland stammt und in Berlin lebt, ist über ihr weltweit bekanntes Projekt mit monumentalen Porzellangefäßen „One Million“ bereits Mitgestalterin eines Skulpturenwegs in Lößnitz. Gemeinsam mit Partnern wird sie nun eine Neuinterpretation des legendären Miniaturservices vornehmen. Die ungewöhnliche Geschichte des Mini-Geschirrs wird weitergeschrieben. Es werden ebenfalls 143 Einzelteile gebrannt.
Um das Projekt zu ermöglichen, sollen Porzellanliebhaber mit ins Boot geholt werden. Für die Herstellung der kleinen Gefäße und Teller werden Patinnen und Paten gesucht. Mit einem Beitrag zwischen 50 und 150 Euro wird man als Göd eines Zwergengefäßes oder eines kleinen stattlichen „One Million“-Lößnitzer Bierkrugs verewigt (www.loessnitz-makers.de).
Leitprojekt
Damit verbindet Aigner das Vorhaben wieder mit ihrem Leitprojekt, mit dem sie bereits tausendfache kunsthandwerkliche Spuren in Museen und privaten Kunstsammlungen auf allen Kontinenten hinterlassen hat. 2014 startete sie „One Million“ und kündigte an, eine Million spezielle Porzellangefäße drehen zu wollen. Dabei werden alle Becher, Krüge oder Teller nummeriert und auf einer digitalen Weltkarte registriert. So sind sie jederzeit auffindbar. Jedes Stück steht zudem für eine Botschaft.
Vor dem vergangenen Wochenende war ein kunstvoller Aschenbecher unter Item 11.873 als bislang letztes One-Million-Exponat Aigners in ihrer Datenbank registriert. Ihr sei klar, dass sie die Zahl 1.000.000 persönlich nie schaffen könne, sagte die 61-Jährige. Allerdings sei ihr Projekt auf 300 Jahre ausgelegt und werde durch eine Art „digitaler Zwilling“ in der Zukunft fertiggestellt.
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