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Chronik Österreich
07/08/2022

Neue Universität in Linz: Kritik zum Start, Hoffnung auf Gründungskonvent

Im Parlament wurde am Freitag das Gesetz zur Gründung des „Institute of Digital Sciences Austria“ beschlossen. Weiter Vorbehalte.

von Josef Kleinrath

§ 1: „In Linz wird das Institute of Digital Sciences Austria als Technische Universität – im Folgenden ‚Universität‘ – gegründet.“ So lautet der erste Paragraf des Bundesgesetzes, das den Weg für die neue Universität in Linz ebnet.

Für eine Universität, die umstrittener kaum sein kann. Während Bildungsminister Martin Polaschek (ÖVP) in den höchsten Tönen schwärmt („Das Institute of Digital Sciences ist eine Universität, wie es sie in dieser Form in Österreich noch nicht gegeben hat. Sie ist eine Bereicherung unserer Hochschullandschaft und bietet im Vollausbau über 6.000 Studierenden innovative und zukunftsträchtige Studiengänge an.“), kritisieren 328 Wissenschafterinnen und Wissenschafter sowie Mitarbeiter der Johannes Kepler Universität Linz die Errichtung der neuen Uni.

Man lege auf die Freiheit in Forschung und Lehre und akademische Selbstverwaltung wenig Wert. „Dafür öffnet man politischer und wirtschaftlicher Einflussnahme Tür und Tor“, fürchten die Wissenschafter. Und die Kritik geht noch weiter: „Das Ziel, die Digitalisierung weiter zu fördern, würde mit einer ‚Universität‘ auf Basis eines derart untauglichen Konzepts nicht erreicht und würde darüber hinaus die Johannes-Kepler-Universität Linz und die ohnehin schon stiefmütterlich behandelte gesamte österreichische Universitätslandschaft nachhaltig schädigen.“

Beschlossen wurde die Universität im Nationalrat dennoch, ohne SPÖ und Neos. Im Vorfeld haben der Finanzminister, der Bildungsminister und der Landeshauptmann von Oberösterreich die Finanzierung präsentiert.

Land zahlt die Hälfte

Das Land Oberösterreich wird sich an den Errichtungskosten von 234 Millionen Euro zur Hälfte beteiligen. Alle anderen Kosten übernehme der Bund. Die Finanzierung der ersten Jahre werde über die Johannes-Keppler-Universität abgewickelt, die dafür zusätzliche Mittel erhalte, so das Bildungsministerium. Für die nächste Phase 2024–2025 sind im Bundesfinanzrahmen 45 Mio. Euro vorgesehen. Das Budget soll im Vollausbau der Uni 2036 mindestens 150 Mio. Euro für Lehre, Forschung und Infrastruktur betragen.

Skepsis auch in der Regierung

Im Parlament bekräftigte selbst die Grüne Abgeordnete Eva Blimlinger ihre Skepsis gegenüber dem Projekt, ebenso die Freiheitlichen wie auch die SPÖ.

Kritik kommt von Martina Künsberg Sarre. Die Neos-Bildungssprecherin erklärt, warum ihre Fraktion dagegen gestimmt hat: „Wir sind nicht prinzipiell gegen eine neue Universität, aber wenn eine Einrichtung in der Entwicklung schon so großen Unmut hervorruft, ist der Prozessablauf problematisch.“ Sämtliche Stakeholder seien vor den Kopf gestoßen worden.

Ihre Hoffnung, und auch die von Blimlinger, liegt auf dem Gründungskonvent, der im § 6 des Gründungsgesetzes geregelt ist: „Das wird der Elchtest. Wie international, wie renommiert, wie politisch unabhängig wird dieses Gremium aufgestellt? Da sind echte Fachleute nötig, damit es nicht more of the same wird.“

Der neunköpfige Gründungskonvent wird von Bildungsminister, Technologieministerin, vom Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung und von der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft nominiert.

"Sicher keine Mathematikerin"

Debattiert wurde auch schon über einen möglichen Namen. ÖVP-Bildungssprecher Rudolf Taschner schlug vor, die neue Hochschule nach der Linzer Mathematikerin Olga Taußky zu benennen. Was für die Grüne Koalitionspartnerin Eva Blimlinger gar nicht passt: „Nach einem Mathematiker werden wir es sicher nicht nennen.“ Es müsse eine Person aus dem Bereich der Digitalkunst sein, meinte sie mit Verweis auf die weit über Linz strahlende Ars Electronica. 

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