Chronik | Österreich
11.07.2017

Penthouse-Kauf von Ex-SPÖ-Chef wird noch einmal geprüft

Wohnungsdeal: Aufsichtsratchef sieht kein Problem in Verkauf an Frau von NHT-Geschäftsführer.

Eigentlich hätte Hannes Gschwentner, Geschäftsführer der Neuen Heimat Tirol (NHT), erahnen können, welche Debatten seine neuen Wohnverhältnisse auslösen. Wie berichtet, ist der Ex-SPÖ-Chef vor Kurzem in eine Penthouse-Wohnung in Absam nahe Innsbruck eingezogen. Die hat seine Frau von der NHT gekauft. Also von jenem gemeinnützigen Bauträger, deren Chef Gschwentner ist.

Die Wohnung mit Dachterrasse ist zwar frei finanziert, also nicht gefördert. Das Gebäude selbst jedoch sehr wohl. Eine ähnliche Konstruktion hat im Sommer 2015 bereits Karl Wurm, Chef der Gewog/Neue Heimat in Wien, unter Beschuss gebracht. Der hatte ebenfalls eine nicht geförderte Dachgeschoßwohnung, die auf einem geförderten Wohnbau seines Unternehmens errichtet wurde, gekauft und auch noch weitere Immobilien dieser Art erworben.

Der Revisionsverband der gemeinnützigen Bauvereinigungen Österreichs, an dessen Spitze Wurm pikanterweise steht, erklärte damals: Man sei sich "bewusst, dass Verkauf bzw. Vermietung von Wohnungen an Mitglieder bzw. Verwandte des Managements von gemeinnützigen Bauvereinigungen – unter Einhaltung der gesetzlichen Voraussetzungen zwar zulässig – in der breiten Öffentlichkeit möglicherweise kein gutes Bild hinterlasse."

ÖVP-Klubobmann und Aufsichtsratchef bei der NHT will im Deal der Familie Gschwentner nichts Anrüchiges erkennen: "Wenn wir eine frei finanzierte Wohnung haben, werden wir die Frau unseres Geschäftsführers nicht zur Konkurrenz schicken. Wir werden den Verkauf aber im Zuge der Revision noch einmal prüfen lassen." Wolf betont, dass alle vier frei finanzierten Wohnungen in dem Objekt auf der gleichen Basis kalkuliert worden seien. "Es hat hier keinen Gschwentnerpreis gegeben", sagt der ÖVP-Klubobmann.

Startvorteil

Gschwentner hatte aber jedenfalls einen gehörigen Startvorteil. Das Penthouse war die einzige Immobilie im gesamten Komplex, für die sich die NHT von der Gemeinde Absam das Vergaberecht ausbedungen hat. Gschwentner konnte also zugreifen, ohne dass das Objekt jemals auf dem freien Markt aufschien. Bewerber für die übrigen Wohnungen mussten bereits in Absam leben. Das trifft weder auf Gschwentner, noch seine Frau zu. Zwar ging laut Gemeinde auch eine weitere frei finanzierte Wohnung an Ortsfremde. Sie wurde aber zumindest zuvor am freien Markt angeboten.