© APA/dpa/Sebastian Gollnow

Chronik Österreich
01/19/2021

Österreichs Impfstrategie mit Löchern im Echtbetrieb

Der Umgang mit "übrig gebliebenen" Dosen lässt unter anderem Bürgermeister zum Zug kommen.

von Christian Willim

Ich impfe mir die Welt Widdewidde, wie sie mir gefällt: Dieser Eindruck entsteht, nachdem es nun bereits aus mehreren Bundesländern Berichte zu fragwürdigen Vorreihungen bei den angelaufenen Covid-Impfungen gibt.

Für besonders große Aufregung sorgt der Fall des VP- Bürgermeisters von Feldkirch, Wolfgang Matt, der sich laut Medienberichten bei einer Impfaktion in einem Altersheim regelrecht hineingedrängelt haben soll, um eine von mehreren übrig gebliebenen Dosen zu erhalten.

Matt bestreitet das und erklärt, er habe sich „weder vorgedrängt noch jemanden um die ihm laut Priorisierung zustehende Impfung gebracht“.

Länder in der Pflicht

Die Impfstrategie des Bundes sieht vor, dass zunächst Bewohner und Mitarbeiter von Altersheimen, Menschen mit Vorerkrankungen und über 80-Jährige, die zu Hause leben, geimpft werden sollen. Nach dem Hickhack um den lahmen Start sind für die Organisation nun die Bundesländer zuständig.

„Grundsätzlich haben die Impfbeauftragten der Gesundheitseinrichtung sowie der Impfkoordinator im jeweiligen Bundesland für ein geordnetes Vorgehen Sorge zu tragen“, heißt es auf Anfrage vom Gesundheitsministerium zu den Debatten, um Impfungen in Altersheimen für Personen abseits der eigentlichen Prioritätenliste.

Laut Medienberichten aus Vorarlberg, Tirol, Oberösterreich und Kärnten sind bereits mehrfach Bürgermeister zum Zug gekommen – aber auch Gemeindebedienstete oder Angehörige von Altersheimbewohnern.

Dass überhaupt Impfdosen übrig bleiben, hat unter anderem damit zu tun, dass aus einem Fläschen nicht nur sechs statt fünf, sondern teilweise sogar sieben Spritzen gezogen werden können. Die Heime sind angehalten, keines der wertvollen Vakzine verderben zu lassen.

Doch warum kommen dann nicht die ebenfalls ganz vorne in der Prioritätenliste stehenden über 80-Jährigen zum Zug, die alleine leben?

Keine Ersatzliste

„Impfstrategie recht und gut, man muss dann aber auch die Leute verfügbar haben“, sagt Hans Schermer vom Seniorenheim Teresa im Tiroler Unterperfuß. Hier wurden neben Personal und Bewohnern vergangene Woche auch rund 50 externe Personen geimpft. Eine Liste mit Ersatzkandidaten gab es nicht.

„Die Ärzte haben Patienten hergeholt, Angehörige von Bewohnern und den Verbandsobmann, weil er regelmäßig im Haus ist“, sagt Schermer. Dass es sich beim Obmann des Gemeindeverbands ebenfalls um einen Bürgermeister – Rudolf Häusler, Kematen – handelt, schlägt in Tirol Wellen.

„Muss ein Mensch mit einem politischen Amt seine Krankenakte offenlegen“, sagt er. Er sei als Person mit einer schweren Vorerkrankung gefragt worden. Als Obmann sei er zudem Chef des Altersheims und somit Mitarbeiter. Ähnlich argumentieren auch Bürgermeister in Oberösterreich.

Das Gesundheitsministerium stellt klar, dass Listen mit Ersatzkandidaten bei Impfaktionen in Heimen vorliegen sollten und ergänzt: „Sollten sich in der Einrichtung keine andere priorisierte Person für eine Impfung finden, dann kann in weiterer Folge auch im näheren Umfeld gesucht werden.“ Allerdings klar der Prioritätenreihung folgend.

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