Chronik | Österreich
02.12.2013

Briefbetrüger: Alter Trick, neu verpackt

Eine neue Welle an Betrugsbriefen aus Rumänien ist unterwegs.

Wer will nicht ein gutes Drittel von 37 Millionen US-Dollar haben? Mehrere Grazer jedenfalls wollten jedenfalls nicht. Sie sind auf den Schwindel der jüngsten Welle fingierter Erbschaftsbriefe nicht hereingefallen und schickten diese doch lieber postwendend an die Polizei weiter, statt sich auf das vermeintlich gute Geschäft einzulassen.

Unter „Nigeria Connection“ wurden derartige Betrügereien bekannt. Darin werden oft lang verschollene Erben betuchter Verstorbener gesucht, die Millionen und Abermillionen hinterlassen hätten. Mit den in Graz aufgetauchten Schreiben zeigt sich jedoch eine Steigerung des bösen Treibens: Sie wurden in brauchbarem Deutsch verfasst und sind echte Poststücke, keine eMails. Das gibt dem Schreiben einen offizielleren Anstrich. Außerdem wurde der Schmäh der Erbschaft weitergesponnen: Lange sei nach einem Namensvetter des Erblassers gesucht worden, schreibt ein vermeintlicher Anwalt und lockt den Adressaten: 40 Prozent des Erbes könne er oder sie haben, sollte man sich als Nachkomme ausgeben.

Forderung folgt

„Von der Qualität her sind die Briefe wesentlich besser als früher“, berichtet Klaus Murtinger vom Stadtpolizeikommando Graz. „Der Schmäh ist auch ein neuer, das mit dem echten Erben glaubt einem ja schon keiner mehr.“ Nichts geändert habe sich an der Vorgangsweise danach: Nach der Kontaktaufnahme folgen Geldforderungen. „Zum Beispiel Notarskosten. Aber auch das immer mit einem Angebot, dass man sich das teilt, also er 450 Euro, ich 450 Euro“, beschreibt Murtinger. „Aber sobald man ein Mal zahlt, hängt man drin. Dann geht’s erst richtig los.“

Neu an den in Graz abgefangenen Briefen scheint auch der Aufgabeort sie tragen rumänische Poststempel. Bisher meldeten sich zwar nur fünf Betroffene bei der Polizei, durchwegs Senioren, aber Murtinger geht davon aus, dass „da eine kleine Schwemme“ unterwegs ist. Er mahnt zur Vorsicht: Niemals Kontodaten bekannt geben, niemals Passwörter und keinesfalls Geld überweisen, egal, wie hoch der versprochene Gewinn auch sei.

Das gelte auch für andere, nach wie vor im Umlauf befindliche „ Nigeria Connection“-Varianten wie die Liebesfalle („Freunde“ aus Singlebörsen fordern Unterstützung in Notlagen) , Immobiliengeschäfte („Bearbeitungsgebühr“ für Schnäppchen) oder Bitten um Geld von verreisten Bekannten.

Das Testament als letzte gute Tat

Das Erbe der alten Dame hat Bestand. Das Haus, das sie der Caritas vermacht hat, ist heute das Mutter-Kind-Haus Luise in Wien. „Das ist ein konkretes Beispiel dafür, was wir aus Erbschaften machen können“, sagt Generalsekretär Klaus Schwertner. 21 Millionen Euro erhielt die Caritas Wien im Vorjahr an Spenden. Rund fünf Prozent davon stammen aus Erbschaften.

Sensibles Thema

Ein Thema, das lange ein Tabu war. Dabei stammt bereits jede zehnte Spende aus einem Legat oder einem Testament, bestätigt Günther Lutschinger, Geschäftsführer des Fundraising Verbands Österreich. 41 Organisationen sind bei der „Initiative für das gute Testament“ dabei. Mit gutem Grund. Bei einem gesamten jährlichen Spendenvolumen in Österreich von 500 Millionen Euro, sind die Hinterlassenschaften zu einer wichtigen Spenden-Quelle geworden. „Speziell Organisationen aus dem medizinischen Bereich, etwa die Krebshilfe, oder der Tierschutz werden häufig in Testamenten bedacht“, sagt Lutschinger. „Da ist oft ein starker persönlicher Bezug da. Entweder durch eine Krankheit. Oder durch die Überlegung, was nach dem Tod mit dem Haustier passiert“, erklärt Lutschinger.

Gespendet wird nicht nur Geld. Auch Grundstücke und Häuser fallen an Organisationen. Zum Teil mit Auflagen und Wünschen, wo und wie die Spende zum Einsatz kommen soll. „Kann das nicht erfüllt werden, lehnen wir das Erbe ab“, sagt Schwertner von der Caritas. Doch oft gibt es nur eine Bitte: Dass das Grab gepflegt wird oder es Betreuung im Hospiz gibt. „Das erfüllen wir natürlich.“ www.vergissmeinnicht.at