© Getty Images/baona/IStockphoto.com

Chronik Österreich
02/17/2021

Politik feilt an U-Bahn-Plänen für Graz

Die ÖVP-FPÖ-Koalition präsentiert am Donnerstag eine Machbarkeitsstudie über eine neue Stadtbahn.

von Elisabeth Holzer

Stadtbahn? Mini-Metro? Oder doch einfach nur schlicht: U-Bahn?

Egal, welchen Namen das Projekt bekommen wird die Richtung ist klar: Die Grazer ÖVP-FPÖ-Koalition verfolgt eine unterirdische Lösung für Teile des öffentlichen Verkehrs oder zumindest eine abgespeckte Variante für die steirische Landeshauptstadt.

„Es wird nicht ohne U-Bahn gehen“, legte sich Bürgermeister Siegfried Nagl (ÖVP) bereits im Vorjahr in Interviews fest. Da hatte er sich kurz zuvor schon von einem Lieblingsprojekt trennen müssen: Die Gondel vom Bezirk Andritz bis in den Bezirk Puntigam hätte entlang der Mur eine originelle Nord-Süd-Verbindung in Graz schaffen sollen.

Keine Gondel an der Mur

Doch die Gesellschaft, die das Projekt bewertete, stufte die Gondel als unrealistisch ein. Außerdem stünden die hohen Stützen am Flussufer zu knapp an der Altstadt, als dass sie sich mit dem Status eines UNESCO-Weltkulturerbes verbinden lassen würden. Bleibt also nur noch der Weg in den Untergrund oder zumindest ein Stück weit unter die Erde, in Unterflurtrassen eventuell: Sie würden den Straßenbahnenverkehr doch erheblich beschleunigen, wenn die Gleiskörper von den Fahrbahnen für den Kfz-Verkehr getrennt sind.

Heute, Donnerstag, präsentieren Nagl und sein FPÖ-Vize Mario Eustacchio keiner der beiden ist übrigens Verkehrsstadtrat eine Machbarkeitsstudie, die Licht in den U-Bahn-Tunnel bringen soll. Die Projektgesellschaft „MUM 2030+“, die zur Holding Graz gehört, untersuchte ober- wie unterirdische Verkehrslösungen für die Stadt. Wobei auch ihre Ausrichtung klar ist es soll um Schnellverbindungen gehen. „Die zentrale Aufgabe der MUM 2030 wird sein, die technische, rechtliche und finanzielle Machbarkeit von zwei Hochleistungskorridoren in Ergänzung zum bestehenden ÖV-Netz zu untersuchen“, heißt es nämlich bereits im Projektauftrag, der 2019 erging und einen Kostenrahmen von einer Million Euro hatte. Von Ost nach West wird dabei dezidiert eine U-Bahn bzw. „ein U-Bahn-ähnliches System“ angesprochen.

Das lässt Möglichkeiten offen. So könnte etwa nur ein Teil des Neubaus unterirdisch fahren, es könnten auch bloß Straßenbahnen in Unterflurtrassen unterwegs sein. Diese Variante wurde bereits vor einigen Jahren beim Hauptbahnhof in Graz umgesetzt. Details wurden am Mittwoch jedenfalls noch nicht verraten, es wurde auf die Studienpräsentation verwiesen.

Erinnerungen an die  "Mini-Metro"

Schwarzblau im Rathaus hat die U-Bahn bzw. die U-Bahn-ähnliche Variante 2017 in ihr Arbeitsprogramm aufgenommen. Nun sind aber U-Bahn-Pläne für Graz nicht neu, sie tauchen alle paar Jahre wieder auf der politischen Agenda auf. Erstmals ventiliert Ende der 1990er-Jahre vom damaligen ÖVP-Stadtparteiobmann Helmut Strobl unter dem Begriff „Mini-Metro“.

Es gab Studien ohne Umsetzung, was aber auch an den für Grazer Verhältnisse horrenden Kosten lag, die die Stadt im Gegensatz zu Wien großteils alleine hätte tragen müssen: Für einen Metro-Kilometer wurden in der Machbarkeitsstudie 2000/01 43 Millionen Euro veranschlagt mittlerweile weiß man, dass solche Kalkulationen viel zu niedrig waren. Ein U-Bahn-Kilometer kostet gemäß Vergleichswerten aus Wien rund 200 Millionen Euro. Wird die Strecke auch teilweise oberirdisch geführt, verringern sich die Kosten um die Hälfte. Um das gleiche Geld gäbe es viel mehr Straßenbahn: Ein Kilometer kommt auf 20 bis 30 Millionen Euro.

Neben den Baukosten gab es auch noch ein weiteres Kriterium, das bisher gegen eine U-Bahn in Graz sprach: Sie lohnt sich nämlich erst ab mindestens 500.000 Fahrgästen jährlich, skeptischere Studien sprechen von einer Million. Die Kalkulation der „Mini-Metro“ der 1990er-Jahre lag mit 700.000 in der Mitte.

Zu hohe Feinstaubbelastung

Dass Graz jedoch mehr im öffentlichen Verkehrsbereich tun muss, ist evident: Der Bundesrechnungshof kritisierte erst in seinem vergangene Woche veröffentlichten Bericht, dass die Stadt zu wenige gegen die hohe Feinstaubbelastung unternehme. Die Prüfer regten an, den Kfz-Verkehr drastisch zu reduzieren, und erinnerten an die Pläne einer Citymaut oder Umweltzone. Im Gegenzug müsste aber der öffentliche Verkehr massiv ausgebaut werden.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.