Chronik | Österreich
03.01.2017

Neuer Rekord bei Waffen im Haushalt

Fast eine Million Pistolen, Revolver und Gewehre registriert / 290.000 besitzen zumindest eine Waffe.

Es war ein gutes Jahr für den heimischen Waffenhandel. Laut einer Erhebung von Branchenradar wurden im Vorjahr rund 57.000 Schusswaffen verkauft. Das entspricht einem Anstieg um fünf Prozent. Speziell gebrauchte Waffen waren demnach äußerst gefragt. Diese Entwicklung bestätigt auch das Innenministerium: Per Anfang Dezember 2016 waren in Österreich 977.911 Waffen gemeldet. 289.116 Österreicher besitzen zumindest eine Waffe.

"Der Gewehrmarkt ist relativ stabil, bei den Neuwaffen sogar rückläufig. Der Absatz ist auf 7250 Stück gesunken – vor allem deshalb, weil ein Anbieter Lieferengpässe hatte. Zuwächse gab es bei den Revolvern und Pistolen", sagt Andreas Kreutzer von Branchenradar. "Rund zwei Drittel des Marktes sind gebrauchte Waffen."

Und der Handel mit diesen gebrauchten Waffen findet immer öfter im Internet statt. "Das ist wie beim Autokauf – wenn man Waffen über den Händler verkauft, bekommt man eben weniger Geld dafür", sagt Martin Praschl-Bichler von Interarms Sportwaffen. "Zum Teil kommen wir gar nicht mehr zu gebrauchten Waffen."

Allerdings: Wer sich zuletzt dazu entschlossen hat, eine Waffenbesitzkarte beantragen zu wollen, und dafür um die 600 Euro investiert (inkl. Schießpraxis, Theorie und psychologischem Test, Anm.), der würde sich oft auch eine Neuwaffe zulegen. Eine klassische Pistole kostet 700 bis 1000 Euro, tausend Stück Munition dazu 240 Euro.

Theoretisch müssen seit Mitte 2014 Waffen (Ausnahme z. B. Schrotflinten) registriert sein. Sind sie aber nicht immer. "Noch immer werden Waffen nachregistriert. Etwa geerbte oder am Dachboden gefundene Waffen", sagt Kreutzer. Und er hat auch die Jägerschaft im Verdacht, oft noch säumig zu sein. Geschätzte 30.000 Jäger sollen laut Kreutzer keine Waffen gemeldet haben.

Nachmeldungen

"Das sind keine Einzelfälle, das kommt immer wieder vor", bestätigt Praschl-Bichler. "Das betrifft auch Jäger, die einen EU-Feuerwaffenpass haben. Sie gehen automatisch davon aus, dass ihre Waffen dadurch gemeldet sind. Erst wenn sie den fünf Jahre gültigen Pass verlängern wollen, fällt das auf." Nachmeldungen sind auch jetzt noch möglich. "Wer das selbst macht, muss sich nicht vor einer Strafe fürchten. Der Gesetzgeber ist froh, wenn jemand seine Waffen registriert." Unangenehm könnte es allerdings werden, wenn der Waffenbesitzer bei einer Kontrolle mit nichtgemeldeten Waffen erwischt wird. "Dann kann das bis zum Entzug der Jagdkarte gehen", bestätigt Ludwig Wittgenstein, Retail-Manager des traditionsreichen Waffenhändlers Joh. Springers Erben.

Dass die Jägerschaft tatsächlich so viele ungemeldete Waffen hat, hält Peter Lebersorger, Geschäftsführer des nö. Landesjagdverbandes, für unrealistisch. "Diese Zahl halte ich für völlig unseriös.Wir haben selbst eine Umfrage gemacht – die Jäger haben ihre Waffen gemeldet. Und bei einem Jäger geht man automatisch davon aus, dass er Waffen besitzt – die kann man nicht einfach verstecken."

Zudem habe man, als die Registrierungspflicht bekannt wurde, eine große Kampagne gestartet. "Vermutlich betrifft das eher Waffenbesitzer, die ihre Waffe nicht regelmäßig brauchen."

Das Geschäft läuft jedenfalls gut. Der Handel in Österreich setzte im Vorjahr rund 51 Millionen Euro um. Im Jahr 2015 waren es noch 3,5 Millionen Euro weniger.