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Chronik Österreich
04/03/2022

Polizeihund Camille auf der Jagd nach dem Bösen

Knapp 400 Polizeidiensthundeführer gibt es in Österreich. Wie sie und ihre Tiere ausgebildet und eingesetzt werden, hat sich der KURIER im Ausbildungszentrum in Strebersdorf angesehen.

von Michael Chudik

„Die Harmonie zwischen uns stimmt einfach. Ich könnte mir keine bessere Partnerin vorstellen“: So klingt es, wenn Thomas B. über Camille spricht.

Camille ist ein Hund, aber kein durchschnittlicher. Sie ist eine Polizeihündin. Zusammen mit ihrem Herrchen absolviert sie gerade im Bundesausbildungszentrum Strebersdorf einen Fortbildungslehrgang, bei dem der KURIER dabei sein durfte.

59.630 Einsätze mit Polizeidiensthunden gab es im Jahr 2021. Drei Viertel davon entfielen auf den Objekt- und Personenschutz. Häufig zum Einsatz kommen die Hunde auch bei der Suche nach Drogen (4.080 Einsätze), nach Personen (3.646 Einsätze) und nach Sprengstoff 
(1.848 Einsätze)

390 Polizeihunde gibt es aktuell in ganz Österreich. Die meisten davon in Wien (89), Niederösterreich (64) und der Steiermark (48).

In Strebersdorf wurden im Jahr 2021 insgesamt 273 Polizeihunde  ausgebildet. 230 befanden sich in Grundausbildungslehrgängen, weitere 43 in Überprüfungs- bzw. Fortbildungslehrgängen.

Strebersdorf ist österreichweit eines von zwei Ausbildungszentren für Polizeihunde. Das zweite befindet sich in Bad Kreuzen in Oberösterreich.

Trainiert werden verschiedenste Situationen. So muss Camille auf Kommando einem Ball nachjagen und ihn ihrem Herrchen bringen. Später muss sie das Szenario wiederholen, aber ihre Jagd auf Kommando unterbrechen. Und tatsächlich – die belgische Schäferhündin bleibt auf halber Strecke stehen und kehrt um. „Das ist ein klassisches Unterordnungstraining. Das Jagdverhalten zu unterbrechen kann auch im Einsatz erforderlich sein“, sagt der Kommandant der Polizeidiensthundeeinheit, Rudolf König.

Camille ist nur eine von 390 Polizeihunden, die aktuell in Österreich im Einsatz sind. Zusammen mit ihren Hundeführern sind sie nicht aus dem Polizeialltag wegzudenken. „Die Hunde besitzen Fähigkeiten, die weder Menschen noch technische Geräte leisten können“, sagt König.

In Strebersdorf, wo Zwingeranlagen, Unterkünfte und Trainingsareal vorzufinden sind, waren im Jahr 2021 insgesamt 273 Diensthundeführer samt ihren Hunden in Ausbildung. Der Großteil von ihnen, nämlich 230, absolviert die eineinhalb- bis zweijährige Grundausbildung. Ein anderer Teil, wie auch Thomas B., den Fortbildungslehrgang.

15-jährige Partnerschaft

Was alle Diensthundeführer eint, ist, dass sie eine richtungsweisende Entscheidung für ihr Leben zu treffen haben. „Wenn man sich für den Job des Diensthundeführers entscheidet, ist das ein Schritt für die nächsten 15 Jahre. Dazu zählen eben nicht nur die Ausbildung und der Einsatz, sondern auch der Lebensabend des Hundes“, sagt König.

Im Prinzip sei es eine Partnerschaft, die beginnt, wenn der Hund acht Wochen alt ist. Hundeführer Thomas B. ist die Entscheidung nicht schwergefallen: „Für mich war das sogar das Hauptargument für meinen Eintritt in den Polizeidienst.“

Als Welpen sollen sich die Hunde bei ihren neuen Herrchen erst einmal an ihr Umfeld gewöhnen und spielerisch die ersten Schritte bewältigen. Erst nach einiger Zeit tasten sie sich langsam an das polizeispezifische Training heran.

Geeignete Hunderassen

Nicht alle Hunderassen sind für den Dienst als Polizeihund geeignet, da sie variabel einsetzbar sein müssen. „Wir können keinen Cocker Spaniel oder Jack Russell Terrier nehmen, die durchaus für Spüraufgaben geeignet wären“, erklärt der Standortleiter des Bundesausbildungszentrums in Strebersdorf, Berthold Gasser. Ausgebildet und eingesetzt werden Deutsche Schäferhunde, belgische Schäferhunde, Riesenschnauzer, Rottweiler und auch Airdale Terrier.

Zum Einsatz kommen die Blaulicht-Hunde in höchst unterschiedlichen Situationen. Insgesamt 59.630 Mal hatten Polizeihunde im Jahr 2021 ihre Pfoten im Spiel. Rund drei Viertel aller Einsätze entfallen auf den Objekt- und Personenschutz.

Erlebt hat auch B. mit seiner Camille schon einiges. Bei einem Einsatz schlug der Täter auf die Hündin ein. „Dennoch ließ sie nicht von der Person ab, wodurch der Mann in weiterer Folge festgenommen werden konnte.“

Die Fortbildung haben B. und Camille mittlerweile absolviert. Nun geht es für sie beide wieder auf Verbrecherjagd.

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